Montag, 16.01.2017
Zwar könnte Trumps Wirtschaftspolitik auch den deutschen Außenhandel treffen – aber nur kurzfristig.

Bildquelle: Kavuto/Thinkstock/Getty Images

Zwar könnte Trumps Wirtschaftspolitik auch den deutschen Außenhandel treffen – aber nur kurzfristig.

Zukunftsmärkte
Deutscher Aussenhandel

Beeinträchtigung durch Trump nur vorübergehend

Ein Fan von freiem Außenhandel ist der neue US-Präsident Donald Trump nicht. Für deutsche Firmen hätte die Aufkündigung internationaler Handelsverträge erhebliche Auswirkungen – sollte es überhaupt so weit kommen.

Schon während seines Wahlkampfes fiel Donald Trump durch außenhandelsfeindliche Parolen auf. Sollte er das Angekündigte in die Tat umsetzen, hätte das für deutsche Firmen ernste Konsequenzen. Waren im Wert von 114 Milliarden Euro exportierten deutsche Unternehmen vergangenes Jahr in die USA. Auch andere Märkte, zu denen Trump die Beziehungen auf den Prüfstand stellen will, sind für die deutsche Wirtschaft wichtig.

In der Theorie hat Trump relative Autarkie bei der Aufkündigung internationaler Handelsverträge. Der Trade Act von 1974 gibt ihm die Macht, Handelsverträge ohne Einbindung anderer Regierungsorgane auszuhebeln und per Executive Order Strafzölle zu verhängen. Die Verhandlungen über das Transatlantische Freihandelsabkommen TTIP könnte er ebenfalls sofort abbrechen.

Für wahrscheinlich halten Experten und Unternehmer diese Gefahr aber nicht. „Dafür sind den USA die Beziehungen zu Europa zu wichtig“, betont Bernhard Mattes, Präsident der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland (Amcham Germany). 

Nebeneffekte für Geschäfte mit China und Russland

Folgenreiche Nebeneffekte ergäben sich für den deutschen Mittelstand durch eine veränderte US-Politik gegenüber China, Russland und Iran. Fielen die USA als Markt für chinesische Waren weg, könnten diese Warenströme nach Europa umgeleitet werden, vermutet Ulrich Ackermann, Abteilungsleiter für Außenwirtschaft beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Für europäische Firmen entstünden mehr Ansatzpunkte für Geschäfte mit China, gleichzeitig bekämen sie es aber – noch stärker als bislang – in ihren Heimatmärkten mit selbstbewusst auftretenden chinesischen Wettbewerbern zu tun.

Mit Blick auf Russland stellte Trump oft eine enge Zusammenarbeit in Aussicht. Für deutsche Firmen bedeuteten eine amerikanisch-russische Verbrüderung und die Lockerung der Sanktionen freieren Zugang, erklärt Marc Kloepfel, Geschäftsführer der gleichnamigen Einkaufsberatung: „Das Land leidet unter einem enormen Investitionsstau, der Bedarf an deutscher Technologie ist hoch.“

Iran-Handel: Weitergeführte Sanktionen von Nachteil

Auch im Iran ist die Nachfrage nach deutscher Technologie hoch. Nach der Aufhebung der Sanktionen dürfen europäische Firmen den Markt seit Anfang 2016 wieder beliefern. Trump jedoch glaubt nicht an die sicherheitspolitische Wirksamkeit des Atomabkommens. Weil sich so viele Nationen an dem Deal beteiligt haben, kann er das Vereinbarte immerhin nicht eigenmächtig aufkündigen.

Doch bis heute haben die USA nicht alle Sanktionen gegenüber dem Iran aufgehoben, was zu Unsicherheit für europäische Firmen im Markt führt. Hält Trump an den Sanktionen auch langfristig fest, werden sich die europäisch-iranischen Wirtschaftsbeziehungen vermutlich nicht wie geplant normalisieren.

All diese Entwicklungen beträfen deutsche Firmen zumindest indirekt und schlügen sich auch in den Exportzahlen nieder. „Deutsche Mittelständler sind aber extrem flexibel und werden sich auf diese geänderte Situation einstellen“, ist sich Hans Fabian Kruse sicher, Präsident des in Norddeutschland beheimateten AGA Unternehmensverbandes.

Am 20. Januar wird Donald Trump als Präsident der USA vereidigt. Welche Folgen das für deutsche Mittelständler hat, beleuchten wir in einem Themenschwerpunkt.

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