Montag, 13.06.2022
Zukunftsmärkte
Unternehmensinsolvenz in der Coronakrise

Betrieb Pleite, aber der Arbeitsplatz kommt zurück

Fachkräftemangel und demografischer Wandel führen dazu, dass Arbeitnehmer auch bei Unternehmensinsolvenzen nicht lange vom Arbeitsplatzverlust betroffen sind. Dazu kommt: Die Unternehmensinsolvenzen gehen zurück.

Entwicklung der Unternehmensinsolvenzzahlen in der Coronakrise (IN-Verfahren)

Die Zahl der beantragen Unternehmensinsolvenzen ist mit 3483 Pleiten im ersten Quartal des Jahres 2022 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 7,4 Prozent gesunken. Dies hat des Statistische Bundesamt in dieser Woche mitgeteilt. Auch bei den Verbraucherinsolvenzen sind die Zahlen rückläufig und ergeben ein Minus von 24,9 Prozent. Der starke Anstieg der Verbraucherinsolvenzen im Jahr 2021 war auf die Verkürzung der Restschuldbefreiungsverfahren von sechs auf drei Jahren zurückzuführen – diese Entwicklung hat sich im 1. Quartal 2022 nun wieder normalisiert.„Viele private Schuldner haben auf die Reform der Restschuldbefreiung gewartet, die ihnen eine schnellere Entschuldung ermöglicht. Im letzten Jahr kam es deshalb zu sehr hohen Verbraucherinsolvenzzahlen. Die Nachholeffekte der Reform sind nun aber abgearbeitet“, sagt Christoph Niering, Insolvenzverwalter und Vorsitzender des Berufsverbandes der Insolvenzverwalter und Sachwalter Deutschlands.

Der Arbeitsmarkt brummt

Das ist aber nicht der einzige Grund. „Der Rückgang der Verbraucherinsolvenzen ist auch auf den starken Arbeitsmarkt zurückzuführen“meint Niering. Der Verlust des Arbeitsplatzes gehört neben Krankheit und Ehescheidung zu den Hauptgründen für die private Überschuldung. Fällt die Arbeitslosigkeit deutlich geringer aus, wirkt sich dies automatisch auf die Entwicklung der Verbraucherinsolvenzzahlen aus. Unternehmensinsolvenzen gehen in vielen Fällen mit einem Abbau der Arbeitsplätze einher. „Durch den starken Arbeitsmarkt entwickeln sich auch bei Unternehmensinsolvenzen derzeit keine auffälligen Strukturkrisen. Wir sehen in unserer täglichen Arbeit, dass insbesondere gut ausgebildete Arbeitnehmer meist sofort neue Beschäftigung finden“, stellt Niering fest. Die Menschen, die hinter dem Unternehmen stehen, treffe es aktuell nicht mehr so dramatisch wie in früheren Krisenzeiten.    

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