Böllerboom 2025: Zwischen Umsatzrekord und Verbot - der Kampf ums Silvesterfeuerwerk
| Markt und Mittelstand Redaktion | Lesezeit: 5 Min.
Trotz Inflation boomt das Feuerwerk. Milliardenfunken am Himmel – und eine hitzige Verbotsdebatte.
30.12.2025 - Raketen statt Regeln: Niederländer umgehen das Feuerwerksverbot
Kurz vor Silvester wird es in deutschen Grenzstädten hektisch. Supermärkte und Verkaufsstände füllen sich mit Kunden aus den Niederlanden, die sich mit Raketen, Batterien und Böllern eindecken. Kennzeichen aus dem Nachbarland dominieren die Parkplätze, in den Läden geht es eng zu, Nachschub wird unter Zeitdruck verteilt.
Der Grund für den Ansturm liegt jenseits der Grenze: In den Niederlanden ist der Verkauf von starkem Feuerwerk stark eingeschränkt, ein vollständiges Verbot ab 2026 geplant. Viele wollen deshalb noch einmal zugreifen – und fahren dafür auch weite Strecken. Deutsche Anbieter befeuern den Trend gezielt mit Werbung, teils direkt in niederländischen Briefkästen oder über soziale Medien.
Der Handel hat reagiert: mehr Ware, mehr Personal, zusätzliche Kassen. Der Andrang war erwartet worden. Für die Käufer zählt vor allem eines: schnell sein. Wer früh kommt, geht mit vollen Kartons. Wer zögert, schaut oft nur noch auf leere Regale.
Ob es tatsächlich das letzte große Silvester mit privatem Feuerwerk in den Niederlanden wird, ist allerdings offen. Der politische Widerstand gegen das Verbot ist spürbar. Viele Holländer/-innen sehen Feuerwerk als festen Bestandteil des Jahreswechsels. Das Parlament muss zudem noch klären, wie ein Verbot kontrolliert werden soll – und was mit der Pyrotechnikbranche geschieht.
Bis dahin bleibt der Grenzverkehr ein Ventil. Und deutsche Supermärkte sind für viele Niederländer weiterhin die Adresse für den letzten lauten Abschied vom alten Jahr.
16.12.2025 - Der große Knall: Warum Silvester jetzt politisch wird
Deutschlands Feuerwerksbranche meldete zum Jahreswchsel 2024/2025 mit 197 Millionen Euro Umsatz ein Rekordergebnis – ein bemerkenswertes Comeback nach den pandemiebedingten Verkaufsverboten. Der Verband der pyrotechnischen Industrie wertete das als klares Bekenntnis der Bevölkerung zur Silvestertradition wertet.
Von Januar bis September 2025 wurden mehr als 42.400 Tonnen Feuerwerkskörper nach Deutschland importiert – ein Plus von 62,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Schlagzeilen über eine angebliche „Rekordmenge“ ließen nicht lange auf sich warten. Der VPI warnt jedoch vor vorschnellen Schlüssen. Die gestiegenen Einfuhren seien vor allem auf Vorzieheffekte zurückzuführen. Wegen geopolitischer Unsicherheiten auf den Transportrouten, unter anderem im Zusammenhang mit dem Gaza-Krieg, hätten viele Unternehmen ihre Container früher aus China verschifft. „Ein Jahresvergleich auf Basis einzelner Quartale führt in die Irre“, sagt Schreiber. Entscheidend sei stets das Gesamtjahr. Für 2025 rechnet der Verband zwar mit einer leicht steigenden Importmenge, jedoch bei weitem nicht in der Größenordnung der ersten drei Quartale.
Parallel dazu gewinnt die Verbotsdebatte an Dynamik. Millionen Menschen unterstützen Petitionen gegen private Silvesterfeuerwerke, Umfragen zeigen eine knappe Mehrheit für Einschränkungen, und die Diskussion ist längst auf Bundesebene angekommen. Während Branchenverbände vor kommunalen Alleingängen warnen und auf die Zuständigkeit des Bundes im Sprengstoffrecht verweisen, wächst zugleich die Sorge vor einem Flickenteppich lokaler Verbote, der rechtliche Unsicherheit und neue Sicherheitsprobleme schaffen könnte.
Die klassischen Kritikpunkte Umwelt, Müll und Notaufnahmen relativiert die Branche mit Studien: Feuerwerk verursache nur kurzfristige Emissionsspitzen, bestehe überwiegend aus recycelbaren Materialien und habe keinen entscheidenden Einfluss auf die Auslastung der Notaufnahmen.
Dennoch gehen die Länder und Kommunen zunehmend eigene Wege. In Niedersachsen ist kein flächendeckendes Böllerverbot geplant, stattdessen sollen die Kommunen selbst entscheiden, wo private Feuerwerke untersagt werden. Frankfurt setzt dagegen erneut auf strenge Verbote an bekannten Hotspots wie der Zeil und dem Eisernen Steg, flankiert von verstärkten Kontrollen und zeitlichen Beschränkungen.
Für Hersteller und Verbände steht damit mehr auf dem Spiel als Umsatz: Sie sehen im Silvesterfeuerwerk ein kulturelles Ritual und einen gesellschaftlichen Fixpunkt. Die regional unterschiedlichen Maßnahmen verdeutlichen den Grundkonflikt zwischen lokalen Einschränkungen und bundesweiter Regelung.
Umsätze mit Silvesterfeuerwerk in Deutschland
- 2024 - 197 Millionen € - (historscher Schub)
-
2023 – 180 Millionen € - (Rekordniveau, anhaltend hohe Nachfrage nach den Pandemiejahren)
-
2022 – 180 Millionen € - (Ende der Corona-Beschränkungen, deutlicher Nachholbedarf)
-
2021 – 21 Millionen € - (Corona-Beschränkungen, anhaltendes Verkaufsverbot)
-
2020 – 20 Millionen € - (Verkaufsverbot für Feuerwerk aufgrund der Corona-Pandemie)
-
2019 – 122 Millionen € - (zunehmende Umwelt- und Sicherheitsdebatten)
-
2018 – 133 Millionen € - (leichter Rückgang, wachsende Umweltdiskussionen)
-
2017 – 137 Millionen € - (stabiles Kaufverhalten auf Vorjahresniveau)
-
2016 – 137 Millionen € - (damaliger Höchststand des Marktes)
-
2015 – 133 Millionen € - (anhaltende Beliebtheit von Silvesterfeuerwerk)
-
2014 – 129 Millionen € - (moderates Marktwachstum)
-
2013 – 124 Millionen € - (stabile Nachfrage)
6. Januar 2025: Gewerkschaft der Polizei überreicht Petition zu Böllerverbot
Am 06. Januar 2025 überreichte die Gewerkschaft der Polizei dem Innenministerium eine Petition mit etwa 1,5 Millionen Unterschriften, die ein Verbot von privatem Feuerwerk in Deutschland fordert. Diese Initiative folgt auf eine chaotische Silvesternacht mit fünf Todesopfern und zahlreichen Verletzten. Die Kampagne wird von 35 Organisationen unterstützt, darunter die Deutsche Umwelthilfe, die Bundesärztekammer und der Deutsche Tierschutzbund. Eine separate Petition der Deutschen Umwelthilfe erhielt weitere 510.000 Stimmen.
In der Petition wird kritisiert, dass Feuerwerk zunehmend als Angriffswaffe gegen die Polizei genutzt wird. Stephan Weh, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, betont, dass es höchste Zeit sei, die Sicherheitslage zu verbessern und fordert ein generelles Verbot von privatem Feuerwerk.
Trotz dieser Forderungen lehnen Bundeskanzler Olaf Scholz und Innenministerin Nancy Faeser ein generelles Verbot ab. Faeser unterstützt jedoch die Idee, Kommunen mehr Handlungsspielraum für das Verhängen lokaler Feuerwerksverbote zu geben, setzt dafür jedoch eine Reform des Sprengstoffrechts voraus.
31.12.2024: Die Pyrotechnikindustrie boomt
Während viele Branchen unter Inflation und Konsumzurückhaltung ächzen, knallt es in der Pyrotechnikindustrie nicht nur am Himmel: Mit einem Umsatz von 180 Millionen Euro verzeichnete die Branche in den Jahren 2022 und 2023 einen neuen Rekord. Ob dieser auch im Jahr 2024 erreicht oder sogar übertroffen wird, erfahren wir in Kürze, wenn die Verkaufszahlen rund um das Jahresende bekanntgegeben werden. Die Pyrotechnikindustrie hat - das ist jetzt schon bekannt - trotz wirtschaftlicher Herausforderungen eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit gezeigt.
1.12.2024 Feuerwerks-Fieber: Deutsche investieren trotz Krise
Die Zahlen sind beeindruckend: Laut dem Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI) ist der Umsatz mit Feuerwerkskörpern von 133 Millionen Euro im Jahr 2019 auf 180 Millionen Euro im Jahr 2023 gestiegen - ein Plus von über 35% in nur vier Jahren. Dies mag angesichts steigender Lebenshaltungskosten überraschen. Doch Klaus Gotzen vom Pyrotechnikverband erklärt: "Wenn das Jahr nicht gut gelaufen ist, legen die Menschen ihre Hoffnungen ins neue Jahr."
Feuerwerk wird so zum Symbol für Neuanfang und Optimismus - ein psychologischer Faktor, der die Kaufbereitschaft trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten zu stützen scheint.
nteressanterweise könnte der Umsatz der Feuerwerksbranche als eine Art unkonventioneller Wirtschaftsindikator dienen. Ähnlich dem oft zitierten "Lippenstift-Effekt" - der besagt, dass in Krisenzeiten der Verkauf von kleinen Luxusgütern steigt - scheint auch die Bereitschaft, für Feuerwerk Geld auszugeben, krisenresistent zu sein.
Die Historie zeigt, dass in wirtschaftlich schwierigen Zeiten die Menschen dennoch das neue Jahr gerne mit einem farbenfrohen Feuerwerk begrüßen. Erfahrungen von Händlern zeigen, dass im Durchschnitt etwa 180 Euro für Knaller und Raketen ausgegeben werden, wobei einige Kunden für ihr Silvesterfeuerwerk sogar mehr als das Zehnfache auf den Tisch legen.
Dennoch wird von Experten zur Vorsicht gemahnt, diese Beobachtungen nicht überzubewerten, da es keine gesicherten Beweise für einen direkten Zusammenhang zwischen der Wirtschaftslage und den Ausgaben für Feuerwerk gibt.
WECO
Die Weco Pyrotechnische Fabrik GmbH (auch bekannt als WECO) ist ein Unternehmen, das seit 1948 besteht und sich auf die Produktion von Feuerwerkskörpern spezialisiert hat. Der Hauptsitz des Unternehmens befindet sich in Eitorf, Nordrhein-Westfalen. Laut eigenen Angaben ist WECO führend im Bereich Feuerwerksherstellung sowohl in Deutschland als auch in Europa.
Bereits zum vergangenen Silvesterverkauf hat WECO mehr als 95% seiner Produkte umweltfreundlicher gestaltet, indem sowohl bei den Inhaltsstoffen als auch bei den Verpackungen auf Kunststoff- und Plastikanteile verzichtet wurde. Beispielsweise wurden die Spitzkappen und die Abdeckungen der Zündschnüre bei Raketen vollständig substituiert. Auch die Standfüße von Bodengegenständen bestehen nun aus Pappe statt aus Plastik. Diese Maßnahmen hat WECO in diesem Jahr weiter ausgebaut.
Allerdings geriet das Unternehmen im Jahr 2023 aufgrund von frauenfeindlichen Sprüchen in seinen Silvester-Knallbonbons in die Kritik und sah sich gezwungen, sich öffentlich zu entschuldigen.
Von Regeln bis zu Strafen
In Deutschland ist das Abbrennen von Feuerwerkskörpern generell nur am 31. Dezember und am 1. Januar gestattet. Für alle anderen Tage benötigt man eine spezielle Genehmigung vom zuständigen Ordnungsamt.
Mögliche Strafen
- Illegale Feuerwerkskörper: im Extremfall bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe oder Geldstrafen bis zu 50.000 Euro.
- Wer ohne Genehmigung an Tagen außerhalb des 31.12. und 1.1. Feuerwerkskörper abbrennt, riskiert ein Bußgeld, das bis zu 10.000 Euro betragen kann.
Wo gibt es Böllerverbote?
Grundsätzlich darf nicht geböllert werden in der Nähe von
- Kirchen
- Krankenhäusern
- Kinder- und Altersheimen
- leicht brennbaren Gebäuden wie Reet- und Fachwerkhäusern.
Auch bei größeren Menschenansammlungen gilt ein bundesweites Böllerverbot. Viele Städte und Gemeinden verhängen zudem eigene Feuerwerksverbote, um neuralgische Punkte zu schützen: In Köln herrscht beispielsweise Böllerverbot in großen Teilen der Innenstadt, rund um den Dom darf auch niemand Feuerwerkskörper dabeihaben. Auch in Frankfurt am Main, Hamburg, München und Stuttgart sind zentrale Bereiche der Innenstädte mit Böller-Verbotszonen geschützt.
Was man beim Feuerwerkskauf beachten muss
Kaufen Sie grundsätzlich nur geprüftes Feuerwerk! Erkennungsmerkmal: Registriernummer.
Die ersten vier Ziffern der Registriernummer geben an, welche Prüfstelle in Europa den Artikel geprüft hat. Die Kennnummer 0589 steht zum Beispiel für die deutsche Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM).
Außerdem erlaubt das Sprengstoffgesetz für den privaten Gebrauch nur Feuerwerk der Kategorien F1 und F2. Darunter fallen
- Tischfeuerwerk
- Knallfrösche
- Wunderkerzen
- kleinere Raketen
- Batteriefeuerwerk
Dieser Artikel erschien zuerst am 01.12.2024 und wird fortlaufend aktualisiert.
bwk