Mittwoch, 13.11.2013
Zukunftsmärkte
Entwicklung der Wettbewerbsfähigkeit

Brasilien stagniert im Doing Business Index

Keine Reformen, wenig Verbesserungen: Brasilien macht im Doing Business Index 2014 der Weltbank gegenüber 2013 zwei Plätze gut, verliert in vielen Bereichen jedoch auch weiter an Boden.

Jährlich veröffentlicht die Weltbank ihren Doing Business Index. Ende des vergangenen Monats erschien der Index für 2014. Der Doing Business Index bietet Unternehmen einen Überblick über die Rahmenbedingungen für ihre Geschäfte in 189 Ländern der Erde, von der Gründung eines Unternehmens, über die Entrichtung der Steuern bis hin zur Vertragsdurchsetzung. Der erste Teil der Serie gab einen Überblick über Doing Business in den Wachstumsmärkten China und Indien. Im zweiten Teil folgen nun die bedeutendsten Zukunftsmärkte Lateinamerikas: Brasilien und Mexiko.

Brasilien: Lahme Wirtschaft erschwert Geschäfte

Die wirtschaftlich angespannte Situation Brasiliens macht sich auch im Doing Business Index 2014 bemerkbar. Das größte Land Lateinamerikas macht im aktuellen Ranking zwar zwei Plätze gut, liegt aber immer noch nur auf Rang 116. Im vergangenen Jahr gab es keinerlei relevante Reformen, die das Geschäftsleben merklich vereinfachten. Die kleine Verbesserung im Gesamtranking ist nahezu ausschließlich einer nun verbesserten Abwicklung von Insolvenzen zu verdanken (plus 11 Ränge). Insgesamt liegt Brasilien aber immer noch auf Rang 135.

Verschlechterungen im Ranking gab es hingegen bei der Unternehmensgründung, dem Erhalt von Baugenehmigungen, der Registrierung von Eigentum sowie der Kreditgewährung. Auch in allen diesen Kategorien befindet sich Brasilien im Ranking jenseits der 100. Bei der Entrichtung der Steuern rangiert das Land auf Platz 159 und damit um einen Platz besser als im Vorjahr. Immer noch sind Vorbereitung, Dokumentation und Entrichtung der Abgaben eine Mammutaufgabe: 2.600 Stunden Arbeit pro Steuerjahr müssen Unternehmen im Durchschnitt dafür einplanen.

Brasilien kämpft schon seit geraumer Zeit mit einer gedämpften Wirtschaftslage. Eine schlechte Infrastruktur, ein mangelndes Gesundheitssystem und die weit verbreitete Korruption, verbunden mit den hohen Kosten im Land („Custo Brasil“) sorgten dafür, dass das BIP im Jahr 2012 nur um 1 mageres Prozent wuchs. Für 2013 wird ein Wachstum von 2,4 Prozent erwartet. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung im Land entlud sich im Sommer in Protesten in den großen Städten Brasiliens. Die ausländischen Direktinvestitionen in Brasilien waren im ersten Halbjahr 2013 mit 30 Milliarden US-Dollar etwa auf dem Niveau des gleichen Zeitraums des Vorjahrs. Fusionen und Übernahmen brasilianischer Firmen sind hingegen um knapp 60 Prozent auf den Wert von 4,7 Milliarden US-Dollar eingebrochen. Einer der Hauptprofiteure der ineffizienten Strukturen der Wirtschaft Brasiliens ist sicherlich Mexiko, wo die ausländischen Direktinvestitionen boomen.

Mexiko: Reformen bislang mit wenig Wirkung

Mexiko hat im vergangenen Jahr zahlreiche Reformen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für unternehmerische Aktivitäten angestrengt. In Summer konnten diese jedoch ein leichtes Abrutschen um zwei Ränge im Gesamtrang nicht verhindern. Mexiko liegt im Doing Business Index 2014 auf Rang 53. Beim grenzüberschreitenden Handel (plus 4 auf Rang 59) sowie der Rechtsdurchsetzung (plus 2 auf Rang 71) haben sich die Reformen positiv im Ranking niedergeschlagen.

Leichte Einbußen musste Mexiko im Ranking bei der Kreditgewährung und dem Investorenschutz  hinnehmen. Auch die Rahmenbedingungen für die Entrichtung der Steuern (Rang 118 nach 114 im Vorjahr) sowie für die Unternehmensgründung haben sich verschlechtert, allerdings liegt das Land bei dem Kriterium Unternehmensgründung immer noch auf dem guten Rang 48. Größte Schwachstellen sind nach wie vor der Landerwerb in Mexiko (minus 5 auf Rang 150) sowie der Bezug von Elektrizität. Daten zum Stromnetz sind nicht immer öffentlich verfügbar. Zwar hat das Land im vergangenen Jahr Reformen auf diesem Gebiet angestrengt, blieb in dieser Kategorie aber unverändert auf Rang 133.

Info

Mehr zum Wachstumsmarkt Mexiko sowie anderen Ländern Lateinamerikas erfahren Sie beim Roundtable „BRIC & Beyond – Märkte mit Zukunft“ am 26. November in Heidelberg. Details und Anmeldung:

http://www.marktundmittelstand.de/veranstaltungen/roundtables/

 

Die folgende Grafik zeigt die unterschiedlichen Ausprägungen sechs ausgewählter Kriterien des Doing Business Index 2014 für Brasilien und Mexiko im Vergleich zu Deutschland. Je weiter vom Mittelpunkt der Graph ausschlägt, desto weiter hinten im Ranking ist ein Land und desto schlechter sind die Rahmenbedingungen.

Brasilien Mexiko Doing Business Index

Doing Business: Brasilien, Mexiko und Deutschland im Vergleich.

Doing Business Index: 189 Länder im Vergleich

Der Doing Business Index besteht aus insgesamt zehn Kriterien, die jeweils wiederum mehrere Unterkategorien aufweisen. Er listet insgesamt 189 Länder auf. Die Rangliste wird wie im vergangenen Jahr auch in diesem Jahr wieder von Singapur angeführt, gefolgt von Hongkong und Neuseeland. Deutschland findet sich als achtbestes europäisches Land auf Platz 21 wieder. Schlusslichter im Ranking sind Libyen, die Zentralafrikanische Republik und der Tschad.

Im dritten Teil der Serie geben wir Ihnen nächste Woche einen Überblick über die Wachstumsmärkte im Osten: Türkei und Russland.

2020 © Markt und Mittelstand · Alle Rechte vorbehalten.

Der Newsletter für Unternehmer – jeden Donnerstag in Ihr Postfach

NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN