Montag, 18.02.2013
Brasilien will die heimische Industrie stärken.

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Brasilien will die heimische Industrie stärken.

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Brasilien: Verschärfte Schutzmaßnahmen für Industrie

Brasiliens Regierung plant neue Schutzmaßnahmen für Chemie- und Textilsektoren. Von Schutzzöllen und weiteren Maßnahmen sind auch europäische Unternehmen betroffen.

Die neuen Schutzmaßnahmen sollen ähnliche Regeln beinhalten, wie sie auch bereits das laufende Inovar-Auto-Programm in der Kfz-Industrie beinhaltet. Die Maßnahmen richten sich dabei vor allem gegen Fertigprodukte. Dies berichtet Germany Trade and Invest (gtai).

Wettbewerbsfähigkeit in Brasilien steigern

Gründe für die neuen Schutzmaßnahmen sind vor allem die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit der einheimischen Industrie, insbesondere gegenüber der chinesischen Konkurrenz. Die Textilindustrie verbuchte 2012 ein Handelsbilanzdefizit von rund 5,3 Mrd. US$ und baute 140.000 Arbeitsplätze ab. Die chemische Industrie war hinter der Elektroindustrie die am schwersten von der Importkrise betroffene Branche, sie importierte im Vergangenen Jahr knapp 26 Milliarden Dollar mehr als sie importierte. Aufgrund hoher Energiepreise, Steuern und knapper oder nicht verfügbarer Rohstoffe fehlte es für Chemiefirmen – trotz hohen Absatzpotentials – an Investitionsanreizen. Dazu steigern immer mehr Fertigprodukte aus dem Ausland das Handelsbilanzdefizit.

Lokale Wertschöpfung erhöhen

Seit Jahresbeginn 2013 existiert bereits das Kfz-Regime Inovar Auto. Hier können Unternehmen die um 30 Prozentpunkte erhöhte Industriesteuer (IPI) senken, indem sie die lokale Wertschöpfung erhöhen und in Forschung, Innovation und Entwicklung in Brasilien investieren. "Wir werden uns stark an Inovar Auto orientieren, um technologischen Inhalt in Brasilien zu garantieren und die Wettbewerbsfähigkeit der lokalen Produktion zu erhöhen", zitiert die Wirtschaftszeitung Valor Economico den brasilianischen Industrieminister Fernando Pimentel. Im Jahresverlauf 2013 sollen Einzelheiten dazu bekannt werden. Aktuell deutet alles auf ein „Chemie Paket“ der Regierung hin. Dazu gehören vermutlich Steuersenkungen sowie eine bevorzugte Beschaffung im Inland, zudem sollen Anreize im Chemie-Paket den Kauf von Maschinen, Anlagen und Dienstleistungen aus dem Ausland ausdehnen, sofern das die Industrieproduktion in Brasilien stärkt. Vorübergehende Zollerhöhungen infolge globaler Turbulenzen für 100 ausgewählte Produktgruppen sind ebenfalls geplant.

Import aus Europa betroffen

Die betroffenen Positionen sind zwar noch nicht veröffentlicht, dennoch rechnen Fachleute damit, dass europäische Unternehmen erheblich betroffen sein werden. Eine entsprechende Liste ist in Vorbereitung, und kann nach der Veröffentlichung auf der Homepage der brasilianischen Außenhandelskammer eingesehen werden  (http://www.camex.org.br). Danach erfolgt für etwa zwei Monate die öffentliche Konsultation. Die EU-Delegation rät potentiell betroffenen Unternehmen, ihr Lobbying über die brasilianischen Importeure oder gegebenenfalls über die Verbände der weiterverarbeitenden Industrie in Brasilien zu betreiben.

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