Freitag, 22.04.2016
Viele Baustellen in Brasilien stehen still, die Wirtschaft findet nicht aus der Rezession heraus. Der deutsche Mittelstand sollte seine Projekte und Exporte daher gut absichern.

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Viele Baustellen in Brasilien stehen still, die Wirtschaft findet nicht aus der Rezession heraus. Der deutsche Mittelstand sollte seine Projekte und Exporte daher gut absichern.

Zukunftsmärkte
Rezession schadet Auftragslage

Brasilien wird für deutschen Mittelstand immer gefährlicher

Während das Amtenthebungsverfahren gegen Präsidentin Dilma Roussef läuft, wird die wirtschaftliche Situation in Brasilien immer unsicherer für den deutschen Mittelstand. Welche Branchen besonders leiden.

Brasilien findet keinen Weg aus der Rezession: 2015 schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt um 3,8 Prozent, für 2016 wird ein weiterer Rückgang in Höhe von 3,5 Prozent prognostiziert. Gleichzeitig sieht sich die brasilianische Notenbank jedoch wegen der hohen Inflationsrate von 9,3 Prozent weiterhin zu einer verschärften Geldpolitik gezwungen. Für deutsche Firmen wird dadurch der Standort immer unsicherer.

Da privater Konsum und Investitionen stetig abnehmen, fällt es Unternehmen immer schwerer, den für die Refinanzierung von (Lieferanten-)Krediten notwendigen Cash-Flow zu generieren. Auch die Abwertung des Real, der seit Ende 2014 gegenüber dem US-Dollar ein Drittel seines Wertes verlor, macht es für brasilianischen Unternehmen schwierig, ausländische Lieferantenkredite vereinbarungsgemäß zu bedienen.

Brasilien: Korruptionsskandal trifft auch den Mittelstand

Schon jetzt ist in vielen Sektoren ein drastischer Anstieg von Zahlungsausfällen zu beobachten. Deutsche Mittelständler sollten im Handel daher Vorsicht walten lassen.

Besonders hart trifft die derzeitige Wirtschaftsflaute den Bausektor und das verarbeitende Gewerbe, am härtesten davon jedoch die Automobilbranche. Das zeigt sich beispielsweise an der Anzahl der Kfz-Zulassungen, die seit Dezember 2014 um über 50 Prozent eingebrochen ist.

Auch der Ölsektor steckt in einer tiefen Krise. Grund dafür ist nicht nur der andauernde Preisverfalls, sondern auch der schwerwiegende Korruptionsskandal beim Staatsunternehmen Petrobas, der das Vertrauen der Investoren enorm belastet.

Mittelständische Zulieferer leiden unter Stillstand

Dies wirkt sich auch auf den Bausektor aus. Denn viele Unternehmen – darunter einige der größten brasilianischen Bauunternehmen – stehen im Verdacht, an der Korruptionsaffäre beteiligt zu sein. Im Zuge der andauernden Ermittlungsprozesse werden sie daran gehindert, für öffentliche Auftraggeber zu arbeiten.

Das wirkt sich auch auf deren ausländische Zulieferer aus. Denn viele Baustellen des Landes stehen still. Darunter wiederum leidet die Stahlbranche – die zudem durch die beschriebene Flaute im Automobilsektor beeinträchtigt wird.

Mittelstand: gegen Zahlungsausfall in Brasilien absichern

Zwar hat die brasilianische Regierung im Januar ein umfangreiches Konjunkturprogramm angekündigt. Allerdings musste sie dafür im März vor dem Kongress ein zusätzliches Budget beantragen, welches das Primärdefizit auf 1,5 Prozent des BIP ansteigen lassen würde. Dies wäre der größte Negativsaldo seit Jahrzehnten.

Die drei großen Rating-Agenturen haben Brasiliens Kreditwürdigkeit mittlerweile auf Ramschniveau herabgestuft. Das könnte institutionelle Investoren dazu zwingen, ihre Investments auf dem brasilianischen Markt zu reduzieren. Erhebliche Kapitalabflüsse wären die Folge. Darüber hinaus erschwert der schwächelnde Real schon heute die Kreditaufnahme im Ausland.

Für deutsche Mittelständler, die im Rahmen ihrer Geschäftstätigkeit Lieferantenkredite an brasilianische Unternehmen gewähren, ist diese Entwicklung besorgniserregend. Daher sollten Zulieferer aller Branchen ihr Geschäftsrisiko auf dem brasilianischen Markt genau analysieren und sich gegen eventuelle Zahlungsausfälle absichern.

Autor

Christoph Witte ist Deutschland-Direktor von Credimundi.