Donnerstag, 31.03.2016
China ist, nach Angaben des Auswärtigen Amtes, der viertgrößte Abnehmer deutscher Exportprodukte. Doch Vorsicht ist hier geboten, deutsche Mittelständer müssen die Exporte zu einem beträchtlichen Teil mit dem CCC-Zeichen zertifizieren lassen.

Bildquelle: Felipe Dupouy/Thinkstock/Getty Images

China ist, nach Angaben des Auswärtigen Amtes, der viertgrößte Abnehmer deutscher Exportprodukte. Doch Vorsicht ist hier geboten, deutsche Mittelständer müssen die Exporte zu einem beträchtlichen Teil mit dem CCC-Zeichen zertifizieren lassen.

Zukunftsmärkte
Zollvorschriften beim Import

Brauchen meine Produkte ein CCC-Zertifikat in China?

Für den Export nach China brauchen viele deutsche Produkte ein CCC-Zertifikat. Ob die eigenen Waren zertifizierungspflichtig sind, erkennen Mittelständler teils schon an den ersten vier Ziffern ihrer Zolltarifnummer.

Deutsche Mittelständler müssen ihre Exporte nach China ebenso mit dem CCC-Zeichen zertifizieren lassen wie lokal hergestellte Produkte. Unter der sogenannten China Compulsory Certification wurden mit Beitritt Chinas zur WTO 2001 die bis dahin gültigen Zertifikate vereinheitlicht. Dies war ein wichtiger Schritt zur Gleichbehandlung von ausländischen und chinesischen Unternehmen und zu einem transparenteren Verbraucherschutz.

Fast 500 Zolltarifnummern zählen zu den CCC-pflichtigen Produkten. Um zu erfahren, ob die eigenen Waren darunter fallen, können sich deutsche Firmen an den deutschen Zolltarifnummern orientieren. Denn laut WTO-Vorgaben sind die ersten vier Ziffern der Zolltarifnummern aller Mitgliedsländer identisch.

CCC-Zertifikat: Katalog listet Warengruppen auf

Vergleicht also ein deutscher Mittelständler die ersten vier Stellen der deutschen Zolltarifnummer seines Produktes mit denen im CCC-Katalog und kann keine Übereinstimmung feststellen, kann er es unzertifiziert nach China einführen. Stimmt der deutsche HS-Code in den ersten vier Stellen jedoch mit einem HS-Code im CCC-Katalog überein, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Importeur diese Produkte zertifizieren muss . Der Hersteller sollte dies unbedingt weitergehend klären.

Folgende Ergebnisse bringt die Überprüfung:

  1. Die Zolltarifnummer des Produkts taucht nicht im CCC-Katalog auf. In diesem Fall kann das Produkt aus aktueller Zollsicht ohne CCC-Zertifikat nach China geliefert werden.
  2. Die Zolltarifnummer des Produkts fällt unter eine der Zolltarifnummern, die aufgrund der aktuellen Zollbestimmungen zertifizierungspflichtig sind. Die technische Spezifikation des Produktes hingegen ist nicht zertifizierungspflichtig. Dann empfiehlt sich die Ausstellung einer Negativbescheinigung.
  3. Die Produkte stehen explizit auf der Liste der zertifizierungspflichtigen Produkte. In diesem Fall können sie nur mit CCC-Zertifikat, Sondergenehmigungen (Exemption) oder auf Basis des sogenannten Testing Processing Program (TPP) nach China exportiert werden.
  4. Für eine Reihe von Produkten besteht die Möglichkeit einer freiwilligen Zertifizierung. Ablauf und Kosten entsprechen der CCC-Zertifizierung.

Für Anlagenzubehör lohnt sich eine Sondergenehmigung

Sondergenehmigungen erhalten unter anderem Teile für eine Produktionsanlage, Produkte, die temporär eingeführt und anschließend wieder ausgeführt werden, Komponenten, die zur Veredelung importiert werden, und Produkte, die für wissenschaftliche Forschung und Tests benötigt werden. Die Beantragung einer Sondergenehmigung dauert 15 Arbeitstage und muss vom Importeur oder einer fachkundigen Stelle in China durchgeführt werden.

Mit dem TPP-Verfahren können nur geringe Mengen importiert werden können. Nach Anmeldung bei der lokalen CIQ werden die üblichen CCC-Produkttests bei einem in China akkreditierten Testlabor durchgeführt und die entsprechenden CCC-Testgebühren fällig. Es findet jedoch keine Werksinspektion statt und es wird auch keine CCC-Kennzeichnung beantragt und am Produkt angebracht. Nach den erfolgreichen Tests wird eine Einzelgenehmigung für den Import dieser Lieferung ausgestellt und die Waren können zum Zweck des Verkaufs oder einer anderer Nutzung importiert werden.

Info

Verpflichtend ist eine CCC-Zertifizierung für diese Produktgruppen:

  • Elektrische Leitungen und Kabel (4 Kategorien)
  • Elektrische Schalter und Anlagen für Schutz oder Verbindungen (6 Kategorien)
  • Niedrigspannungsanlagen (9 Kategorien)
  • Niedrigleistungsmotoren (1 Kategorie)
  • Elektrische Werkzeuge (16 Kategorien)
  • Schweißmaschinen (15 Kategorien)
  • Haushaltsgeräte und ähnliches (18 Kategorien)
  • Audio- und Videoapparate (12 Kategorien)
  • Informationstechnikanlagen (11 Kategorien)
  • Beleuchtungsgeräte (2 Kategorien)
  • Kraftfahrzeuge und Sicherheitszubehör (16 Kategorien)
  • Reifen für Kraftfahrzeuge (3 Kategorien)
  • Sicherheitsgläser (3 Kategorien)
  • Landwirtschaftliche Maschinen (2 Kategorien)
  • Terminalanlagen für Telekommunikation (9 Kategorien)
  • Feuerlöschgeräte (15 Kategorien)
  • Sicherheitsprodukte (5 Kategorien)
  • WLAN-Produkte (1 Kategorie)
  • Bauprodukte (3 Kategorien)
  • Kinderprodukte (7 Kategorien)

Zulieferer müssen CCC-Zertifikat vorweisen

Auf den ersten Blick ist das CCC ein Kennzeichen für den Verbraucherschutz und lediglich für Konsumartikel wie Computer, Audio-, TV- und Videogeräte, Haushaltsgeräte, elektrische Handwerkzeuge und Kraftfahrzeuge obligatorisch. Bei näherem Hinsehen sind allerdings auch elektrische Komponenten wie Leitungen, Kabel, Schalter, Sicherungen, Motoren und Schweißmaschinen zertifizierungspflichtig, die in industriellen Anwendungen eingesetzt werden. Da diese Komponenten allerdings in der Regel nicht zur eigenen Wertschöpfung der Maschinen- und Anlagebauer gehören, ist eine Zertifizierung aus wirtschaftlichen Gründen für sie häufig nicht sinnvoll.

Um die Ersatzteilversorgung sicherzustellen, braucht es allerdings doch einer entsprechenden Zertifizierung. Daher sollte sich ein deutscher Anlagenbauer an die Zulieferer von kritischen Komponenten wenden, um zu klären, ob für diese schon eine CCC-Zertifizierung vorliegt. Nur wenn der Hersteller dies nicht bereits beantragt hat, sollte eine detaillierte Prüfung anhand bestimmter technischer Parameter durchgeführt werden. Dazu zählen elektrische Anschlusswerte, technische Standards, Anwendung, Einsatzort und Bild.

Der offizielle Katalog der CCC-pflichtigen Produkte unterliegt der China National Regulatory Commission for Certification and Accreditation (CNCA). Für die Durchsetzung der CCC-Bestimmungen sind die chinesischen Zollämter zusammen mit den China Inspection and Quarantine Büros (CIQ). Bei Fragen können sich deutsche Firmen direkt dorthin wenden.

Autor

Stefan Fischer ist Geschäftsführer von Cisema und Experte für Zertifizierungen in China.