Freitag, 24.06.2016
 Einsam gemeinsam: die Royal Guard nach dem Brexit

Foto: VisitBritain Pawel Libera

Einsam gemeinsam: die Royal Guard nach dem Brexit

Zukunftsmärkte
Briten votieren gegen EU

Brexit: Einsam auf der Insel

Das Volk hat entschieden: Der Brexit kommt. Die Märkte sind in Alarmstimmung. Das britische Pfund fällt auf den tiefsten Stand seit 30 Jahren.

An den Märkten löste der anstehende Austritt Großbritanniens aus der EU eine regelrechte Schockwelle aus, wie das MuM-Schwestermagazin finance berichtet. Sie fällt umso größer aus, da die Märkte in den vergangenen Tagen mit einem europafreundlichen Votum gerechnet hatten. 

Welche Folgen der Brexit für den deutschen Mittelstand haben wird, ist noch unklar. Das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn bezeichnet die Entscheidung der Briten als „sehr nachteilig“: Schließlich sei das exportorientierte produzierende Gewerbe stark auf dem britischen Markt aktiv.

Deutschland ist der bedeutendste Handelspartner des Vereinigten Königreiches und mit großem Abstand wichtigstes Lieferland. Für viele deutsche Unternehmen ist Großbritannien ein Wachstumsmarkt: Die deutschen Exporte auf die Insel stiegen zuletzt mit 13,4 Prozent. Das gilt besonders für Unternehmen aus dem Maschinenbau, speziell der Metallverarbeitung, und für die Automobilbranche.

Großbritannien steigt per Brexit aus

Ein Brexit könnte zur Folge haben, dass unterschiedliche Produktvarianten erstellt und in separaten Zulassungsverfahren zertifiziert werden müssten.
Experten rechnen damit, dass Großbritannien und die EU jetzt mehrere Jahre lang über die Modalitäten des Austritts und über neue rechtliche Rahmenbedingungen verhandeln werden. Anschließend müssten die Briten rund 400 weitere internationale Verträge neu aushandeln, die bislang über die EU abgewickelt wurden.

„Am besten werden mit dieser unklaren Situation noch diejenigen deutschen Unternehmen umgehen können, die in Großbritannien eigenständige Niederlassungen oder Produktionsstandorte betreiben“, sagt Ulrich Hoppe, Chef der Deutsch-Britischen Industrie- und Handelskammer in London.
Vom Brexit profitieren dürfte die Berater-Branche.

„Es gibt einen großen Beratungsbedarf bei allen Akteuren, die zwischen Europa und Großbritannien Geschäfte betreiben“, sagt Jan Eberhardt, Rechtsanwalt bei der Wirtschaftskanzlei Rödl & Partner in Birmingham: „Unternehmer müssen entscheiden, was die neuen Verträge für Mitarbeiterentsendungen nach Großbritannien bedeuten: Welche steuerlichen und rechtlichen Veränderungen sich bei Geschäften ergeben. Wie sie auf neue Handelshürden reagieren. Und ob sich Investitionen in die Zukunft noch rechnen.“

Kurzfristig prognostizieren Studien Kosten von 58 Milliarden Euro für die deutsche Wirtschaft durch den Brexit. Mittel- bis langfristig könnte in einem positiven Szenario aber ein Plus für die deutsche Wirtschaft stehen: durch Standortverlagerungen von Unternehmen nach Deutschland, durch mögliche Reformen in der geschrumpften EU, durch den Wegzug britischer Konkurrenzunternehmen in Kontinentaleuropa und durch neue, attraktive Freihandelsabkommen mit Großbritannien.