Montag, 03.11.2014
Damit umfassendes Chancenmanagement betrieben werden kann, müssen flexible Methoden verwendet werden.

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Damit umfassendes Chancenmanagement betrieben werden kann, müssen flexible Methoden verwendet werden.

Zukunftsmärkte
Potenziale übersehen oder falsch bewertet

Chancenmanagement im Mittelstand

Bei vielen deutschen Unternehmen ist der Anreiz höher Risiken zu vermeiden statt Chancen besser zu nutzen. Nur etwa 60 Prozent der Unternehmen betreiben Chancenmanagement. Vor allem in der Transport- und Logistikbranche besteht noch großes Potenzial.

In Deutschland ist die Unternehmenskultur der Absicherung und Risikovermeidung weiter verbreitet, als die des optimal genutzten Chancenmanagements. Das äußert sich insofern, dass Fehler in stärkerem Maß geahndet, als Erfolge belohnt werden. Wie eine Studie von A.T. Kearney ergab, beschäftigen sich demnach nur 60 Prozent der befragten Unternehmen aktiv mit Chancenmanagement, während  99 Prozent der über 150 untersuchten Unternehmen ihre Risiken betrachten.

Chancenmanagement bedeutet Umdenken

„Viele Unternehmen haben den Eindruck, dass sie bereits  ausreichend Chancenmanagement betreiben, dabei handeln sie einfach mehr oder weniger nach dem Bauchgefühl“, erläutert Valeska Benner, Mitautorin der Studie und Expertin von A.T. Kearney. Über die Hälfte der Unternehmen verwenden ausschließlich klassische, statische Methoden zur Risikobewertung mit pauschaler Risikoberücksichtigung. Das heißt, dass sie nicht bedenken, dass sich die äußeren Umstände ändern können und diese Unsicherheit demzufolge in die Risikobewertung weder positiv noch negativ eingeht.
Ohne stetiges Chancenmanagements werden Projekte teilweise „schlecht gerechnet“ und deswegen nicht umgesetzt oder es findet keine Optimierung der Projektstrukturierung statt, welche ein unprofitables Projekte profitabel machen würde. Durch dieses Vorgehen werden Ergebnispotenziale verschenkt.  „Wir haben in der Studie außerdem die Tendenz festgestellt, je kleiner ein Unternehmen ist, desto unstrukturierter läuft das Chancenmanagement ab“, ergänzt Benner.

Chancen erkennen und analysieren

Um ein umfassendes Risiko- und Chancenmanagement, auch gegenüber dem Aufsichtsrat, zu betreiben, ist eine engere Verzahnung von Risikomanagement und finanzieller Planung nötig. Zum Beispiel durch eine Darstellung von Wahrscheinlichkeiten für bestimmte Planzahlen ist diese Verzahnung möglich. Aber ein erfolgreiches Chancen- und Risikomanagement erfordert neben der richtigen Methodik vor allem auch ein Umdenken in mehreren Abteilungen innerhalb eines Unternehmens. Benner: „Der erste Schritt zu einem erfolgreichen Chancenmanagement ist ein Umdenken in der Unternehmenskultur. Genutzte Chancen sollten deutlich höher belohnt werden, um neue Anreize zu schaffen“.

Dieser Prozess kann mitunter Jahre dauern, denn alte Strategien und Verhaltensmuster sind  in den Köpfen der Mitarbeiter und Entscheider kaum kurzfristig zu ändern. Gleichzeitig müssen dann auch strukturierte Methoden und Tools zu verbesserten Chancenmanagement eingesetzt werden. „Ein notwendiges Vorgehen dabei ist“, so Benner, „ dass sowohl qualitative als auch quantitative Bewertungen vorgenommen werden“.

Flexible Methoden sind unerlässlich

Risiken und Chancen sollten detaillierter bewertet werden. Flexible Methoden, die zum Beispiel die Bewertung von Chancen und Unsicherheiten in die Entscheidung mit einbeziehen, führen zu besseren Entscheidungen.  „Bisher findet vor allem in der Transport- und Logistikbranche noch kaum Chancenmanagement statt“, sagt Benner. Größere Unternehmen wie beispielsweise die Lufthansa sind jedoch in dieser Branche Vorreiter. Auch im Maschinen- und Anlagebau herrscht noch großes Potenzial, während in der High-Tech Branche Chancenmanagement bereits häufiger betrieben wird.  Das bedeutet, dass die Unternehmen hier schon früh begonnen haben auf Entwicklungen rechtzeitig zu reagieren und sich den schnell ändernden Marktverhältnissen anzupassen.