Mittwoch, 11.07.2012
Zukunftsmärkte
Maschinenbau und China

China: 5-Jahresplan für Maschinenbau relevant

Die Wirtschaftsmacht China will mit enormen Investitionsanstrengungen in Forschung und Entwicklung zur Innovationsmacht aufsteigen. Deutsche Maschinenbauer müssen sich auf die veränderten Verhältnisse einstellen.

Mit seinem im März verabschiedeten Fünf-Jahresplan strebt China den massiven Ausbau seiner Position als Innovationsstandort an. Insgesamt sind 1,2 Billionen Euro Investitionen in hochwertige chinesische Technologien geplant. China will sich dabei auf sieben strategische Bereiche konzentrieren: Umweltfreundliche Fahrzeuge, neue Energiequellen, High-End-Equipment, Energieeffizienz, neue Materialien, Bio-Technologie und neue IT. Diese Schlüsselindustrien sollen jährlich um 33 Prozent wachsen, wie es in einer Studie der Droege Group China Ltd. im Auftrag der Impuls-Stiftung des VDMA heißt. Das Augenmerk Chinas liegt deutlich auf dem Bereich Forschung und Entwicklung (F&E). Bereits 2015 sollen sich die F&E-Ausgaben auf 215 Milliarden Euro belaufen. Das ist ungefähr dreimal so viel, wie derzeit in Deutschland investiert wird. Ziel Chinas sei es, bis 2015 Maschinen nicht mehr nur im unteren Preissegment anzubieten, sondern auch „State of the art“-Technologie zu liefern. Das würde auch den
deutschen Maschinenbau treffen.

China ist mittlerweile der größte Hersteller von Maschinen, für 2015 wird ein Exportvolumen von 4 Milliarden US-Dollar angestrebt. Das ist achtmal so viel wie 2010. Die staatliche Lenkung spielt dabei auf allen Ebenen eine wesentliche Rolle. So sollen staatliche Kooperationsplattformen einen kontinuierlichen Strom an Kapital gewährleisten und eine optimale Nutzung der Ressourcen garantieren. Gleichzeitig setzt die Regierung durch Marktanreize aktiv Impulse. Vor allem im Bereich der Umwelttechnologien zeigt sich die große Subventionsbereitschaft. So wird beispielsweise massiv in den Ausbau von Elektrotankstellen investiert und wer ein Elektroauto kaufen will, erhält vom Staat sogar noch bare Zuschüsse.

VDMA-Präsident Dr. Thomas Lindner plädiert für Chancengleichheit bei Auslandsinvestitionen auf beiden Seiten. Den deutschen Unternehmern rät er, die Aktivitäten der chinesischen Wettbewerber und ihrer staatlichen Geldgeber genau zu beobachten, „um böse Überraschungen zu vermeiden“. Außerdem sieht er anhand der Studie viel Nachholbedarf für die deutschen Maschinenbauer: „Ich möchte behaupten, dass sehr viele deutsche Maschinenbauer bis heute noch nicht ihre wichtigsten chinesischen Wettbewerber kennen, geschweige denn deren Strategien analysieren.“

Deutsche Maschinenbauer sollten sich am chinesischen Markt orientieren

Dies soll jedoch keineswegs vor dem Markteinstieg in China abschrecken. Die Studie rät den deutschen Unternehmern, stärker auf den chinesischen Markt und sämtliche Marktteilnehmer einzugehen. Vor allem müsse verstärkt auf die chinesischen Marktbedürfnisse  reagiert werden und die Angebote deutscher Maschinenbauer möglicherweise verschlankt werden.

Um Zugang zum Massenmarkt zu erhalten, sollten Unternehmer auch erwägen, wettbewerbsfähige Einstiegsmaschinen zu günstigen Konditionen zu entwickeln. Um dabei noch attraktive Margen zu erzielen, führt laut der Droege Group kein Weg an der zunehmenden Lokalisierung der gesamten Produktionskette sowie des Vertriebes umhin. Auch Investitionen in Forschung und Entwicklung sollten stärker nach China verlagert werden, um schneller auf die lokalen Bedürfnisse reagieren zu können.

Quellen: VDMA, Droege Group China Ltd., Markt und Mittelstand