Dienstag, 30.07.2013
Zukunftsmärkte
Themenschwerpunkt: Neue Märkte

China: Deutsche Unternehmen setzen auf Binnenmarkt

Unternehmen aus Deutschland wollen in China nicht nur produzieren, sondern auch verkaufen. 83 Prozent der in China tätigen Unternehmen sehen die Entwicklung neuer Produkte speziell für den chinesischen Markt als sehr erfolgversprechend.

Die deutschen Unternehmen nutzen China nicht mehr nur als Produktionsstandort, sondern sehen den chinesischen Binnenmarkt mittlerweile als Hauptwachstumstreiber. 83 Prozent der Unternehmen, die in China produzierten, haben ihren Fokus bereits auf die Entwicklung neuer Produkte speziell für chinesischen Kunden gelenkt. Besonders die in den vergangenen Jahren zurückhaltenden Maschinenbauer möchten in Zukunft stärker auf China setzen. Das ist das Ergebnis einer Befragung der deutschen Handelskammer in China gemeinsam mit der Unternehmensberatung Staufen AG, an der mehr als 500 Unternehmen teilgenommen haben, wovon etwa 60 Prozent aus dem deutschen Mittelstand stammen.

China: Heimischer Markt wird interessanter für deutsche Unternehmen

Einen besonderen Schwerpunkt legen die Unternehmen dabei vor allem auf die Zufriedenheit mit den Produkten und Services des dortigen Kunden. Mehr als jedes zweite der befragten Unternehmen passt seine Güter daher gezielt an den Markt in China an, jedes dritte nimmt komplette Produktneuentwicklungen vor. „Die deutschen Firmen haben erkannt, dass es nicht funktioniert, Produkte ‚Made in Germany‘ eins zu eins auf den chinesischen Markt zu übertragen, sagt Dr. Ulrich Frenzel, Forschungs- und Entwicklungs-Experte der Unternehmensberatung Staufen AG. Die Wünsche der Kunden im Reich der Mitte unterschieden sich deutlich von europäischen Kunden. Das gelte für die Konsum- und Investitionsgüterindustrie gleichermaßen. So benötigen chinesische Industriekunden laut Frenzel beispielsweise oft keine höchst anspruchsvollen „Premium-Produkte“, sondern robuste und technisch einfache Maschinen zu günstigen Preisen.

 

Standorte der befragten deutscher Unternehmen in China. In Shanghai sind die meisten Unternehmen tätig.

Standorte der befragten deutscher Unternehmen in China. In Shanghai sind die meisten Unternehmen tätig.

 Außerdem gaben die Befragten an, künftig in ähnlichem Umfang in China investieren zu wollen wie bisher. Besonders aktiv zeigen sich die Elektronik-, Automobil- und Chemieindustrie sowie die Plastik- und die Metallverarbeitung. Der Studie zufolge sind räumlich interessant sind vor allem die Wirtschaftszentren Shanghai, Peking und Chengdu.

Netzwerk aus örtlichen Partnern hat Priorität

Die Entscheidungsprozesse, welche Güter den chinesischen Kunden angeboten werden, laufen in den meisten aller Fälle jedoch noch immer über deutsche Manager. In über 55 Prozent der Unternehmen ist eine Führungskraft aus der Bundesrepublik für Produktinnovationen zuständig, die dann, oft gemeinsam mit der Zentrale in Europa, Veränderungen oder Neuentwicklungen veranlasst. Die deutsche Handelskammer in China weist darauf hin, dass es bisher zu kaum Zusammenarbeit deutscher Unternehmen mit örtlichen Universitäten oder Forschungsinstituten gekommen ist.
Der Experte geht davon aus, dass deutsche Unternehmen noch einen langen Weg vor sich haben, bis sie richtig im Reich der Mitte angekommen sind. Es gelte für die Unternehmen, ihre Netzwerke mit örtlichen Partnern deutlich stärker auszubauen.

In China ansässige deutsche Unternehmen rechnen damit, dass ihre Gewinne und Umsätze 2013 weiter steigen werden – wenn auch moderater als in den Vorjahren.

In China ansässige deutsche Unternehmen rechnen damit, dass ihre Gewinne und Umsätze 2013 weiter steigen werden – wenn auch moderater als in den Vorjahren.

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