Dienstag, 09.04.2013
Die frisch gewählte chinesische Führung hat ehrgeizige Ziele.

Thomas Fanghaenel

Die frisch gewählte chinesische Führung hat ehrgeizige Ziele.

Zukunftsmärkte
China

China will Modernisierung statt Wachstum

Die neue chinesische Führung will mit zahlreichen Reformen die Probleme des Landes angehen und tiefgreifende Strukturreformen vorantreiben. Die Rekordzahlen beim Wirtschaftswachstum dürften vorerst der Vergangenheit angehören.

Chinas neuer Staatspräsident Xi Jinping blickt optimistisch in die Zukunft. Im Rahmen des Boao-Forums, einer Asien-Konferenz in Südchina, erklärte er, Chinas Aufwärtstrend könne noch lange Zeit weitergehen, da gerade die Modernisierung der Produktion und der Trend zur zunehmenden Urbanisierung der Bevölkerung weiteren Raum für Wachstum böten. Wie das Wall Street Journal berichtet, erklärte Xi allerdings gleichzeitig: „Ich glaube nicht, dass China ein ultraschnelles Wachstum beibehalten kann.“

Im vergangenen Jahr wuchs das Bruttoinlandsprodukt der Volksrepublik um 7,8 Prozent, was im erfolgsverwöhnten China der schlechteste Wert seit 13 Jahren war. Hinzu kommt, dass derzeit die Hälfte der Wirtschaftsleistung auf Investitionen zurückgeht und der Wert somit künstlich hoch gehalten wird.

China will sich modernisieren

Um das Land auch weiterhin auf Wachstumskurs zu halten, plant die chinesische Führung tiefgreifende Reformen. China soll zunehmend teure Markenprodukte herstellen und nicht länger nur billiger Produktionsstandort sein. Auch der Binnenkonsum, der derzeit nur rund 35 Prozent zur Wirtschaftsleistung des Landes beiträgt, soll ausgebaut werden. Gleichzeitig will Xi die Korruption eindämmen und den Sozialstaat ausbauen

Die hohen Ziele, die Xi sich gesteckt hat, wurden auch dadurch deutlich, dass er während des Boao-Forums Verbesserungen beim Umweltschutz ankündigte. Die zunehmende Luftverschmutzung über Peking, hat nicht nur zu Protesten und Kritik aus der Bevölkerung geführt, die Folgen der Verschmutzung werden auch wirtschaftlich zunehmend zum Problem für China. Inzwischen machen die Folgekosten der Umweltverschmutzung rund 5,8 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung Chinas aus, allein die Luftverschmutzung kommt dabei auf 3,8 Prozent. Vor allem steigende Kosten für medizinische Versorgung, Autounfälle, die Stornierung von Flügen und Materialschäden spielen dabei eine wichtige Rolle.

Um diese Probleme anzugehen, ist die neue chinesische Führung anscheinend bereit, auf die riesigen Wachstumsraten der Vergangenheit zu verzichten. Ob die notwendigen Reformen tatsächlich erfolgreich umgesetzt werden können, ist derzeit allerdings noch offen.

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