Montag, 15.09.2014
Mit offenen Armen empfing Putzmeister-Gründer Karl Schlecht den CEO von Sany aus China im Jahr 2012.

Bildquelle: Putzmeister

 

Mit offenen Armen empfing Putzmeister-Gründer Karl Schlecht den CEO von Sany aus China im Jahr 2012. Mittlerweile haben auch viele andere chinesische Unternehmen im deutschen Mittelstand investiert.

Zukunftsmärkte
Know-how und Absatzmärkte

Chinesen investieren in Deutschland

Hidden Champions aus Deutschland als Akquisitionstarget von chinesischen Unternehmen – ob Kiekert oder Putzmeister, ob aus der Krise heraus oder als gesundes Unternehmen. Chinesische Investoren sind in Deutschland sehr aktiv.

Investoren aus China kaufen deutsche Unternehmen, chinesische Unternehmen gehen Kooperationen mit deutschen Firmen ein oder zeigen mit Niederlassungen Präsenz am deutschen Markt: Deutschland hat sich zum attraktivsten Investitionsstandort für chinesische Unternehmen entwickelt. Dabei hat das Land nicht nur ein gutes Image – 31 Prozent  der befragten chinesischen Investoren finden, dass Deutschland besonders attraktiv für eine Unternehmensansiedlung ist. Die Beliebtheit schlägt sich auch in der Anzahl der tatsächlichen Investitionsprojekte nieder: 68 Projekte wurden im vergangenen Jahr in Deutschland getätigt, ein deutlicher Anstieg zum Vorjahr (46 Projekte). Hinter Deutschland rangieren Großbritannien und Frankreich mit 29 bzw. 14 Projekten. Deutschland erreicht damit einen Marktanteil in Europa von 44 Prozent. So lauten die Ergebnisse der Studie „Investitionen chinesischer Unternehmen in Deutschland und Europa 2013“ basierend auf Daten des EY European Investment Monitor.

Ein etwas anderes Bild zeigt die Zahl der durch die Investitionen geschaffenen Arbeitsplätze. Hier schlägt der Einfluss einiger Großprojekte durch, wie etwa Investitionen von Great Wall Motor und Huawei in Russland. Mit 508 Arbeitsplätzen im Jahr 2013 (Vorjahr 1501) liegt der Anteil Deutschlands daher im Vergleich zu Europa nur bei knapp 7 Prozent (Vorjahr 27 Prozent). Russland liegt mit 4590 Arbeitsplätzen bei 4 Direktinvestitionen vor Großbritannien und Deutschland. Die gemessen an Arbeitsplätzen größte Investition in Deutschland, die Erweiterung einer Fertigungsstätte der CST GmbH (Minth Group) im sachsen-anhaltinischen Ilsenburg, liegt mit 200 Arbeitsplätzen auf dem fünften Platz.

Chinesische Unternehmen auf Deutschlands Landkarte

Innerhalb Deutschlands hat NRW eine besonders hohe Attraktivität für chinesische Investoren: 40 Investitionsprojekte, mehr als in allen anderen Bundesländern zusammen, fanden dort im Jahr 2013 statt (Vorjahr: 22). Im europäischen Städteranking steht Düsseldorf mit 32 Projekten vor London und Frankfurt auf dem ersten Platz. Dass die Stadt am Rhein, die bereits auf eine lange Tradition mit japanischen Firmen zurückblickt, so erfolgreich in der Anwerbung chinesischer Investoren ist, kommt nicht von ungefähr:die Stadt setzt auf die traditionsreiche Industriebasis in der Region, ihre verkehrsgünstige Lage und den Absatzmarkt Rhein/Ruhr und bemüht sich intensiv um Service für Investoren (vgl. Infokasten).

Das Ergebnis: 300 chinesische Unternehmen haben ihren Sitz in Düsseldorf, darunter Huawei und ZTE mit ihren Europazentralen. Hamburg, dessen Hafen traditionell wichtiger Brückenkopf zwischen Deutschland und China ist, bietet ebenfalls ein weites Service-Angebot für seine rund 500 chinesischen Unternehmen. Auch die Wirtschaftsförderung Frankfurt hat einen „China Desk“ mit chinesischen Mitarbeitern, die als Partner in der Ansiedlungsphase fungieren.

Während aus den Großstädten Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt, München heraus vor allem Vertriebsaktivitäten gesteuert werden und Kooperationen mit deutschen Hidden Champions vor allem eher in den traditionellen westdeutschen Industrieregionen stattfinden, ist Ostdeutschland aufgrund der attraktiven Fördermittel zunehmend für Investitionen „auf der grünen Wiese“ interessant. Nach einer Studie der Chinesischen Handelskammer in Berlin hat sich die Zahl der Aktivitäten in den neuen Bundesländern in den vergangenen sieben Jahren verdoppelt. Mit Investitionen von insgesamt über 430 Millionen Euro entstanden dort fast 900 Arbeitsplätze in den Branchen Handel (40 Prozent), Energie (16 Prozent,) Logistik und Elektronik (je 14 Prozent) und Maschinenbau (10 Prozent).

Wichtige Standortvorteile: Know-how und Märkte

Wenn es um die Gründe für die Attraktivität Deutschlands geht, stehen Technologiekompetenz und Know-how deutscher Unternehmen sowie die Absatzmärkte in Deutschland und Europa an erster Stelle. „Die Werkbank der Welt zu sein, genügt den chinesischen Unternehmen schon lange nicht mehr“, erläutert Yi Sun, Partnerin bei EY Deutschland und Leiterin der China Business Services Deutschland, Österreich und Schweiz. „Sie wollen selber im Ausland expandieren und sich neue Märkte erschließen. Zudem verfolgen sie das Ziel, sich verstärkt als Innovatoren zu positionieren – und benötigen dazu den Zugriff auf europäisches Know-how.“

In der Regel beginnt die Wertschöpfungskette in Deutschland mit dem Aufbau von Vertriebskanälen. Daher sind die Investitionsprojekte im relativ frühen Stadium bei der Präsenz chinesischer Unternehmen auf dem deutschen Markt meist nicht mit vielen Arbeitsplätzen verbunden. In weiteren Schritten können etwa der Aufbau eines Einkaufszentrums für die Muttergesellschaft, Investitionen in F&E und Produktion erfolgen. Dabei wird das Know-how deutscher Mitarbeiter gezielt eingesetzt. „Viele chinesische Unternehmen verbinden mit ihren Investitionen in Deutschland das Ziel, langfristig auf dem deutschen Markt tätig zu sein. Dabei legen sie vor allem Wert darauf, dass die Innovationskompetenz der deutschen Unternehmen in Deutschland bleibt“, berichtet Robert Hermann, Fachbereichsleiter der Investorenanwerbung bei Germany Trade and Invest. „Deutsche Unternehmen, die teilweise vor dem Einstieg chinesischer Investoren bereits weniger gute Erfahrung mit Finanzinvestoren gemacht haben, schätzen dieses Engagement der strategischen Investoren aus China.“

Neben der starken industriellen Basis mit ihrer Innovationskraft spielen auch die moderne Infrastruktur, gut ausgebildete Arbeitskräfte, die gute Bildungs- und Forschungslandschaft in Deutschland sowie stabile rechtliche Rahmenbedingungen eine wichtige Rolle. Zudem überzeugt die günstige geografische Lage Deutschlands. Die Nähe zu den Absatzmärkten war auch bei Greatview, einem chinesischen Hersteller für aseptische Verpackungen, ausschlaggebend für den Bau einer Produktionsstätte in Halle an der Saale. „Deutschland ist einer der grössten Märkte für aseptisches Verpackungsmaterial in Europa und Greatview hat bereits seit längerem einen soliden Kundenstamm“, erläutert Jeff Bi, CEO von Greatview. „Die Entscheidung war für uns deshalb denkbar einfach – wir wollten in der Nähe unserer Kunden sein, um Transportkosten zu minimieren und ein möglichst umweltfreundliches Nachschubnetzwerk aufzubauen. Halle ist zentral in Europa gelegen und bietet ausgezeichnete Verkehrsanbindungen. Und last but not least: Qualität hat in Deutschland eine lange Tradition.“

Info

Das China-Kompetenzzentrum Düsseldorf, das von der Stadt in Kooperation mit der IHK Düsseldorf und der Messe Düsseldorf getragen wird, bietet:

 

-    chinesischsprachige Betreuung
-    Unterstützung bei administrativen Prozessen (z.B. bei Visa-Fragen, Anmeldungen, Behördengängen)
-    Beratung bei der Auswahl des optimalen Standorts, Immobilienvermittlung
-    Hilfe bei Personalsuche
-    Kontakt zu Dienstleistern
-    Informationen über die Wirtschaftsregion Düsseldorf
-    Einführung in wichtige Wirtschaftsnetzwerke
-    regelmäßige Informationen durch Veranstaltungen und Newsletter

 

Zum Angebot der Stadt Düsseldorf zählen weiterhin:

 

-    Städtepartnerschaften
-    Austauschprogramme mit Schulen, Hochschulen, im kulturellen Bereich
-    chinesische Kindergärten und Zusatzschulen
-    chinesische Ärzte
-    chinesische Verbände und Zentren

 

Internetadressen mit Serviceangeboten für chinesische Unternehmen:

 

-    Düsseldorf: www.china-goes-dus.de
-    Hamburg: www.hwf-hamburg.de
-    München: www.chinaforumbayern.de
-    Frankfurt: www.frankfurt-business.net
-    Die chinesische Handelskammer (CHKD), die seit Januar 2014 als erste in Europa ihren Standort in Berlin hat, ergänzt die Arbeit der deutschen Wirtschaftsförderungsgesellschaften von chinesischer Seite aus und dient den 2500 chinesischen Unternehmen in Deutschland als Plattform für Informations- und Erfahrungsaustausch.


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