Donnerstag, 10.12.2015
Sage Software: Blauer Himmel über dem Frankfurter-Firmensitz. Auch das zurückliegende Geschäftsjahr gibt Anlass zu Optimismus

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Sage Software: Blauer Himmel über dem Frankfurter-Firmensitz. Auch das zurückliegende Geschäftsjahr gibt Anlass zu Optimismus

Zukunftsmärkte
Sage Deutschland steigert Umsatz um vier Prozent

Cloud ist Hoffnungsträger für Umsatzwachstum

Vor allem durch gehostete Produkte will Sage Deutschland beim Umsatz weiter zulegen. Executive Vice President Central Europe Rainer Downar über die Strategie des Softwareanbieters.

Cloud ist Hoffnungsträger für Umsatzwachstum

Markt und Mittelstand: Herr Downar, Ihr Geschäftsbericht weist Wachstum aus. Was waren 2015 die Wachstumstreiber?
Rainer Downar: In Deutschland waren es vor allem unsere Cloudlösungen und da besonders das Einsteigerprogramm Sage One. Aber auch unsere Sage Office Line hatte ein sehr erfreuliches Wachstum. Sie sind hier wesentliche Treiber des Umsatzpluses  von vier Prozent auf 106 Millionen Euro Jahresumsatz. Global waren Subkriptionsverträge, also Miet-Software-Programme, der stärkste Umsatztreiber. Das werden sie auch im kommenden Jahr bleiben. Die Steigerungsrate betrug bei unserer Gesamtgruppe 28 Prozent. 690.000 solcher Verträge haben wir abgeschlossen. Das waren 240.000 mehr als im vergangenen Jahr.

Markt und Mittelstand: In Deutschland ist dieses Modell aber nicht so beliebt wie in anderen Teilen der Welt.  Gerade Mittelständler gelten doch als Skeptiker der Miet-Software. Warum ist das so?
Rainer Downar: Da haben wir im deutschen Markt noch aufzuholen. Der Markt in Deutschland und auch die deutschen Unternehmen ticken hier in der Tat noch etwas anders. Unternehmer hierzulande wollen lieber kaufen und besitzen. Das hat auch steuerliche Hintergründe, denn wer besitzt, kann abschreiben  Bei Gründern und kleineren Mittelständlern ist die Motivation allerdings anders, hier ist Miet-Software gefragt

Cloud-Software: Mieten statt Kaufen

Rainer Downar ist Executive Vice President Central Europe bei Sage Software

Rainer Downar ist Executive Vice President Central Europe bei Sage Software

Markt und Mittelstand: Warum gerade hier?
Rainer Downar: Die Antwort ist simpel, es fehlen hier die Investitionsmöglichkeiten für große IT-Systeme. Schlanke Lösungen sind gefragt, die zu den Prozessen passen.

Markt und Mittelstand:
Dann müssen diese Firmen mieten, weil es weniger kostet.
Rainer Downar: Mit einer Subskription erledigen sie ihre täglichen Büroarbeiten von Angebot, über Buchhaltung bis zur Personalverwaltung. Mit der Unterstützung aus der Cloud können sie in die Informationstechnologie wachsen und sind damit zukunftsorientiert. Außerdem könne sie die Cloud auch als digitale Ablage für den Steuerberater nutzen.

Markt und Mittelstand:
Rechnet sich so eine Zielgruppe? Oder besteht da ganz einfach ein großes Marktpotential?
Rainer Downar: Rund sechs Millionen Kunden kommen in Zentraleuropa für die Einsteigerlösungen in Frage – das ist natürlich ein theoretischer Wert. Aber wer sich einmal für ein Programm aus unserem Hause entschieden hat, den können wir auch bei seinem Wachstum mitführen. Außerdem versuchen wir auch die 60 Prozent unserer Bestandskunden, die nur ein Produkt von uns einsetzen, durch Crosselling oder Upsale auf weitere Module oder zusätzliche Programme zu führen.

Produkt-Nachfolger gesucht

Markt und Mittelstand: Bei der Vorstellung der Zahlen und der Unternehmensstrategie haben Sie erklärt, dass Sie die Produktbereiche vereinfachen und nun in die zwei Bereiche „Growth“ und „Heritage“ untergliedern. Welches Segment beinhaltet was?
Rainer Downar: „Growth“ ist das Wachstumssegment. Das zeigen schon die F&E-Ausgaben. 87 Prozent der Aufwendungen fließen in die Weiterentwicklung der Produkte. Im „Heritage-Segment“ sind etwa Produkte mit geringem Wachstum oder geringem Marktanteil oder ältere Produkte am Ende ihrer Lebenszyklen angesiedelt.

Markt und Mittelstand: Bedeutet dass alles, was in „Heritage“ steckt, früher oder später abgeschafft wird?
Rainer Downar: „Heritage“-Produkte sind für uns diejenigen Lösungen, mit denen wir groß geworden sind und die auch heute noch einen großen Anteil unseres Umsatzes ausmachen. Wir haben daher auch nicht die Absicht, diese Produkte einzustellen oder deren Anwender auf neue Produkte zu migrieren. Denn unsere „Customer for Life“-Strategie besagt, dass wir unsere Kunden lebenslang behalten wollen. Daher werden auch „Heritage“-Produkte weiter gewartet und z.B. auf dem neuesten Stand der Gesetzgebungen gehalten. Die Kunden können also  weiter mit diesen arbeiten. Es wird aber auch Nachfolgelösungen geben, die modernere Technologien einsetzen, Mobile- oder Cloud-fähig sind etc. Wenn ein Kunde letzteres will, sollte er überlegen, umzusteigen.

Markt und Mittelstand: Was erwarten Sie auf dem IT-Markt im kommenden Jahr? Was werden die wichtigsten Trends 2016 sein?
Rainer Downar: Sicherlich wird das Thema Cloud eine zentrale Rolle in der Strategie der Unternehmen spielen. Das hat Auswirkungen auf die Geschäftsprozesse. Die Digitalisierung wird die Buchhaltung so einfach machen wie Online-Banking. Denn dann können die Belege elektronisch erfasst, abgespeichert und an den Steuerberater übergeben werden. Eine Hardcopy ist dann nicht mehr notwendig. Außerdem ist Outsourcing  beim Personalwesen eine starke Entwicklung. Die Kunden wollen diese Betreuung ihrer Mitarbeiter als Service bei der Entscheidung für eine HR-Lösung dazu buchen.

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