Donnerstag, 08.05.2014
Zukunftsmärkte
Anstieg von 24 Prozent im laufenden Jahr

Custo Brasil: Höhere Stromkosten belasten Firmen

Kein Ende der hohen Kosten: Auf Brasiliens Industrie kommt einen Preisanstieg bei Strom von mehr als 20 Prozent zu. Dabei ächzen Unternehmer schon jetzt unter dem Custo Brasil.


Noch im September 2012 hatte in Brasilien Präsidentin Dilma Rousseff eine massive Entlastung bei den Stromkosten für Unternehmen sowie Privathaushalte angekündigt, Ende Januar 2013 folgte die Konkretisierung: Für Unternehmen sollte sich der Strompreis um bis zu 32 Prozent reduzieren, für Privatpersonen um durchschnittlich 18 Prozent. Die Senkung der Tarife war Teil eines weiteren Konjunkturpakets zur Bekämpfung des Custo Brasil, also der hohen Kosten im Land.

Kein Spielraum für Senkungen in Brasilien

Gekommen ist es allerdings nun anders: Tatsächlich wurde der Strom für Unternehmen nämlich nicht billiger, sondern teurer. Das bedeutet, dass industrielle Stromkunden in Brasilien nun um ein knappes Viertel mehr bezahlen, wie die brasilianische Tageszeitung Folha de S.Paulo berichtet. 2012 hatte die Kilowattstunde Strom noch etwa 150 Reais gekostet (knapp 50 Euro), 2014 wird der Durchschnittspreis bei knapp 185 Reais (etwa 60 Euro) liegen. Christopher Vlavianos, Präsident von Comerc Energia, sagte gegenüber Folha de S.Paulo, dass es nun zumindest bis 2016 keinen Spielraum für einen weiteren Rückgang der Energiepreise geben werde.

Während die Regierung die geringe Niederschlagsmenge und eine dadurch geringere Menge an produzierter Energie in den vielen Wasserkraftwerken des Landes als Grund für die Preiserhöhungen nennt, sehen Experten den Grund dafür vor allem in den Versäumnissen der Regierung Rousseff, der es nicht gelang, den großen Stromerzeugern Bedingungen aufzuerlegen. Die Stromerzeuger Copel, Cemig und Cesp stehen allesamt im Eigentum der Bundesstaaten Minas Gerais, Paraná und São Paulo, die sich gegenüber der Bundesregierung in Opposition befinden, wie das Nachrichtenportal Brasilnews meldet. Im November stehen in Brasilien Präsidentschaftswahlen auf dem Programm. Das Land braucht dringend Reformen, möchte es in der Gunst ausländischer Investoren nicht noch weiter an Boden verlieren.

Ein knappes Montag vor der Eröffnung der Fußball-Weltmeisterschaft kommt diese Nachricht zudem zu einer Unzeit. Germany Trade and Invest mahnt, dass sich die Lage schnell noch weiter zuspitzen könnte.

BIP-Wachstum in Brasilien unterdurchschnittlich

Auch deutsche Mittelständler, die im Land über eine Produktionsstätte verfügen, werden über diese Zusatzkosten nicht erfreut sein. Vor allem Zulieferer der Automobilindustrie folgen ihren Kunden in das Land am Zuckerhut. Auf diesem Markt lässt der Aufschwung allerdings ebenso auf sich warten.

Aber auch in anderen Branchen braucht man in Brasilien momentan einen langen Atem. Seit Jahren kämpft etwa auch der Mittelständler Hansgrohe mit den hohen Kosten im Land, die Maßnahmen der Regierung, diese in den Griff zu bekommen, sind bislang vielfach ohne Wirkung geblieben. Das hat auch Auswirkungen auf den einstigen Boommarkt Brasilien. Das Wachstum des größten lateinamerikanischen Landes ist zuletzt ist Stocken geraten. Die Unzufriedenheit in der Bevölkerung mündet immer häufiger auch in Protesten, wie vergangenen Sommer oder auch in diesem Jahr im Frühjahr. Die bevorstehende Fußball-Weltmeisterschaft kann anders als erhofft momentan noch nicht zu einer Beruhigung der Lage beitragen.

Für das laufende Jahr rechnen die Experten des Internationalen Währungsfonds in ihrem jüngst veröffentlichten regionalen Ausblick mit einem BIP-Wachstum von lediglich 1,8 Prozent, während Mexiko beispielsweise mit 3 Prozent wachsen soll. Es profitiert in besonderem Maße vom wirtschaftlichen Aufschwung in den USA sowie den liberalen Handelsbeziehungen, etwa als Mitglied der Pazifik-Allianz.