Montag, 13.10.2014
Shanghai China

Dieter Schütz / pixelio.de

Nicht nur in Shanghai (Bild) geht China wirtschaftlich zunehmend seinen eigenen Weg - und ist immer weniger auf westliche Hilfe angewiesen.

Zukunftsmärkte
Innovationspartnerschaft 2015

Das Geschäft mit China verändert sich

China und Deutschland rücken wirtschaftlich noch enger zusammen. Das freut Unternehmer, winken dadurch doch neue Aufträge. Die Frage ist nur, wie lange noch.


Parallel zu den dritten Regierungskonsultationen zwischen Deutschland und China fanden am vergangenen Freitag Wirtschaftsgespräche deutscher Unternehmensvertreter mit den rund 130 Mitgliedern der chinesischen Wirtschaftsdelegation statt. Zahlreiche Geschäfte im Milliarden-Euro-Bereich wurden dabei unterschrieben, nicht nur von Konzernen, sondern auch durch Mittelständler. Im Mittelpunkt stehen die Branchen Umweltschutz, Medizin und Bildung. Von einem „wichtigen Beitrag für die deutsche Außenwirtschaft“ sprach etwa DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier.

Diese Verträge bilden den Auftakt zum Jahr der deutsch-chinesischen Innovationspartnerschaft, zu dem das Jahr 2015 auserkoren wurde. Denn China bleibt für deutsche Unternehmen neben Westeuropa und den USA der wichtigste Markt für Auslandsaktivitäten. Fest steht aber auch: Deutschland braucht China mehr als umgekehrt.

Chinesische Unternehmen sind zunehmend dazu in der Lage, eine ernsthafte Konkurrenz am Weltmarkt darzustellen – und brauchen dafür immer weniger deutsche Technologie im eigenen Land – das gilt bislang auch für Unternehmen aus der Branche der regenerativen Energien – die im Kampf gegen die starke Umweltverschmutzung im Land in den kommenden Jahren einen besonderen Stellenwert einnehmen werden. Die Wertschöpfung soll vornehmlich im eigenen Land passieren, für Unternehmen, die rein auf Export nach China setzen, wird es immer schwieriger, wettbewerbsfähig zu sein. Die Abstimmung in Wirtschaftsfragen ist komplexer geworden, die Unterschriften unter die Verträge werden nicht mehr so schnell gesetzt.

Wie lange braucht China noch den Westen?

Dass sich viele mit der neuen Rolle Chinas noch schwertun, drückt sich auch in einem Stimmungsbild der deutschen Unternehmen zur Innovationspartnerschaft 2015 aus, das das Chinaforum Bayern e.V. und die Unternehmensberatung Staufen eingeholt haben. 62 Prozent der Firmen hierzulande fehle es demnach noch an Vertrauen, um künftig mit einem chinesischen Partner Entwicklungsarbeit zu leisten. Gegenüber Partnern aus der Europäischen Union bemängelt nicht einmal jeder Zehnte eine solche Vertrauenslücke. „Für die Mehrheit bleibt das Vertrauensdefizit ein Stolperstein am Standort China“, sagt Thorsten Amann, Mitglied der Geschäftsleitung bei Staufen. Befragt wurden 150 deutsche Unternehmen. Die grundsätzlichen Chancen für gemeinsame Innovationsarbeit wurden hingegen überwiegend als gut oder sehr gut bezeichnet. (Automobilbranche – 69 Prozent, Maschinen- und Anlagenbau – 58 Prozent, Energiebranche – 55 Prozent).

Demzufolge wundert es nicht, dass der Ruf nach Abbau von Investitionshemmnissen nicht verhallt. Der Asien-Pazifik-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft (APA) etwa fordert weitere Öffnungsschritte Chinas für ausländische Investoren. „Unsere Unternehmen erbringen Wertschöpfung in China, sie beschäftigen chinesische Mitarbeiter, sie öffnen den Zugang zu modernster Technologie für ihre chinesischen Tochterfirmen, und zahlen Steuern im Land. Sie agieren damit praktisch wie chinesische Firmen und verdienen aus unserer Sicht Gleichbehandlung“, sagt Hubert Lienhard, Vorsitzender des APA.

Dass sich chinesische Firmen immer mehr von westlichen Unternehmen im Land emanzipieren, zeigt auch ein Blick auf die aktuelle Außenhandelsstatistik. Der Außenhandel Chinas hatte sich im September deutlich erholt, wie die Zollverwaltung in Peking bekanntgab. Die Exporte stiegen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 15 Prozent auf knapp 214 Milliarden Dollar – der stärkste Anstieg seit 19 Monaten. Seit Jahresbeginn liegt das Plus bei den Exporten bei 5,1 Prozent. Die Importe lagen mit 183 Milliarden Dollar auf einem Neun-Monats-Hoch. Das entspricht einem Zuwachs von 7 Prozent gegenüber September 2013. Die Steigerungsrate seit Jahresanfang liegt bei 1,3 Prozent. Chinas Ministerpräsident Li Keqiang versprach bei dem Treffen mit der Bundesregierung einen leichteren Marktzugang für ausländische Unternehmen.

2015 logische Fortführung der China-Beziehungen

2015 sollen also die deutsch-chinesischen Beziehungen fortgeführt werden, die bereits in diesem Jahr sehr intensiv waren. Im Frühjahr 2014 unterschrieben der chinesische Präsident Xi Jinping und Bundeskanzlerin Merkel knapp 20 Verträge zu einer umfangreichen wirtschaftlichen und strategischen Zusammenarbeit beider Länder, unter anderem auch die Vereinbarung zur Innovationspartnerschaft im kommenden Jahr. In Frankfurt freute man sich damals über den Besuch besonders, hatte Xi doch das OK zur Einrichtung einer Renminbi-Clearning-Stelle in der Mainmetropole im Gepäck.

Im Sommer besuchte dann auch die Kanzlerin die Volksrepublik. Im Fokus ihrer Gespräche standen damals Innovation und Nachhaltigkeit. Sie machte sich dabei vor allem für eine Stärkung des Umweltschutzes stark. Auch Außenminister Steinmeier und Wirtschaftsminister Gabriel waren in diesem Jahr schon im Reich der Mitte.

Ende August wurde die Bank of China schließlich mit dem Renminbi Clearing in Deutschland betraut. Ende September folgte der nächste Liberalisierungsschritt: Die politische Führung des Landes hat den direkten Devisenhandel zwischen Renminbi und Euro freigegeben. In den kommenden Tagen dürfte dann auch tatsächlich erstmals das Renminbi-Clearing in Frankfurt möglich sein.

Die Zusammenarbeit mit einem Innovationspartner ist zunächst Vertrauenssache. Wie groß ist Ihr grundsätzliches Vertrauen in Unternehmen aus folgenden Ländern?Quelle: Chinaforum Bayern e.V. /STAUFEN AGWie groß ist Ihr grundsätzliches Vertrauen in Unternehmen aus folgenden Ländern?(Nennungen „sehr großes“ und „großes“ Vertrauen)
Quelle: Chinaforum Bayern e.V. /STAUFEN AGWie bewerten Sie die Erfolgsaussichten für deutsch-chinesische Innovation in folgenden Branchen?(Mehrfachnennung möglich: Bis zu 3 Gründe)
Quelle: Chinaforum Bayern e.V. /STAUFEN AG4_Erfolg_Innovation_China.jpg(Nennung „sehr gut“ und „gut“)
Quelle: Chinaforum Bayern e.V. /STAUFEN AGIn welchen Aufgabenfeldern eines Unternehmens sehen Sie die größten Potenziale für eine deutsch-chinesische Innovations-Partnerschaft?(Mehrfachnennung möglich: Bis zu 3 Bereiche)
Quelle: Chinaforum Bayern e.V. /STAUFEN AGWas sind für Sie die wichtigsten Gründe, eine Innovationskooperation mit chinesischen Partnern aufzubauen?(Mehrfachnennung möglich: Bis zu 5 Gründe)
Quelle: Chinaforum Bayern e.V. /STAUFEN AG

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