Montag, 26.08.2013
Zukunftsmärkte
Neue Märkte: Indien und Indonesien

„Das ist keine Währungskrise“

Indien und Indonesien sind von starken Währungsverlusten bedroht. Kommt eine neue Währungskrise? Im Markt und Mittelstand-Interview sagt DEG-Volkswirt Alexander Klein wie er die aktuelle Lage einschätzt und erklärt, was die Situation für deutsche Mittelständler bedeutet.

MuM: Indien und Indonesien kämpfen aktuell mit einer schwächelnden Währung. Die indische Rupie ist in der Vorwoche auf ein Rekordtief zum Dollar gefallen, seit Mai beträgt der Währungsverlust etwa 15 Prozent. Auch in Indonesien ist die Rupiah auf den niedrigsten Stand seit vier Jahren gefallen. Droht eine neue Asienkrise?
Alexander Klein: Ich würde die Situation nicht als Währungskrise bezeichnen, wie sie in den 1990er Jahren zur so genannten Asienkrise geführt hat. Eine solche läge vor, wenn Investoren das grundlegende Vertrauen in die Währung als Zahlungs- und Tauschmittel verlören. Davon kann aber aktuell trotz der angespannten Situation in diesen Ländern nicht die Rede sein. Die Situation muss jedoch genau beobachtet werden, weil in dieser volatilen Phase weitere Kursverluste möglich sind.

MuM: Worauf ist dieser Wertverlust in diesen Ländern zurückzuführen?
Klein
: Die US-Notenbank hat angekündigt, ihre expansive Geldpolitik der vergangenen Monate einzudämmen. Das heißt, es wird weniger Liquidität im Markt sein als erwartet. Eine solche Ankündigung alleine reicht schon, um Nervosität bei den Anlegern zu erzeugen, insbesondere wenn wir uns in einer konjunkturell schwächeren Phase befinden. Investoren ziehen derzeit ihr Kapital aus den Schwellenländern ab und suchen wo anders nach Renditemöglichkeiten. Und das spiegelt sich dann in Anleihen, Aktien und Wechselkursen wider, vor allem  bei Ländern mit Leistungsbilanzdefizit, weil diese auf den Import von Kapital angewiesen sind.

Gedämpfte Investitionen bremsen Export

Alexander Klein ist Volkswirt bei der DEG - Deutsche Entwicklungsgesellschaft.

Alexander Klein ist Volkswirt bei der DEG - Deutsche Entwicklungsgesellschaft.

MuM: Was bedeutet die aktuelle Situation für deutsche Mittelständler in Indien und Indonesien?
Klein:
Diejenigen, die schon vor Ort sind und dort produzieren, profitieren vom günstigeren Wechselkurs und können aus diesen Ländern günstiger Export betreiben. Für den lokalen Markt können Unternehmen diesen Vorteil allerdings nicht unbedingt für sich nutzen, weil die Investitionstätigkeit im aktuellen Umfeld schwach ist.

MuM: Haben deutsche Mittelständler, die nach Indien und Indonesien nur exportieren, bessere Karten, als jene, die vor Ort produzieren?
Klein:
Leider nicht. Indien und Indonesien sind beides Länder mit einem Handelsbilanzdefizit, das heißt, siebetreiben mehr Import als Export. Die Waren deutscher Mittelständler werden dort aufgrund der schwachen Währung teurer. Gepaart mit der derzeit zurückhaltenden Investitionstätigkeit ist das momentan keine optimale Voraussetzung für Zuwächse im Export.

Indien und Indonesien weiterhin attraktiv

MuM: Einige Unternehmen und Konzerne witterten eine neue Asienkrise, haben sich zuletzt aus Indien und Indonesien wieder zurückgezogen. Für Mittelständler sind schnelle Rückzüge aus einem Markt oft keine Option. Können Mittelständler etwas tun, um sich gegen den Währungsverfall zu schützen?
Klein: Ein Rückzug von Unternehmen im großen Stil findet ja nicht statt. Mittelständler sollten sich darauf besinnen, das zu tun, was sie gut können. Das heißt, Konzentration auf die Produktion ihrer Güter und Dienstleistungen und nicht versuchen, das Währungsrisiko selbst zu managen. Sollen im Ausland erzielte Gewinne nicht reinvestiert sondern repatriiert werden, ist es zudem hilfreich, sich über eine Absicherung der Währungsschwankungen Gedanken zu machen.

MuM: Heißt das in Summe, dass Indien und Indonesien als Schwellenländer künftig an Attraktivität verlieren werden?
Klein: Nein. So wie vorher positiv übertrieben wurde, wird jetzt negativ übertrieben. Es ist richtig, dass notwenige Reformen in Indien momentan vor allem deshalb scheitern, weil sich das Land politisch blockiert. Da gilt es ein besonderes Augenmerk auf die Wahlen im nächsten Jahr zu legen. Indonesien sehe ich weniger kritisch, obwohl es auch hier teils signifikante Herausforderungen gibt. Unterm Strich sind beide Länder als Märkte nicht weniger attraktiv als noch vor einigen Wochen, auch für deutsche Mittelständler. Aber in einem Marktumfeld wie diesem gilt noch mehr als sonst, sich ganz genau mit den lokalen Gegebenheiten und Investitionsrahmenbedingungen zu befassen.

MuM: Welche Entwicklung ist für die nächsten Monate zu erwarten?
Klein: Ich gehe davon aus, dass sich nach dem Winter eine Erholung der momentan turbulenten Phase einstellt und das Wachstum ab 2014 wieder höher als zuletzt ist. Erste positive Signale kommen jetzt schon aus den USA, aus China kommen wieder stärkere Konjunkturindikatoren und auch Europa scheint sich langsam wieder zu erholen. Diese Erholung wird sich auch auf die Wechselkurse positiv auswirken. Trotzdem wird die für 2014 erwartete positive Gegenbewegung die Währungsverluste von 2013 voraussichtlich nicht kompensieren können. Das gilt auch für Indien und Indonesien. In Indien wird zudem die politische Situation ausschlaggebend für die weitere wirtschaftliche Entwicklung sein.

MuM: Herr Klein, vielen Dank für das Gespräch.