Montag, 21.02.2022
Zukunftsmärkte

Deutsche steigen massiv auf Öko-Heizungen um

Beim Wohnungsbau vollzieht sich eine Öko-Revolution. Neue Zahlen des statistischen Bundesamtes zeigen eine überraschend massive Umstellung der privaten Energieversorgung auf Erneuerbare. Gasheizungen dagegen verlieren an Bedeutung: Ihr Anteil sinkt von 33 auf 24 Prozent. Insgesamt gespart wird Energie aber nicht
Heizung

Beim Planen neuer Wohngebäude setzen Bauherrinnen und Bauherren in Deutschland massiv auf erneuerbare Energien als Hauptenergiequelle.

Während die Politik über die Energiewende im großen Stil noch streitet, vollziehen die Deutschen sie in ihren Privatwohnungen mit großer Zielstrebigkeit. Gas- und Ölheizungen kommen zusehends aus der Mode. Beim Planen neuer Wohngebäude setzen Bauherrinnen und Bauherren in Deutschland dagegen massiv auf erneuerbare Energien als Hauptenergiequelle. Das Statische Bundesamt (Destatis) meldet: Zwei Drittel (65,5 Prozent) der von Januar bis November 2021 genehmigten 118 000 Wohngebäude sollen primär mit erneuerbaren Energien geheizt werden. Im Vorjahreszeitraum hatte der Anteil noch bei 57,0 Prozent der 113 600 genehmigten Wohngebäude gelegen. Bei der Warmwasserbereitung wird noch häufiger auf erneuerbare Energieträger gesetzt: In 68,9 Prozent (Vorjahr: 62,1 Prozent) der von Januar bis November 2021 genehmigten Wohnungen war dies der Fall. Besonders häufig sollen in beiden Fällen Umweltthermie und Geothermie mittels Wärmepumpen zum Einsatz kommen, aber auch Solarthermie oder Biomasse spielen eine immer größere Rolle.

Gasheizungen sind out

Die Nutzung konventioneller Energieträger wird dagegen zusehends unbeliebt: Die Gasheizung verliert mit einem Anteil von 24,4 Prozent bei der primären Energienutzung an Bedeutung. Von Januar bis November 2020 hatte der Anteil noch 32,7 Prozent betragen.

Ein Grund für den Trend hin zu Erneuerbaren dürften gesetzliche Regelungen sein wie das Gebäude-Energie-Gesetz (GEG), das 2020 in Kraft trat und bis dahin bestehende ähnliche Gesetze ablöste. Dieses schreibt vor, dass der Wärme- und Kälteenergiebedarf eines Neubaus zumindest anteilig aus Erneuerbaren Energien gespeist wird. Auch staatliche Förderprogramme für Energieberatung, Zuschüsse zu entsprechenden Bauvorhaben oder Darlehen setzten entsprechende Anreize.

Deutlich langsamer vollzieht sich die Energiewende im Altbaubestand. Dort beobachtet das Statische Bundesamt nur "wenig Entwicklung“ hin zu "Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz“. Nur 30,8 Prozent der von Januar bis November genehmigten Wohngebäude verfügen über Möglichkeiten zur Wärmerückgewinnung. Das ist im Vorjahresvergleich nur ein minimaler Anstieg (2020 waren es 29,7 Prozent).

Energieverbrauch der Haushalte beim Wohnen binnen zehn Jahren um 7 Prozent gestiegen

Einsparungen beim Energieverbrauch gibt es aber in deutschen Wohngebäuden insgesamt nicht. Die Deutschen heizen tendenziell immer großzügiger. In den vergangenen zehn Jahre ist der häusliche Energieverbrauch kontinuierlich angestiegen: 2019 verbrauchten private Haushalte temperaturbereinigt 722 Milliarden Kilowattstunden – ein Plus von 7,3 Prozent gegenüber 2010. Der Anstieg ist vor allem auf einen erhöhten Energieverbrauch fürs Heizen zurückzuführen ( plus 7,4 Prozent gegenüber 2010). Mehr als zwei Drittel des temperaturbereinigten Energieverbrauchs im Wohnbereich fällt für das Heizen an: 2019 wurden dafür mit 511 Milliarden Kilowattstunden 70,7 Prozent der Energie genutzt. 106 Milliarden Kilowattstunden (14,7 Prozent) entfielen auf die Bereitung von Warmwasser, der Rest auf den Betrieb von Elektrogeräten, Kochgeräten und Beleuchtung.

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