Donnerstag, 14.06.2012
Zukunftsmärkte
Investitionen aus China

Deutschland bei Chinesen beliebt

Deutschland ist der beliebteste Investitionsstandort für chinesische Investoren. Besonders der Maschinenbau und die Automobilzulieferer gelten als attraktiv.

Deutschland ist unter den Top drei der attraktivste Investitionsstandort für chinesische Unternehmen, wie eine aktuelle Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young beleg. Für 23 Prozent der befragten chinesischen Investoren gaben Deutschland den Vorzug, lediglich die USA (29 Prozent) und China selbst (61 Prozent) waren noch attraktiver. Immer mehr Unternehmen aus dem Reich der Mitte wollen durch Firmenübernahmen und Auslandsstandorte weltweit präsent sein.

„Made in Germany“ beliebter denn je

Deutschland überzeugt vor allem durch sehr gute Standortfaktoren. Neben der guten Infrastruktur bei Transport und Logistik wird auch der hervorragende Ruf von deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen als Vorteil genannt. Selbst die häufig bemängelten Standortfaktoren, wie Arbeitskosten und Unternehmensbesteuerung werden von 71 Prozent der Befragten noch als „gut“ bewertet. „Die deutsche Mentalität mit Fleiß und Pünktlichkeit genießt bei chinesischen Unternehmen hohes Ansehen“, erklärt Yi Sun, Partnerin bei Ernst & Young Deutschland. Zudem genießt das Label „Made in Germany“ auch in China höheres Ansehen denn je.

Misstrauen deutscher Unternehmen

Ziel der Investitionen ist dabei meist die Übernahme deutscher Unternehmen. „Die Kassen der chinesischen Unternehmen sind prall gefüllt“, beschreibt Alexander Kron, Partner bei Ernst & Young, „die Finanzierung auch größerer Zukäufe mit erheblichen Eigenmitteln stellt zumeist kein Problem dar.“ Ein relativ hoher Prozentsatz von 9 Prozent der chinesischen Investoren geben Unternehmenskäufe als Investitionsziel an. Daneben interessieren sich 56 Prozent für Joint Ventures. „Man kann davon ausgehen, dass ein erheblicher Teil dieser Joint Ventures in eine mehrheitliche Übernahme münden wird“, erklärt Kron. Besonders attraktive Branchen für die chinesischen Investoren sind der Maschinenbau (57 Prozent) sowie die Automobilindustrie (42 Prozent).

Der Vormarsch der Chinesen erweckt in Deutschland uch Misstrauen. Zwar gibt es auch bisher geglückte Beispiele, wie die Übernahme des deutschen Betonpumpenherstellers Putzmeister durch den chinesischen Baumaschinenkonzern Sany Heavy Industry. Viele ähnliche Projekte scheiterten aber in der Vergangenheit, am Ende kam es zur Abwicklung. Immer noch fürchten viele den Verlust von Arbeitsplätzen, oder gar der Verlagerung des Unternehmens nach China selbst. "Die Lage ist heute anders, die Lernkurve der chinesischen Käufer geht steil herauf", versucht Expertin Sun zu entkräften.

Ziel der meisten Investoren sei es heute, neue Märkte zu erschließen, und nicht mehr nur möglichst billig in China zu produzieren. Gut 70 Prozent der Befragten gaben an, in Deutschland und Europa vor allem zu investieren, um neue Absatzmärkte zu erschließen. Häufig ist die Nachfrage auf dem chinesischen Markt nämlich bereits zu gering. Es bleibt aber abzuwarten, ob mehr Investoren dem Beispiel von Sany Heavy Industry folgen, und zum Beispiel auf das Austauschen der Manager-Riege verzichten.

Quellen: Ernst & Young, Handelsblatt, Markt und Mittelstand