Mittwoch, 04.06.2014
Zukunftsmärkte
Stabile Rahmenbedingungen wertvoll

Deutschland beliebter Investitionsstandort

Während Kritiker immer wieder die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands anmahnen, erteilen ausländische Investoren Deutschland Bestnoten.


Wer die Diskussion über einige der jüngsten Gesetzesvorhaben verfolgt, kann den Eindruck gewinnen, Deutschland setze – zumindest aus Sicht der Regierungskritiker – seinen guten Ruf aufs Spiel. Ob Mindestlohn oder Rente mit 63, immer wieder wird vor einer Gefährdung Deutschlands als Investitionsstandort gewarnt. Und doch sieht die Wahrnehmung Deutschlands als Wirtschaftsstandort durch ausländische Investoren anders aus.

Bestnoten für Deutschland

Auf dem vierten Platz steht Deutschland im weltweiten Standortranking. Das hat die EY-Studie „Standort Deutschland 2014“ nach einer Befragung von Managern von über 800 ausländischen Unternehmen ergeben. China (44 Prozent), USA (28 Prozent) und Russland (19 Prozent) liegen vor Deutschland, das 18 Prozent der befragten Manager als einen der drei besten Investitionsstandorte der Welt sehen. In Europa liegt Deutschland danach auf Platz 1. Größter Wettbewerber im Standortwettbewerb sind die USA.

Entscheidend für Investitionsentscheidungen von Ausländern sind nach wie vor Stabilität und Transparenz des politischen und rechtlichen Umfelds. Danach folgen Infrastruktur und Qualifikation der Arbeitskräfte. Interessant ist auch, dass über 60 Prozent der Befragten Flexibilität des Arbeitsrechts, Unternehmensbesteuerung und Arbeitskosten positiv bewerten (im Vorjahr nur gut 40 Prozent). Als Vorzeigebranchen gilt nach wie vor die Automobilindustrie, sie ist Wachstumstreiber Nr. 1. Danach folgen Energie- und IT-Branche; Schwerindustrie und Immobiliensektor stehen am unteren Ende.

Reformen angemahnt

Doch so gut die Wahrnehmung Deutschlands auch sein mag, in den Zahlen spiegelt sich das nur teilweise wider. Denn mag die Anzahl der Auslandsinvestitionen in Deutschland im vergangenen Jahr zwar um 12 Prozent auf 701 Investitionsprojekte gestiegen sein, die Zahl der dadurch geschaffenen Arbeitsplätze ist gesunken. Deutschland liegt in Europa zwar auf dem zweiten Platz hinter Großbritannien. USA, Schweiz und China heißen die größten Investoren. Doch auch das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es im Jahr 2013 nur zwei Großprojekte mit mehr als 500 neuen Arbeitsplätzen gab.

49 Prozent der befragten Investoren rechnet mit einem Anstieg der Attraktivität Deutschlands als Investitionsstandort, lediglich 13 Prozent erwarten für die nächsten drei Jahre einen Rückgang. Doch gleichzeitig planen nur noch 27 Prozent im Jahr 2014 Investitionen in Deutschland zu tätigen, fast 10 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Der Anteil der Investoren der Teile der Geschäftstätigkeit aus Deutschland verlagern möchte, liegt bei 20 Prozent. Im Vorjahr waren es nur 11 Prozent. Auch hier gibt es eine Diskrepanz zwischen Wahrnehmung durch ausländische Investoren und deren wirtschaftlichem Handeln.

Interessant auch, dass 28 Prozent eine Verbesserung der Aus- und Weiterbildung im Bereich neuer Technologien fordern, 25 Prozent stärkere Steueranreize für innovationsstarke Unternehmen. „Deutschlands Führungsposition als global wettbewerbsfähiger Qualitäts- und Innovationsstandort ist nicht in Stein gemeißelt, sondern muss immer wieder neu erarbeitet und unter Beweis gestellt werden“, gibt Peter Englisch, Partner bei EY, zu bedenken. Es ist also nicht auszuschließen, dass die Wahrnehmung der Top-Investitionsstandorte wie Deutschland auch dadurch gewinnt, dass in anderen Regionen, vor allem einigen Schwellenländern,  das Wachstum zuletzt rückläufig war und auch Konflikte, wie etwa die Ukraine-Krise, die Attraktivität anderer Investitionsstandorte mindern.