Freitag, 22.04.2022
Zukunftsmärkte

„Die Autoindustrie kümmert sich nicht um ihre Rohstoffe“

Norge Mining-Gründer Michael Wurmser sieht auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel große Herausforderungen in der Rohstoffversorgung beim Weg der Autohersteller in die E-Mobilität.
elektroauto an ladestation

Wie sieht die Zukunft der Mobilität aus? Grün, waren sich die Experten auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel am Tegernsee einig. Audi-Chef Markus Duesmann hatte bereits die Richtung vorgegeben: „Lassen Sie uns als Europäer gemeinsam mutig sein und uns vornehmen, ab 2040 vollständig auf fossile Energieträger zu verzichten“, forderte der Manager. Er sieht im Wandel weg von Verbrennermotoren eine Riesenchance für Europas Autobauer. „Wir haben jetzt die Möglichkeit, Weltmarktführer für E-Mobilität und neue Technologien zu werden.“ Bei Audi selbst soll 2033 der letzte Wagen mit Verbrennungsmotor vom Band rollen.

 

Horst Bardehle, CEO der Waldaschaff Automotive GmbH, dürfte Duesmanns Vorstoß imponieren. „E-Mobilität ist für mich ein Game-Changer“, sagte Bardehle. „Es gibt Risiken, aber ich konzentriere mich lieber auf die Chancen.“ Weltweit gebe es 1,3 Milliarden Fahrzeuge. „Und wir haben noch nicht mal die Ein-Prozent-Marke geknackt, was den Anteil von E-Fahrzeugen daran anbelangt. Wir sind hier immer noch am Anfang.“

 

Dass der Anteil immer schneller wachsen wird, darauf deutet vieles hin. Die Branche hat umgedacht. Wenn es um neue Modelle geht, geht es fast ausschließlich nur noch um E-Autos. Das verändert auch die Geschäftsmodelle in der Mineralölindustrie. Das Angebot werde sich von einer „linearen Monostruktur“ hin zu einer mit mehreren Komponenten entwickeln, sagte Wolfgang Langhoff, Vorstandsvorsitzender von BP in Europa. BP war zuletzt positiv in die Schlagzeilen gelangt, als der Ölkonzern nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Eiltempo seine Beteiligung am russischen Ölkonzern Rosneft zurückgegeben hatte und sich von seinem Russland-Geschäft verabschiedete.

 

Wie schwer das noch werden könnte mit der alttagstauglichen E-Mobilität, darauf verwies Michael Wurmser, einer der Gründer des norwegischen Bergbauunternehmens Norge Mining, das zuletzt für Aufsehen durch Funde vieler für E-Autos essenzieller Rohstoffe in Norwegen gesorgt hatte. „Eine grüne Wende kann nicht stattfinden, ohne den Strom speichern zu können“, sagte er. Und ohne Rohstoffe könne man keine Batterien herstellen. Er habe manchmal das Gefühl, dass viele Leute gute Gedanken hätten und man die grüne Wende wolle, aber nicht überlegt werde, woher all die dafür notwendigen Rohstoffe eigentlich kommen sollten. Und vor allem: „Wie sichere ich mir diese Rohstoffe?“ Am Ende säßen die Unternehmen womöglich da, bauten zigtausende Autos und würden dann plötzlich damit konfrontiert, dass sie keine Rohstoffe für die Batterien hätten. Er richtete gar einen Appell an die Autobauer: „Ihr müsst vertikaler denken. Ihr müsst euch mit Unternehmen verbinden, die die Rohstoffe haben.“ Und das im besten Fall direkt vor Ort. „Wir müssen Onshoring betreiben, Rohstoffe suchen, die in der Nähe der Produktionsstätte sind, die diese benötigt.“

 

Olivier Reppert, CEO von Share Now, gab in der E-Mobilitätsfrage darüber hinaus zu bedenken, dass es auch um eine effiziente Nutzung von Mobilität gehe. Auch dies sei wichtig für eine nachhaltige grüne Wende. Die Sorge sei schon, sagte er, dass das E-Auto als Allerheilmittel angesehen werde und alle nur noch nach dem Motto „Hauptsache Elektro“ wirtschaften. „In Zukunft ist nicht Frage, ob ich mit dem Auto von A nach B fahre, sondern in welcher Kombination.“ Er selbst sei mit dem Zug nach München gefahren, und dann via Carsharing mit dem Auto an den Tegernsee.

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