Freitag, 11.03.2016
Mit dem Iran-Handel können deutsche Mittelständler viel Geld verdienen. Derzeit werden die Finanzierungsmöglichkeiten vor Ort abgesteckt.

Bildquelle: ppart/Thinkstock/Getty Images

Mit dem Iran-Handel können deutsche Mittelständler viel Geld verdienen. Derzeit werden die Finanzierungsmöglichkeiten vor Ort abgesteckt.

Zukunftsmärkte
Banken in Verhandlung

Die Finanzierungshürden im Iran-Handel fallen

Durch den Anschluss des Iran ans Swift-System konkretisieren sich Geschäftschancen für den deutschen Mittelstand im neuen alten Markt. Der stockende Aufbau von Bankbeziehungen jedoch behindert die Finanzierung, und das Umfeld im Iran-Handel bleibt schwierig.

Der Iran ist derzeit fleißig damit beschäftigt, die Finanzierungsgrundlage für die Wiederaufnahme der internationalen Handelsgeschäfte zu legen. Seit dem 1. März ist das Target-II-Clearing im Iran wieder möglich, am 17. Februar wurden die iranischen Banken an das Swift-System angeschlossen, seit dem Implementation Day am 16. Januar können Akkreditive erteilt werden– zumindest theoretisch.

Die Europäisch-Iranische Handelsbank habe schon Akkreditive erhalten, berichtet Ali Ashraf Afkhami, Vorstandschef der iranischen Bank für Industrie und Bergbau. Die staatlichen Exportkreditversicherungen Italiens (SACE) und Frankreichs (Coface) hätten zudem eine Einigung über neue Exportdeckungen erzielt, die eine Ratenzahlung von Altschulden vorsehe.

Iran-Handel: Euler Hermes verhandelt um Finanzierung

Mit dem deutschen Exportkreditversicherer Euler Hermes laufen dagegen die Verhandlungen noch. Es gehe um ein höheres Forderungsvolumen als mit Italien und Frankreich, erklärt Ingo Schwutke, Leiter des Iran-Teams von Euler Hermes, daher würden die Gespräche länger dauern. Über 500 Millionen Euro habe der iranische Staat gegenüber Deutschland garantiert.

Im Jahr 2004 – vor dem Aussetzen der Geschäftsbeziehungen aufgrund politischer Sanktionen gegen den Iran – lag das Deckungsvolumen bei rund 2 Milliarden Euro, erzählt Schwutke. Nach Klärung der ausstehenden Fragen erwartet er jetzt wieder ein ähnliches Volumen zwischen Deutschland und dem Iran. Der Bedarf für Finanzierungen ist hoch, wie die Praxis zeigt. Schon jetzt bearbeitet das Iran-Team von Euler-Hermes Anträge auf Ausfuhrdeckungen.

Bankbeziehungen in den Iran weiter ausbauen

Wenn das Deckungsvolumen steht, wird der nächste Schritt sein, konkrete Zahlungswege und Beziehungen deutscher Institute zu Korrespondenzbanken im Iran wiederherzustellen. Nur so können deutsche Firmen ihre Lieferungen an iranische Kunden abrechnen.

Bankseitig ist die Überzeugung jedoch gering. Bislang seien nur Sparkassen und Landesbanken bereit, normale Bankbeziehungen mit dem Iran einzugehen, berichtet Mansour Tafazoli, CEO der iranischen Parsian Bank. Auch der CEO der Privatbank Saman Bank, Seyed Ahmad Taheri, beklagt die mangelnde Kooperationsbereitschaft deutscher Banken.

Seine Bank habe hohe Summen in die Erfüllung von internationalen Standards wie die Verhinderung von Geldwäsche (AML-Compliance) investiert, berichtet er. Auch andere private Banken sollten sich auf die Wiederaufnahme der Geschäftsbeziehungen so vorbereiten.

US-Sanktionen behindern Fortschritt bei Finanzierung

Trotz der Fortschritte bei der Finanzierung von Iran-Geschäften bleiben viele Beschränkungen in Kraft. Unter anderem drohen aus den USA weiterhin Sanktionen. Die Bestimmungen der zuständigen US-Behörde OFAC würden gerade präzisiert, berichtet Herbert Zerwas, Partner des Wirtschaftsprüferkonzerns Pricewaterhouse Coopers, und der Handlungsspielraum im Iran abgesteckt.

Geschäftsbanken mit Verbindung zu den USA halten sich daher im Iran noch zurück. Auch Sparkassen ohne Niederlassung in den USA müssen weiterhin jedes Geschäft auf sanktionsrelevante Aspekte prüfen, um auf der sicheren Seite zu sein, warnt Michael Kostuj, Leiter Vertrieb Außenhandelsfinanzierung der Helaba.

Auf den Gebrauch des US-Dollar sollte man bei Iran-Geschäften gänzlich verzichten, rät der iranische Banker Afkhami. Üblich sei die Fakturierung in Euro.