Donnerstag, 03.10.2013
Türkei, Istanbul, Brücke

Thinkstock / Getty Images

Die Wirtschaft in der Türkei ist im Aufwind. Eine Expansion in das Land zahlt sich für Mittelständler aus.

Zukunftsmärkte
Türkei: Beschaffungsmarkt, Binnenmarkt und Drehscheibe für den Export

Die Türkei-Perspektive für den Mittelstand

Die Türkei hat sich im Dreieck Europa, Asien, Afrika zu einem zentralen Player für Unternehmen im Kampf um neue Märkte und neue Kunden entwickelt – auch für den deutschen Mittelstand. Doch die Entwicklung der Wirtschaft in der Türkei ist noch lange nicht abgeschlossen. Deutsche Technik spielt dabei eine große Rolle.

Mittelständler, die Pläne zur Expansion verfolgen, kommen immer schwerer an der Türkei vorbei. Das Land am Bosporus ist für Mittelständler attraktiv, stellt es doch mit seinen 75 Millionen Einwohnern nicht nur einen großen Binnenmarkt für expandierende Mittelständler dar, sondern ist auch in Sachen Einkauf und Beschaffung ein wichtiger Markt – auch wenn der Zugang im Einzelfall alles andere als einfach ist. Trotzdem wird die Türkei auch schon mal gerne als „das China Europas“ bezeichnet. Erst im Frühjahr haben die Ratingagenturen Standard & Poors sowie Fitch das Rating der Türkei wieder verbessert.

Export der Türkei soll auf 500 Mrd. Dollar steigen

Neben dem großen Binnenmarkt ist es vor allem aber die geopolitische Lage der Türkei, die einen besonderen Vorteil für Unternehmen mit Plänen zur Expansion bietet. In die ehemaligen Sowjetrepubliken, den Nahen und Mittleren Osten sowie nach Nordafrika bestehen enge Beziehungen. „Es ist der Türkei gut gelungen, sich in den vergangenen Jahren in alle Richtungen zu öffnen. Das hat den Handel beflügelt“, erklärt Ergün Kis, Partner und Länderspezialist Türkei bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG. Profitieren von dieser Lage kann etwa die Automobilproduktion und damit auch die Zulieferindustrie. Hier hat die Regierung klar Farbe bekannt: Die Produktion von Fahrzeugen soll bis 2023 von einer Million auf vier Millionen Einheiten anwachsen.

2023 feiert die Republik Türkei ihren 100. Geburtstag. Bis zum großen Jubiläum in 10 Jahren hat die Regierung rund um Premier Recep Tayyip Erdogan ein klares Ziel ausgesprochen: Der Export, der trotz Konjunkturabkühlung in den Schwellenländern in der Türkei zuletzt stark war, soll bis zum Jubiläumsjahr 2023 ein Volumen von 500 Milliarden Dollar erreichen und damit – gemessen an den aktuellen Werten – Länder wie Großbritannien oder Kanada hinter sich lassen. Zum Vergleich: 2012 beliefen sich die Gesamtausfuhren aus der Türkei gerade einmal auf 152 Milliarden Dollar.

Viele Projekte für den deutschen Mittelstand

Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, ist die Regierung bestrebt, mehr ausländische Unternehmen ins Land zu holen. Die Türkei kämpft mit einem chronischen Leistungsbilanzdefizit, der Import in das Land ist höher als der Export. In eigens geschaffenen Investitionszonen und Freihandelszonen finden Mittelständler fertige Infrastruktur sowie Vergünstigungen beim Zoll vor. Bis 2025 möchte die Türkei zudem vom Energie-Import unabhängig werden. Neben der Automobilbranche haben daher Unternehmen aus dem Energiesektor in den kommenden Jahren im Land besonders gute Chancen für neue Aufträge. „Auch in die Infrastruktur wird viel investiert: Flughäfen, Brücken, Abfall- und Abwassersysteme“, erklärt Necip C. Bagoglu, Türkei-Referent bei Germany Trade and Invest. Firmen aus Deutschland stehen bei diesen Projekten besonders hoch im Kurs. „Deutsche Technik ist gefragt“, sagt Bagoglu. In zahlreichen öffentlich-privaten Partnerschaften können sich deutsche Mittelständler an Projekten beteiligen. Projekte wie der dritte Flughafen sowie eine dritte Bosporusbrücke in Istanbul, Tunnelbauten für den Straßen- und Schienenverkehr, Autobahnen und Wohnungen sind in Arbeit oder in der Planung. So soll auch der Anteil ausländischer Direktinvestitionen im Land steigen, die sich zwar mit 12,5 Milliarden Dollar im Jahr 2012 in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt haben, aber relativ gesehen immer noch sehr gering sind. Die ausländischen Direktinvestitionen in Indien sind doppelt so hoch.

Dauer einer UnternehmensgründungQuelle: Doing Business Index 2013 der WeltbankKosten für den Export aus dem LandQuelle: Doing Business Index 2013 der WeltbankKosten für den Export in das LandQuelle: Doing Business Index 2013 der WeltbankKosten für Registrierung von Grund und BodenQuelle: Doing Business Index 2013 der WeltbankAnzahl der erforderlichen Schritte zum Erhalt von BaugenehmigungenQuelle: Doing Business Index 2013 der Weltbank