Donnerstag, 12.07.2018
Blick aufs Detail: Die Angaben auf den Exportdokumenten sollten Mittelständler penibel prüfen und mit den Akkreditiv-Vereinbarungen vergleichen.

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Blick aufs Detail: Die Angaben auf den Exportdokumenten sollten Mittelständler penibel prüfen und mit den Akkreditiv-Vereinbarungen vergleichen.

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Exportfinanzierung

Die zehn häufigsten Unstimmigkeiten in Akkreditivdokumenten

Akkreditive garantieren deutschen Mittelständlern, die Rechnungssumme für ins Ausland gelieferte Ware pünktlich zu erhalten. Bei Ausarbeitung der Vertragsunterlagen ist Achtsamkeit geboten. Denn schon kleine Unstimmigkeiten können dazu führen, dass das Akkreditiv platzt.

Eins der am häufigsten genutzten Instrumente der Exportfinanzierung ist das Akkreditiv. Dabei sichert – grob gesagt – die Bank des Importeurs der Bank des Exporteurs zu, die angegebene Rechnungssumme zu zahlen, auch wenn ihr Kunde die Zahlung nicht leistet. Für den deutschen Mittelständler ist das eine wichtige Sicherheit. 

Doch die Verwendung dieses Kreditversprechens in der Praxis ist nicht ganz einfach. Denn alle Akkreditivbedingungen müssen präzise erfüllt sein – ein einziger Fehler in den Dokumenten bringt die Zahlungssicherheit in Gefahr. Im Folgenden sind die häufigsten Unstimmigkeiten in Akkreditivdokumenten anhand von Beispielen aufgeführt.

1. Akkreditiv abgelaufen oder Dokumente zu spät eingereicht

Wenn das Akkreditiv keine abweichende Regelung zur Vorlagefrist der Dokumente trifft, gilt: 21 Tage nach Lieferdatum. Das Transportdokument weist als Liefertermin den 01.07.2018 aus. Die Dokumente werden erst am 30.07.2018 bei der Bank eingereicht.

2. Spätesten Liefertermin nicht eingehalten

Der späteste Liefertermin laut Akkreditiv ist der 05.08.2018. Das Transportdokument weist aus, dass die Lieferung erst am 09.08.2018 erfolgt ist.

3. Fehlerhafte Warenbeschreibung

Die Warenbeschreibung im Akkreditiv lautet „5.000 Gläser Erdbeermarmelade und 5.000 Gläser Brombeermarmelade“. Die Rechnung wird über „10.000 Gläser Fruchtmarmelade“ ausgestellt.

4. Lieferbedingung falsch oder nicht ausgewiesen

Im Akkreditiv ist als Lieferbedingung in der Warenbeschreibung „CIF Shanghai Incoterms 2010“ gefordert. Die Rechnung weist „CFR Shanghai Incoterms 2010“ aus und enthält keinen Hinweis auf eine abgeschlossene Versicherung.

5. Fehlende Dokumente

Von der Rechnung werden zwei Originale und zwei Kopien gefordert. Es werden stattdessen ein Original und drei Kopien eingereicht.

6. Widersprüchliche Angaben in unterschiedlichen Dokumenten

Die Rechnung ist für „5.000 Gläser Erdbeermarmelade und 5.000 Gläser Brombeermarmelade“ ausgestellt. Die Packliste weist dagegen „4.000 Gläser Erdbeermarmelade und 6.000 Gläser Brombeermarmelade“ aus.

7. Falsche Schreibweise der Namen der Beteiligten

Der Auftraggeber im Akkreditiv ist die „Fine Produktion Ltd.“. Die Rechnung ist an „Fine Prod. Ltd“ gerichtet (Abkürzung nicht erlaubt, Punkt nach „Ltd.“ fehlt). Im Transportdokument ist als Empfänger „Fine Production“ („Ltd.“ fehlt ganz) ausgewiesen.

8. Unzureichende Versicherung

Im Akkreditiv ist eine Versicherung für alle Risiken über 110% des Lieferwerts gefordert. Der Akkreditivbetrag beträgt 1 Million Euro. Das eingereichte Versicherungszertifikat für die gesamte Lieferung weist nur eine Deckungssumme von 1 Million US-Dollar (also 100%) und einen Mindestversicherungsschutz gegen einige ausdrücklich genannte Schadensereignisse aus.

9. Versicherung nach Liefertermin

Das Lieferdatum gemäß Transportdokument ist der 09.08.2018. Die eingereichte Versicherungspolice ist am 12.08.2018 ausgestellt. Es ist nicht ersichtlich, dass die Versicherung bereits mit Lieferung wirksam war.

10. Rechnung enthält im Akkreditiv nicht aufgeführte Positionen

Die Warenbeschreibung im Akkreditiv lautet „5.000 Gläser Erdbeermarmelade und 5.000 Gläser Brombeermarmelade“. In der Rechnung sind folgende Positionen aufgelistet: „5.000 Gläser Erdbeermarmelade, 5.000 Gläser Brombeermarmelade, 10 Gläser Zitronenaufstrich (Gratismuster)“.

Zwar erhält der Exporteur in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle die Zahlung auch bei Unstimmigkeiten in den Dokumenten. Dennoch kommt es auch immer wieder zur Ablehnung von Dokumenten unter einem Akkreditiv. Die häufigsten Ursachen für unstimmige Dokumente zu kennen und diese vermeiden zu können, ist daher unerlässlich. 

Autor

Arnas Bräutigam hat sieben Jahre im Auslandsgeschäft der Landesbank Berlin gearbeitet, ist mittlerweile aber im Startup-Team der Berliner Sparkasse tätig. Er betreibt die Webseite Trafima, auf der er Informationen über Akkreditive und Exportabsicherungen veröffentlicht.