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Zukunftsmärkte > Wirtschaft & Technologie

Don’t ignore the US of A

| Andreas Engelen | Lesezeit: 2 Min.

KI, Energiepreise und Wachstum: Die USA ziehen wirtschaftlich davon. Vier Gründe zeigen, warum Deutschland jetzt genauer hinschauen sollte.

2 Koffer: USA (groß) - Deutschland (klein)
Der Abstand zu den Vereinigten Staaten wächst rasant – mit potenziell dramatischen Folgen für die deutsche Wirtschaft. (Foto: ki/MuM)

von Andreas Engelen für Markt und Mittelstand

Aktuell fällt es wegen der Berichterstattung über die USA vielen (zu) leicht, die gesamte Wirtschaft dort abzutun und diese nicht mehr als Vorbild für irgendetwas zu sehen. Aber ist das klug? Jeder, der tatsächlich mit US-Unternehmen zu tun hat, kennt vielleicht dieses Gefühl: Wow, die reden ja wirklich über Wachstum, über Gelegenheiten, über etwas Großes und gar nicht so sehr über Politik, wie wir es schnell tun, wenn wir „USA“ nur hören.

Und dann die Meldungen vor Weihnachten: Im dritten Quartal entwickelte sich die US-Wirtschaft überraschend stark und wuchs deutlich schneller als viele Experten vorhergesagt hatten (4,3 Prozent im Vergleich zu praktisch Stagnation in Deutschland). Treiber waren vor allem robuste Konsumausgaben sowie stabile Investitionen, was die Widerstandsfähigkeit der amerikanischen Konjunktur unterstrich. Woran liegt das und was können wir daraus lernen? 

  • Erstens: Ein zentraler Grund für die Stärke der US-Wirtschaft ist der anhaltend hohe private Konsum, der in den Vereinigten Staaten traditionell einen sehr großen Anteil der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage ausmacht. Die Beschäftigung ist hoch, die Arbeitslosigkeit vergleichsweise niedrig, und viele Arbeitnehmer konnten in den vergangenen Jahren deutliche Lohnsteigerungen erzielen. 
  • Zweitens: Die US-Wirtschaft ist außergewöhnlich anpassungsfähig, schon seit Jahrzehnten. Unternehmen reagieren schnell auf veränderte Rahmenbedingungen, ändern Geschäftsmodelle und nutzen neue Technologien zügig. Flexible Arbeitsmärkte, gut entwickelte Kapitalmärkte und eine ausgeprägte Gründungs- und Innovationskultur erleichtern diese Anpassung. 
  • Drittens: Die zentralen Unternehmen der KI-Revolution kommen aus den Vereinigten Staaten (wie Nvidia, Microsoft, Google, OpenAI). Diese US-Firmen setzen technologische Standards, ziehen internationale Talente an und bestimmen maßgeblich, wie schnell und in welchen Bereichen künstliche Intelligenz eingesetzt wird. Gleichzeitig verschaffen sie der US-Wirtschaft einen erheblichen Wettbewerbs- und Produktivitätsvorteil, was auch erklärt, warum die USA aktuell wirtschaftlich so dynamisch sind. 
  • Viertens: Die USA verfügen dank der Schieferöl- und Schiefergasförderung über ein sehr großes heimisches Energieangebot. Dadurch liegen Gas- und Strompreise für Industrie und Unternehmen deutlich unter denen vieler anderer Industrieländer, besonders unter denen Europas. Das senkt Produktionskosten, erhöht Margen und macht Investitionen attraktiver. Energieintensive Branchen – etwa Chemie, Stahl, Halbleiter, Rechenzentren und KI-Infrastruktur – profitieren besonders. Große Rechenzentren benötigen enorme Mengen an Strom; vergleichsweise günstige Energie erleichtert deren Betrieb und damit auch die Standortwahl in den Vereinigten Staaten. Das stärkt wiederum Technologieführerschaft und Produktivitätsgewinne. 

An dieser Stelle möchte ich nicht die aktuelle Situation in Deutschland schwarzmalen. Aber bereits ein einfaches Durchgehen dieser vier Punkte zeigt, woran es hierzulande hakt. Wir täten gut daran, die Unternehmen und ihre Wettbewerbsfähigkeit auf Weltmärkten wieder in den Vordergrund der relevanten politischen Entscheidungen zu rücken.

Sonst wird der Abstand zu den Vereinigten Staaten sehr schnell noch viel größer – mit dramatischen Folgen. 

 

Der Autor

Die Forschung schafft Wissen, die Praxis nutzt es – wenn dazwischen nur nicht immer so viel Interessantes verloren ginge. Unser Kolumnist Professor Andreas Engelen setzt sich für den gezielten Wissenstransfer von den Hochschulen in die Unternehmen zu betriebswirtschaftlichen Themen ein. Der Inhaber des Lehrstuhls für Management an der Heinrich HeineUniversität in Düsseldorf forscht mit seinem Team erfolgreich über Fragen des strategischen Managements, der Innovation und des digitalen Managements. Aktuell schlägt er in Projekten mit mehr als 20 Unternehmen die Brücke zwischen Theorie und Praxis – für seine Studierenden wie für Firmen.

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