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Chinas schrumpfender Automarkt: Exporte, Preiskrieg und Druck auf globale Hersteller

| The Economist | Lesezeit: 3 Min.

Der Absatz in China sinkt, Exporte steigen: Wie Überkapazitäten, EV-Subventionen und Preisdruck die globale Autoindustrie verändern.

Chinesische E-Autos Foto: Shutterstock
Elektrofahrzeuge dominieren Chinas Straßen – doch sinkende Inlandsverkäufe zwingen Hersteller verstärkt in ausländische Märkte und verschärfen dort den Wettbewerb. Foto: Shutterstock

19.02.2026 The Economist

Als Donald Trump 2018 erstmals das globale Handelssystem bedrohte, legte der weltweit größte Automarkt plötzlich den Rückwärtsgang ein. Nach jahrzehntelang ununterbrochenem Wachstum begannen die Autoverkäufe in China zu sinken, während die Wirtschaft ins Stottern geriet. Ausländische Hersteller, die damals rund drei Fünftel des Marktes kontrollierten, wurden hart getroffen. Nun erwarten Prognostiker erneut einen Rückgang des chinesischen Automarkts. Diesmal könnten vor allem heimische Hersteller die Hauptlast tragen, die dank ihrer Stärke bei Elektrofahrzeugen (EVs) inzwischen den Markt dominieren. Doch auch ausländische Autobauer werden nicht verschont bleiben, da chinesische Konkurrenten ihre Expansion ins Ausland beschleunigen.

Pessimistische Absatzprognosen

Das Ausmaß der aktuellen Trendwende in China ist noch ungewiss, doch die Warnsignale sind unübersehbar. Nachdem der Markt 2021 wieder gewachsen war, erreichten die jährlichen Autoverkäufe im vergangenen Jahr laut dem staatlich unterstützten Branchenverband China Passenger Car Association (CPCA) 23,8 Millionen Fahrzeuge – rund vier Prozent mehr als 2024. Im Schlussquartal jedoch gingen die Verkäufe im Vergleich zum Vorjahr jeden Monat zurück. Die stets optimistische CPCA rechnet für dieses Jahr mit stagnierenden Verkäufen, andere Beobachter sind deutlich pessimistischer. Die Investmentbank Bernstein prognostiziert einen Rückgang von fünf bis neun Prozent.

Weitere Anzeichen deuten auf Schwierigkeiten hin. Im vergangenen Monat hat der ebenfalls staatlich unterstützte Branchenverband China Association of Automobile Manufacturers offenbar die Veröffentlichung seiner wöchentlichen Verkaufszahlen verschoben – ein klares Zeichen wachsender Nervosität angesichts schwächerer Daten. Zudem könnten nach Jahren starken Wachstums selbst die Verkäufe von Elektroautos in diesem Jahr zurückgehen, meint das Forschungsinstitut Gavekal.

Der Abschwung hat mehrere Ursachen. Eine davon ist laut Gavekal, dass die Käufe von Elektrofahrzeugen durch Unternehmen und staatliche Stellen an Dynamik verloren haben, nachdem Ende 2024 ein staatlicher Zuschuss für die Verschrottung älterer Fahrzeuge einen Nachfrageschub ausgelöst hatte. Dieser zog viele Käufe vor. Die Reduzierung der Subventionen in diesem Jahr dürfte die Nachfrage ebenso belasten wie die Einführung einer neuen Kaufsteuer von fünf bis zehn Prozent auf Elektrofahrzeuge. Hinzu kommen strengere Vorschriften, die verhindern sollen, dass Händler Neuwagen auf sich selbst zulassen, um Verkaufszahlen aufzubessern, und diese anschließend als „Null-Kilometer“-Gebrauchtwagen exportieren.

Mit dem Schrumpfen des chinesischen Automarkts dürfte sich auch der seit Jahren andauernde Preiskrieg verschärfen, der durch Überkapazitäten angeheizt wird. Das erklärt den jüngsten Versuch der Regierung, Preisnachlässe einzudämmen. Am 12. Februar veröffentlichte die chinesische Wettbewerbsbehörde Vorschriften, die den Verkauf von Autos unterhalb der Herstellungskosten verbieten. Unklar ist, wie strikt diese Regeln durchgesetzt werden. Informelle Bemühungen, den Preiskampf zu bremsen, sind in der Vergangenheit gescheitert. Führungskräfte ausländischer Hersteller, deren gemeinsamer Marktanteil seit 2018 um die Hälfte gesunken ist, hoffen dennoch auf Erfolg. Mit den chinesischen Wettbewerbern können sie preislich nicht mithalten.

Chinesische Exporte erhöhten Druck auf andere Autohersteller

Für Autobauer außerhalb Chinas verheißt die Abkühlung des heimischen Marktes wenig Gutes. Ein schwächerer Binnenmarkt dürfte laut Tu Le von der Beratung Sino Auto Insights zu noch höheren Fahrzeugexporten führen. Diese sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen, da chinesische Hersteller im Ausland profitablere Märkte suchen. Bernstein erwartet für 2026 ein weiteres Exportwachstum von zehn bis 15 Prozent auf insgesamt 6,5 bis 7 Millionen Fahrzeuge – gegenüber rund 750.000 im Jahr 2018. Das wird den Druck auf etablierte Hersteller in anderen Regionen weiter erhöhen, von denen einige zuletzt hohe Abschreibungen auf Investitionen in Elektrofahrzeuge verkraften mussten, die ihnen helfen sollten, mit chinesischen Konkurrenten Schritt zu halten.

Wie lange Chinas Automarkt in der Flaute verharren wird, bleibt unklar. Sicher ist jedoch: Die erneute Trendwende erinnert die globale Autoindustrie einmal mehr daran, dass die Entwicklungen in China die Richtung für die gesamte Branche vorgeben.

Chinesische Exporte erhöhten Druck auf andere Autohersteller

Für Autobauer außerhalb Chinas verheißt die Abkühlung des heimischen Marktes wenig Gutes. Ein schwächerer Binnenmarkt dürfte laut Tu Le von der Beratung Sino Auto Insights zu noch höheren Fahrzeugexporten führen. Diese sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen, da chinesische Hersteller im Ausland profitablere Märkte suchen. Bernstein erwartet für 2026 ein weiteres Exportwachstum von zehn bis 15 Prozent auf insgesamt 6,5 bis 7 Millionen Fahrzeuge – gegenüber rund 750.000 im Jahr 2018. Das wird den Druck auf etablierte Hersteller in anderen Regionen weiter erhöhen, von denen einige zuletzt hohe Abschreibungen auf Investitionen in Elektrofahrzeuge verkraften mussten, die ihnen helfen sollten, mit chinesischen Konkurrenten Schritt zu halten.

Wie lange Chinas Automarkt in der Flaute verharren wird, bleibt unklar. Sicher ist jedoch: Die erneute Trendwende erinnert die globale Autoindustrie einmal mehr daran, dass die Entwicklungen in China die Richtung für die gesamte Branche vorgeben.

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Aus The Economist, übersetzt von The Economist, veröffentlicht unter Lizenz. Der Originalartikel in englischer Sprache ist zu finden unter www.economist.com

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