Montag, 08.07.2013
Zukunftsmärkte
Freihandel

Einheit vor Vielfalt beim Export

Heute beginnen die offiziellen Verhandlungen über das Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA. Für den Im- und Export von Waren würden sich auf beiden Seiten des Atlantiks für Mittelständler erhebliche Verbesserungen einstellen.

Mitte Juni beschlossen die EU und die USA, Verhandlungen für ein Freihandelsabkommen, die Transatlantic Trade and Investment Partnership (TTIP), aufzunehmen. Dieses Abkommen soll Handelsbarrieren beim Export größtmöglich beseitigen. Eine Studie des Center for Economic Policy Research in London sieht vor allem Europa mit einem wirtschaftlichen Zugewinn von 119 Milliarden Euro jährlich als Hauptprofiteur. Die USA würden mit bis zu 95 Milliarden im Jahr vom Freihandel profitieren. Eine zweite Studie von Ifo-Institut und Bertelsmann-Stiftung sieht zwar die Vorteile eher auf Seiten der USA (Anstieg des Pro-Kopf-Einkommens um 13,4 Prozent), bescheinigt aber auch den EU-Staaten zusätzliches Wachstum. Für Deutschland wäre dieses Wachstum 4,7 Prozent, das sich einstellt, wenn Export-Hemmnisse beseitigt werden. Was das geplante Freihandelsabkommen für den deutschen Mittelstand und insbesondere für Export-orientierte Unternehmen bedeutet, erklärt Ulrich Schoof, Referent für internationale Wirtschaft der Bertelsmann Stiftung.

Gleiche Standards beim Export

Markt und Mittelstand: Wie profitiert der deutsche Mittelstand vom TTIP?
Ulrich Schoof: Das Freihandelsabkommen würde den Handel zwischen Europa und den USA vereinfachen, indem es Zölle aufhebt und Handelskosten senkt. Mittelständler müssten nicht mehr nach verschiedenen Standards produzieren. Stecker, Kabel oder Etikettierung könnten auf allen Gütern, ob für den Export in die USA oder den Verkauf im Inland bestimmt, gleich sein. Auch Prüfverfahren, Zertifizierungen oder Abnahmestandards im Ausland würden vereinheitlicht oder abgeschafft werden. Dadurch würde die Ausfuhr für die Unternehmen günstiger. Besonders die Elektrotechnik- und die Medizintechnikbranche würden profitieren.

MuM: Wie würde sich das Abkommen konkret auf den Handel auswirken?
Schoof: Unseren Berechnungen zufolge würden sich die Im- und Exporte in die USA durch das Abkommen verdoppeln. Für Deutschland rechnen wir dadurch mit einem zusätzlichen Wirtschaftswachstum von 4,7 Prozent und 181.000 neuen Arbeitsplätzen, die meisten davon im Mittelstand.

Freihandel: Negative Auswirkungen auf BRIC

MuM: Hätte dieses Abkommen auch Auswirkungen auf den Handel deutscher Unternehmen mit Schwellenländern?
Schoof: Der Handel mit Ländern wie China, Russland oder Brasilien würde um bis zu 13 Prozent zurückgehen.

MuM: Birgt das nicht eine gewisse Gefahr für die Standorte deutscher Mittelständler etwa in Mexiko, die von dort aus den US- und lateinamerikanischen Markt beliefern?
Schoof: Diese Länder würden in der Tat an Attraktivität verlieren, weil deutsche Unternehmen dann kostengünstiger direkt in die USA exportieren könnten. Deshalb gehen wir davon aus, dass diese Länder mit eigenen Freihandelsabkommen nachziehen oder versuchen werden, sich am TTIP zu beteiligen.

MuM: Wann ist mit konkreten Ergebnissen zu rechnen?
Schoof: Wir gehen davon aus, dass die Verhandlungen drei bis fünf Jahre dauern werden. Mit spürbaren Maßnahmen wird wohl erst in zehn Jahren zu rechnen sein.

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