Freitag, 10.07.2015

Deutsche Messe

Ausländische Messebesucher freuen sich über Greifbares.

Zukunftsmärkte
Keine Zollgebühren für Ausstellungswaren

Einmal Auslandsmesse und zurück

Maschinenmodelle und Warenmuster veranschaulichen das Angebot deutscher Mittelständler auf Auslandsmessen. Mit dem Carnet ATA erreichen sie zollfrei das Bestimmungsland.

Auslandsmessen sind der erste Schritt in einen neuen Markt. Hier knüpfen deutsche Mittelständler Kontakte zu potentiellen Zulieferern, zu möglichen Kooperationspartnern und zu interessierten Kunden.
Um das eigene Angebot auf den Messen greifbar zu machen, stellen Firmen an ihrem Stand häufig eigene Produkte aus. Werkzeugmaschinen, Automobilzubehör und Turbinenmodelle transportieren sie in die fernen Ausstellungsländer. Ihr Vorteil dabei: Für die Einfuhr der Ausstellungswaren ist dank des Carnet-ATA-Verfahrens fallen keine Gebühren an.

Beim Carnet ATA handelt es sich um ein Zollpassierscheinheft, mit dem die Behörden sowohl Ausfuhr als auch Wiedereinfuhr in einen der 74 Vertragsstaaten nahezu formlos – und daher auch gebührenfrei – abwickeln. Mit der Serien- oder Gerätenummer registriert eine Firma darin ihre Waren für die Carnet-Ausfuhr.

Die Auflistung von Erkennungsmerkmalen, die Anbringung eines Siegels oder eine fotografische Dokumentation hilft dem Zoll bei der Zuordnung der Waren – der sogenannten Nämlichkeitskontrolle. Auch auf dem Rückweg kontrollieren die Zollbeamten, ob die gelieferte Ware tatsächlich der vorübergehend ausgeführten entspricht. Beides vermerken sie auf den entsprechenden Scheinen im Carnet-Heft. Dass Aus- und Wiedereinfuhr über die gleiche Zollstelle geschehen, ist nicht notwendig.

Zeit für Transport nach Übersee

Die Verantwortung dafür, dass die Ausstellungsgüter fristgerecht wieder zurück nach Deutschland gelangen, liegt bei der versendenden Firma. Da ein Carnet ATA üblicherweise für die Dauer eines Jahres ausgestellt wird, bietet es genügend Zeit für den Transport auch nach Übersee.

Elementar für das Verfahren ist, dass die Waren unverändert wieder in Deutschland eintreffen. Wenn eine Maschine also auf dem Transportweg herunterfällt oder ein Messegast ein Warenmuster beschädigt, könnte das die Nämlichkeitskontrolle auf dem Rückweg behindern. Unvorhergesehene Reparaturen oder technische Anpassungen sollten Unternehmer daher unbedingt vorher mit dem Zollamt absprechen, um nicht auf einmal in Zollschuld zu stehen.

Beachten müssen Exportverantwortliche auch, dass das Carnet ATA wirklich nur für diejenigen Waren gilt, die nach der Messe wieder ins Heimatland der Firma zurückkehren. Vor Ort verteilte Giveaways wie mit dem Firmenlogo bedruckte Kugelschreiber oder Prospekte und Flyer müssen ganz normal durch den Zoll gehen.

Info

  • Frist von einem Jahr
  • Ware muss unverändert wieder ankommen
  • gilt nicht für Giveaways

Handelskammern stellen Papiere aus

Rechtliche Grundlage für das Carnet ATA ist eine internationale Kette von bürgenden Institutionen und Verbänden. Diese haften selbstschuldnerisch gegenüber der Zollverwaltung dafür, dass eventuell fällige Einfuhrabgaben gezahlt werden. In Deutschland übernimmt diese Funktion der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). In seinem Namen stellen die zuständigen Industrie- und Handelskammern die Carnet-Papiere aus.

Nutzen können deutsche Firmen das Carnet-ATA-Verfahren für vorübergehende Importe in 74 Vertragsstaaten, beispielsweise nach China, Indien, Südafrika und die Türkei. Die EU-Staaten gelten als ein Gebiet, da unter ihnen ohnehin Zollfreiheit herrscht. Brasilien nimmt an der Vereinbarung nicht teil. Firmen, die Warenmuster zu einer Handelsmesse in São Paulo  schicken möchten, müssen die Einfuhrabgaben in voller Höhe bar beim Zoll hinterlegen.

Info

Ablauf des Carnet ATA im Einzelnen:

  • Durch Ausfüllen des Feldes "Bescheinigung der Zollbehörden" auf dem Umschlagblatt eröffnet die Zollstelle das Carnet.
  • Die vorübergehende Ausfuhr meldet der Exporteur mit dem Ausfuhrblatt an.
  • Die Zollstelle sichert die Nämlichkeit der Waren und dokumentiert sie auf Umschlag, Ausfuhrblatt und Wiedereinfuhrblatt.
  • Beim Grenzübertritt bestätigt die Ausgangszollstelle die Ausfuhr der Waren auf dem Ausfuhrblatt.
  • Nach Ende der Messe füllt der Anmelder das Wiedereinfuhrblatt aus.
  • Die wiedereinführende Zollstelle gleicht mit einer Nämlichkeitsbeschau die Identität der Waren mit denen auf dem Ausfuhrblatt ab.
  • Nach Abschluss des Verfahrens muss eine Firma das Carnet ATA an die ausstellende IHK zurückgeben.

Quelle: www.zoll.de