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Entwicklung deutscher Exporte in 2025 nach Ländern – Europa rettet den Tag

| Markt und Mittelstand / red. | Lesezeit: 2 Min.

46 Wirtschaftsverbände bewerten 2026 vorsichtig positiv. Die Rezession ist vorbei, ein echter Aufschwung bleibt jedoch aus.

Hafen Hamburg
Containerumschlag im Hamburger Hafen: Während Exporte in die USA und nach China schrumpfen, stabilisiert Europa Deutschlands Außenhandel. (Foto: shutterstock)

 

Deutschlands Exportwirtschaft erlebt 2025 ein Jahr der geopolitischen Zumutungen. Zwei der wichtigsten Absatzmärkte brechen spürbar weg: Die Ausfuhren in die USA und nach China sind im laufenden Jahr kräftig gesunken. Und doch bleibt unter dem Strich ein kleines Plus. Wie das geht? Europa übernimmt – leise, unspektakulär, aber wirksam.

Der Dämpfer aus Übersee

In den ersten drei Quartalen 2025 sanken die deutschen Exporte in die USA nominal um fast acht Prozent, nach China sogar um mehr als zwölf Prozent. Besonders schwer wiegt der Rückgang in den USA, immerhin Deutschlands größtem Exportmarkt. Ursache ist vor allem die aggressive Zollpolitik der Trump-Administration, die den transatlantischen Warenverkehr ausbremst. China hingegen ist ein struktureller Problemfall: eigene technologische Aufholjagd, massive staatliche Subventionen, ein gegenüber dem Euro unterbewerteter Yuan – all das drückt deutsche Anbieter zunehmend aus dem Markt. Das Ergebnis: China ist 2025 nur noch sechstwichtigster deutscher Exportpartner und fällt hinter Italien zurück

Rechnen wir nach: fast minus, aber nicht ganz

Zusammengenommen ziehen die USA und China die Wachstumsrate der deutschen Gesamtausfuhren um mehr als 1,5 Prozentpunkte nach unten. Allein die USA stehen für -0,81, China für -0,74 Prozentpunkte. Rein rechnerisch müsste das Exportjahr also ins Minus kippen. Tut es aber nicht. Denn die gesamten deutschen Ausfuhren legten nominal dennoch um 0,25 Prozent zu. Der Grund liegt direkt vor der Haustür.

Europa als Export-Stabilisator

Rund 70 Prozent aller deutschen Exporte gehen nach Europa – und genau dort liegt der Rettungsanker. Die Exporte in die EU-27 wuchsen 2025 im Schnitt um 2,8 Prozent und steuerten 1,53 Prozentpunkte zum Gesamtwachstum bei. Rechnet man Länder wie die Schweiz, Norwegen und das Vereinigte Königreich hinzu, kommt Europa insgesamt sogar auf fast 2 Prozentpunkte Wachstumsbeitrag.Mit anderen Worten: Europa kompensiert nahezu vollständig die Einbrüche aus Nordamerika und Asien/Pazifik

Die leisen Gewinner

Besonders auffällig: Nicht die großen Schwergewichte, sondern solide Mittelmächte tragen den Aufschwung. Polen, die Schweiz und Spanien steuern jeweils rund 0,3 Prozentpunkte zum Exportwachstum bei. Zusammengenommen gleichen sie die Verluste aus den USA oder aus China mehr als aus. Auch jenseits der klassischen Kernmärkte gibt es Lichtblicke:

  • Afrika und der Nahe und Mittlere Osten liefern jeweils positive Wachstumsbeiträge von rund 0,15 Prozentpunkten, bei Zuwachsraten von über acht Prozent.

  • Lateinamerika (ohne Mexiko) wächst moderat, während Mexiko selbst zu den größeren Bremsklötzen zählt.

Ein weiterer Stabilisator sind die deutschen Dienstleistungsexporte. Sie wachsen deutlich kräftiger als der Warenhandel und gleichen einen Teil der Verluste aus. In der gesamtwirtschaftlichen Betrachtung (VGR) steigen die nominalen Exporte von Waren und Dienstleistungen um knapp 0,7 Prozent. Doch real, also preisbereinigt, zeigt sich das wahre Bild: Die realen Gesamtexporte gehen 2025 leicht um 0,7 Prozent zurück. Das dämpft das Wirtschaftswachstum – wenn auch weniger stark, als es der Warenexport allein getan hätte

Fazit 

Deutschlands Exportmodell hält – noch. Aber es wird fragiler. Europa stabilisiert, Dienstleistungen puffern, doch die strukturellen Probleme bleiben: geopolitische Spannungen, Wettbewerbsverzerrungen aus China, Protektionismus aus den USA. Die Botschaft dieses Jahres ist klar: Ohne Europa sähe die deutsche Exportbilanz düster aus. Mit Europa bleibt sie gerade so über Wasser.

Was diese Zahlen politisch bedeuten

 

  • Handelskonflikte sind wieder Standortpolitik. Zölle wirken nicht abstrakt, sondern direkt in die Exportstatistik.
  • China wird zum Dauerproblem – nicht nur zum Zyklusproblem. Autarkie, technologische Aufholjagd, Subventionen, Wechselkurs: Das ist ein Mix, der sich nicht “auswartet”.
  • Europa ist Stabilität – aber auch Abhängigkeit. Wenn 70 Prozent der Ausfuhren in Europa hängen, wird der EU-Binnenmarkt zur wirtschaftspolitischen Schlüsselinfrastruktur.
  • Dienstleistungen sind die leise Chance. Aber ohne Abbau von Handelshemmnissen bleibt das Potenzial politisch ungenutzt.

Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Außenhandelsstatistik und Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen, 2025

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