Donnerstag, 02.08.2012
Zukunftsmärkte
Mittel- und Osteuropa

Eurokrise erfasst Osteuropa

Direktinvestoren erwarten einen deutlichen Konjunkturrückgang in Osteuropa. Die Unternehmen befürchten eine Beeinträchtigung der Region durch die Eurokrise.

Unternehmen mit Direktinvestitionen in Mittel- und Osteuropa gehen davon aus, dass der Konjukturrückgang in der Eurozone bald auch die Länder von Albanien bis Weißrussland erfasst. Die Geschäftserwartungen für die Region gehen entsprechend deutlich nach unten. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Umfrage der Österreichischen Kontrollbank unter rund 400 Unternehmen. Während sich die aktuelle Geschäftslage noch relativ robust zeigt, fiel der Indexwert für die Erwartungen im Vergleich zum Vorquartal von 87,2 auf 82,9 Punkte (2007=100).

Investitionen in ausgesuchten Ländern

Trotz der negativen Konjunkturerwartung sind die Direktinvestoren mit der Performance ihrer Beteiligungen in der Region nach wie vor zufrieden. Auch expandiert wird weiterhin, allerdings nur vorsichtig und regional sehr unterschiedlich. Insbesondere in Russland und Polen wollen die Firmen bestehende Niederlassungen ausbauen. Polen ist gleichzeitig der wichtigste Standort für Neuinvestitionsprojekte: 16 Prozent der 45 für Mittel- und Osteuropa insgesamt gemeldeten Projekte sollen dort realisiert werden.  Dahinter folgen Serbien mit einem Anteil von 13 Prozent und Kroatien mit 9 Prozent.

Russland und Polen günstigste Standorte

Ausschlaggebend für die Bewertung der Länder sind derzeit insbesondere das Ausmaß der wirtschaftlichen Verflechtung mit der EU, die Marktgröße sowie die Stärke des Inlandskonsums. Demnach ist Russland - gefolgt von Polen - im Juli das Land mit dem günstigsten Geschäftsklima und den besten Wirtschaftsaussichten, während sich etwa das Euroland Slowenien hinsichtlich Konjunktur und Geschäftsklima jeweils im unteren Drittel der Länder-Rankings einordnet. Das einzige Land mit einem gegenüber dem Vorquartal verbesserten Geschäftsausblick ist die Ukraine. Gegen ein Engagement spricht allerdings die negative Konjunkturerwartung: in keinem anderen Land sank der Konjunkturindex im Juli stärker.
Auch die Ökonomen der österreichischen Großbank Erste Group prognostizieren eine sich abschwächende Exportdynamik. Damit trifft die Sparsamkeit der Euro-Regierungen die Region jetzt auch und sorgt für einen Rückgang der Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen.

Quelle: Österreichische Kontrollbank, Handelsblatt, Markt und Mittelstand