Freitag, 31.05.2013
Zukunftsmärkte
Neue Märkte: Türkei

Expansion in die Türkei – was Mittelständler wissen müssen

Die Türkei hat innerhalb von zehn Jahren ihr Wirtschaftswachstum verdreifacht. Das Land bietet dem Mittelstand spezielle Investitionszonen und ist gleichzeitig das Tor zum Nahen und Mittleren Osten.

Deutschland ist der wichtigste Handelspartner der Türkei. Mittlerweile gibt es über 5.200 deutsche Unternehmen in dem Land am Bosporus, viele davon sind Mittelständler. Die deutschen Exporte in die Türkei lagen im Jahr 2012 bei etwa 20 Milliarden Euro. Zu den Branchen mit dem stärksten Wachstum zählen der KFZ-Sektor, Computerelektronik, Elektrogeräte und Maschinenbau jeweils mit einem Wachstum jenseits der 20 Prozent-Marke. Ein großes Potential eröffnet sich Unternehmen auch im Kraftwerks- und Energiesektor. Bei der Energieversorgung möchte das Land seine Import-Abhängigkeit verringern. Bis zum Jahr 2023 soll der Anteil regenerativer Energien an der Erzeugung der Elektrizität auf mindestens 30 Prozent steigen.

Auch wenn sich die Türkei wirtschaftlich stark nach Europa orientiert, liegt doch geographisch der größere Teil des Landes in Asien. Diese Brücke nach Asien sollten Mittelständler für eine Expansion nutzen. Von der Türkei aus können Mittelständler ihren Export etwa in den Mittleren oder Nahen Osten betreiben. Die Wirtschaft ist im Jahr 2012 mit nur 2,2 Prozent zwar insgesamt weniger stark gewachsen als in den Jahren zuvor, doch sind die Rahmenbedingungen für eine Expansion in die Türkei für Unternehmen attraktiv. Das Land stellt ausländischen Investoren drei spezielle Investitionszonen zur Verfügung, von denen auch der deutsche Mittelstand profitiert.

Expansion in die Türkei: Spezielle Investitionszonen

Die türkische Regierung setzt in verschiedenen Investitionszonen Anreize, um ausländische Unternehmen ins Land zu holen. So werden in eigenen Technoparks Forschung und Entwicklung und Investitionen in hochspezialisierte Technologie und in die Softwareentwicklung gefördert. 27 dieser Zonen sind bereits über das gesamte Land verteilt in Betrieb, 12 weitere befinden sich aktuell in Bau. Gewinne aus der Entwicklungstätigkeit sind von der Steuer befreit. Mittelständler können in diesen Zonen kostengünstig ein eigenes Forschungszentrum mit eigenem Team einrichten.

Organisierte Industriezonen (OIZ) bieten Unternehmen eine fertige Infrastruktur mit Wasser- und Stromversorgung sowie Kommunikationsnetzen für ihr Geschäft. Diese Zonen sind mit 148 an der Zahl besonders dicht im Land verteilt. Beim Grundstückserwerb fällt keine Mehrwertsteuer an, auch von der Grundsteuer sind Mittelständler für fünf Jahre befreit. Wollen Unternehmen erworbene Grundstücke teilen oder zusammenlegen, ist das ohne Gebühren möglich. Für die Sozialversicherung der Mitarbeiter sparen die Unternehmen die Arbeitgeberbeiträge. Die OIZ sind vor allem für kleinere Mittelständler hilfreich, die bei einer Expansion nicht sofort umfangreich investieren möchten oder können.

Standortvorteil bei Asien-Export

Unternehmen, die einen Schritt weiter gehen möchten, eröffnen einen Standort in einer der 20 Freihandelszonen des Landes. Egal ob nur ein Lager für den Export nach Asien oder ein eigener Produktionsstandort – Mittelständler genießen in diesen Zonen etliche Steuervorteile. „Die türkischen Freihandelszonen bieten insbesondere im Export tätigen Unternehmen zahlreiche Vorteile“, sagt Suat Bakır, Geschäftsführer der Türkischen-Deutschen Industrie und Handelskammer.

Die Standorte der Freihandelszonen in der Türkei.

Die Standorte der Freihandelszonen in der Türkei.

Durch die Zollunion der Türkei mit der EU fallen beim Warenimport keine Zölle an. Die Einfuhrumsatzsteuer für Lieferungen aus der EU wird zwar fällig, doch können Mittelständler einen Zinsvorteil ausnutzen: „Die Einfuhrumsatzsteuer muss erst bezahlt werden, wenn das Produkt das Lager wieder verlässt“, erklärt Andreas Spamer-Schmidt, Sales Director bei Becker Antriebe. Für Importe aus Drittländern fallen überhaupt keine Abgaben an, wenn anschließend wieder ein Export in diese Länder stattfindet. Mittelständler können so Waren aus Asien beziehen, zollfrei in einer türkischen Freihandelszone zwischenlagern, weiterverarbeiten und danach damit wieder Export betreiben. Der produzierende Mittelstand in einer der Freihandelszonen sparen sogar die Einkommenssteuer und die Körperschaftssteuer auf Produkte, die sie in der Zone herstellen. Doch nicht nur die Unternehmen sparen Steuern in diesen Zonen. Werden nämlich mindestens 85 Prozent des Werts der in der Zone erzeugten Waren später für den Export bereitgemacht, fällt für die Mitarbeiter in diesen Zonen keine Einkommenssteuer an. Auch Mitarbeiter in den Technoparks sparen die Einkommenssteuer. Mittelständler haben so einen größeren Spielraum bei Gehaltsverhandlungen.

Info

Expansion in die Türkei – wer hilft weiter?


ISPAT
Investment Support and Promotion Agency
Tel. +90 212 468 69 00
http://www.invest.gov.tr


TD-IHK
Türkisch-deutsche Industrie- und Handelskammer
Tel. 030 233 299 50
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