Montag, 29.04.2013
Zukunftsmärkte
Neue Märkte: Indonesien

Expansion nach Indonesien – was Mittelständler wissen müssen

300 deutsche Unternehmen sind bereits in Indonesien vertreten. Auch Mittelständler wagen zunehmend den Schritt in den Inselstaat. Was Sie bei der Expansion nach Indonesien wissen müssen.

Die Makro-Daten sind beeindruckend: Indonesien hat 240 Millionen Einwohner, die Wirtschaft wächst dank höherer Konsumausgaben einer wachsenden Mittelschicht jährlich um etwa 6 Prozent. Der Durchschnittslohn liegt zwar immer noch bei nur 200 Euro im Monat, Gewerkschaften gewinnen aber immer mehr an Bedeutung und setzen Mindestlöhne durch. Bis 2020 soll das verfügbare Haushaltseinkommen um 40 Prozent zunehmen. Doch es gibt auch Schwierigkeiten: „Indonesien könnte noch mehr wachsen, allerdings ist die Infrastruktur in einem desolaten Zustand. Dadurch ergeben sich sehr hohe Transport- und Logistikosten“, erzählt Rudi Borgenheimer, President Director bei Ferrostaal Indonesia. Der Masterplan der Regierung sieht vor, bis 2025 knapp 200 Milliarden US-Dollar in die Infrastruktur zu investieren. Hier ergeben sich für deutsche Mittelständler Geschäftschancen für eine Expansion.

Expansion nach Indonesien: Wachstumsbranchen

Während der Export des Landes eine untergeordnete Rolle spielt, ist Indonesien beim Import auf das Ausland angewiesen. Besonders stark nachgefragt werden Vorerzeugnisse, Halbwaren und Maschinen. Aufgrund der massiven Investitionen der indonesischen Industrie ist auch der Import von Herstellerausrüstungen angestiegen. 2012 stieg der Wert von Automobil- und Maschineneinfuhren um rund 18 Prozent auf 60 Milliarden Dollar. Insgesamt sind die Importe 2012 um 8 Prozent zum Vorjahr auf rund 192 Milliarden Dollar gestiegen. Der Import-Zoll für fertige Maschinen ist mit 40 Prozent hoch. Er wird geringer, wenn nur einzelne Teile importiert werden und Mittelständler dafür vor Ort fertigen. Dann reduziert er sich auf 10 Prozent. Für ASEAN-Länder liegt der Import-Zoll lediglich zwischen 0 und 5 Prozent. Weitere Wachstumsbranchen sind Elektrotechnik, Umwelttechnik, Medizintechnik und Energiewirtschaft.

Expansion nach Indonesien: Marktbeschränkung

Ein Export-orientierter Mittelständler in Indonesien kommt an der nationalen Investitionsbehörde BKPM nicht vorbei. Eine Negativliste für Investitionen beschränkt dabei die Pläne zur Expansion ausländischer Unternehmen. Die Rüstungs- und die Flugsicherungsindustrie etwa sind für Investoren aus dem Ausland komplett geschlossen, in anderen Bereichen wie Tourismus oder Energie muss ein Mittelständler zwingend einen indonesischen Partner beteiligen. Die Höhe der Zwangsbeteiligung beginnt bei 5 Prozent. „Der typische deutsche Mittelständler ist von diesen Beschränkungen aber weniger betroffen“, erklärt Volker Bromund, Geschäftsführer von Prime Consultancy in Jakarta. Im Maschinen- oder Anlagenbau gibt es keine Zwangsbeteiligungen. Die Investitionsbehörde erteilt auch Lizenzen für den Import von Gütern aus dem Ausland. Wer eine Expansion nach Indonesien plant und dafür auch Export betreibt, muss für jede Warengruppe einzeln eine Import-Lizenz beantragen. Erschwerend ist, dass eine einmal erteilte Import-Lizenz zwar bestehen bleibt, aber in den verschiedenen Provinzen oft unterschiedlich ausgelegt werden kann. Das führt im schlimmsten Fall dazu, dass Lizenzen aus einer Region in einer anderen keine Gültigkeit haben.

Expansion nach Indonesien: Niederlassung gründen

Mittelständler, die sich in Indonesien niederlassen möchten, können im ersten Schritt nach Genehmigung durch die Investitionsbehörde ein Repräsentationsbüro im Land eröffnen. Güter kaufen oder verkaufen können Mittelständler damit allerdings nicht. Dafür müssen sie eine indonesische PT gründen. Diese entspricht in etwa der deutschen GmbH und braucht immer zwei Eigentümer. Beide können allerdings zu 100 Prozent aus dem Ausland sein. Neben dem deutschen Mittelständler sitzt der zweite Eigentümer dabei oft in Singapur oder Hongkong. „Benefits in Form von Steuererleichterungen bei der Gründung gibt es allerdings keine“, erzählt Unternehmer Martin Kopf von Zinkpower. Trotzdem will er auch in den nächsten Jahren die Expansion in Indonesien vorantreiben. „Uns gefällt es dort. Wir werden in den nächsten Jahren 10 Millionen Euro an zwei Standorten investieren“, ergänzt er. Bis eine Gesellschaft gegründet ist, dauert es bis zu sechs Monate, die Gesamtkosten einer Unternehmensgründung beziffern Unternehmer mit 30.000 Euro. Die Mindesteinlage einer PT ist abhängig vom Investitionsprojekt und beläuft sich bei einer Handelsgesellschaft auf etwa 300.000 US-Dollar. Wer in seiner Niederlassung auch produziert, muss mit bis zu 800.000 US-Dollar rechnen.

Expansion nach Indonesien: Das sagen Unternehmer

Helmar Laddach, Prokurist Conexa"Die Kosten für die Lizenzen sind hoch. Bevor uns eine Import-Lizenz erteilt wurde, wollte sich die Investitionsbehörde alle unsere Produktionsstätten ansehen."Rudi Borgenheimer, President Director Ferrostaal Indonesia"Ausländische Investoren benötigen eine Vielzahl an Lizenzen, die oft halbjährlich erneuert werden müssen."Martin Kopf, Managing Director Zinkpower"Ein Joint Venture würde ich heute nicht mehr machen. Besser man hält als ausländischer Investor 100 Prozent."