Dienstag, 07.05.2013
Zukunftsmärkte
Neue Märkte: Mexiko

Expansion nach Mexiko – was Mittelständler wissen müssen

Mexiko ist drauf und dran, dem Platzhirsch in Lateinamerika, Brasilien, den Rang abzulaufen. Hier erfahren Sie, was Mexiko attraktiv macht und was bei einer Expansion nach Mexiko zu beachten ist.

Die Wirtschaft Mexikos wächst konstant um etwa 4 Prozent jährlich. Knapp 1.500 deutsche Konzerne und Unternehmen aus dem Mittelstand sind bereits in Mexiko ansässig, betreiben Im- und Export und investieren dabei insgesamt etwa 25 Milliarden US-Dollar vor Ort. Motor der Wirtschaft ist vor allem die Automobilindustrie, die sich in zwei Clustern im Land angesiedelt hat – eines im Norden und eines in der Mitte des Landes, in Bundesstaaten, in denen keine Kfz-Steuer anfällt. Gerade hier hat Mexiko von der Finanzkrise profitiert. Seit den Jahren 2008/2009 achten die US-Automobilkonzerne besonders auf die Kostenstrukturen, weshalb viele Herstelle Produktionskapazitäten nach Mexiko verlagert haben. Mit VW ist bereits ein deutscher Hersteller am Markt etabliert, aktuell baut Audi gerade ein Werk in San José Chiapa, wo ab 2016 Autos vom Band rollen werden. Besonders für Automobilzulieferer aus dem Mittelstand ist Mexiko daher fast ein Muss für eine Expansion. Nur wer vor Ort ist, kann von den beiden Kfz-Clustern profitieren. Durch die langjährigen Erfahrungen in der Kfz-Industrie haben sich günstige Logistikketten für den Im- und Export etabliert. Neben der Automobilindustrie bieten sich Chancen zur Expansion auch in der Bergbauindustrie, der Pharma- und Medizintechniksparte, der Elektroindustrie sowie dem Transportsektor. Hinzu kommt, dass die mexikanische Regierung massiv in den Transport- und Infrastrukturprojekte investiert. Ein neuer Flughafen in Mexiko City, der Ausbau der Häfen sowie unterschiedliche Eisenbahnprojekte sind geplant. Auch hier haben deutsche Mittelständler gut Karten mitzumischen.

Deutsch-indonesisches Handelsvolumen

Vorteil Freihandel bei Im- und Export

36 Prozent vom Gesamt-Export aus Lateinamerika entfällt auf Mexiko. Damit liegt Mexiko klar vor Brasilien mit 23 Prozent. Die Export-Quote des Landes selbst beträgt 70 Prozent. Alleine zwei Drittel vom Gesamt-Export Mexikos geht in die USA. Die Abhängigkeit von den USA ist für Mexiko jedoch gleichzeitig auch die größte Gefahr. Schwächelt die US-Wirtschaft, führt dies zu einer verminderten Nachfrage aus Mexiko. Mexiko möchte sich seit einigen Jahren daher verstärkt von dieser Abhängigkeit lösen. Insgesamt hat Mexiko bereits 12 Freihandelsabkommen mit 49 Ländern, darunter seit 2000 auch ein Freihandelsabkommen mit der EU. Mit den USA ist Mexiko über das NAFTA-Abkommen verbunden. Mit Chile, Peru und Kolumbien gründete Mexiko zuletzt zudem noch die „Pazifik-Allianz“ – ein Freihandelsabkommen, das 90 Prozent der Zölle zwischen diesen Ländern beseitigen möchte. Davon profitieren auch deutsche Mittelständler, die eine Expansion nach Mexiko planen und von dort aus Im- und Export betreiben möchten. Der Standort Mexiko ermöglicht zollfreien Export in die wichtigen etablierten Märkte USA und EU. Aus den Ländern der Pazifik-Allianz kann zudem Import mit Rohstoffen betrieben werden, die dann in Mexiko weiterverarbeitet werden.

Hinzu kommt, dass sich Mexiko auch in Richtung der ASEAN-Region ausrichtet. Durch die Mitgliedschaft in der Trans-Pacific Partnership (TPP) bietet sich deutschen Unternehmen mit Plänen zur Expansion nach Mexiko auch der Zugang zu den Wachstumsmärkten Asiens. Dies kann natürlich ein entscheidender Faktor sein, dass ein Unternehmen seine Fertigungsstrategie ausweitet und eine Expansion nach Mexiko betreibt. Mexiko kann so zur Drehscheibe ihrer Geschäftsaktivitäten werden. „In Mexiko herrscht eine starke Verflechtung der Unternehmen“, erzählt Alexander Schmidbauer, Referent beim Lateinamerika Verein.

Die Offenheit und Orientierung hin zum Freihandel ist auch der große Unterschied Mexikos zum BRIC-Staat Brasilien. Brasilien ist zwar das größte Land in Lateinamerika, hat aber nicht einmal halb so viele Freihandelsverträge. Aufgrund der hohen Kosten in Brasilien (Lohn-, Kapital- und Infrastruktur) und seiner protektionistischen Ausrichtung kämpft das Land mit einem gebremsten Wirtschaftswachstum. Mittelständler sollten das bei einer Expansion nach Lateinamerika berücksichtigen.

Expansion nach Mexiko: Löhne und Fachkräfte

Während etwa in China die Löhne seit Jahren um etwa 20 Prozent pro Jahr ansteigen, weist Mexiko lediglich ein moderates Wachstum der Löhne auf. Sie stiegen zuletzt nur um etwa 4 bis 5 Prozent – ein Kriterium, welches bei einer Auslands-Expansion eine wichtige Rolle spielt. Mexiko wird deswegen auch bereits als „Neues China“ bezeichnet. Im Süden des Landes sind die Löhne niedriger als im Landesdurchschnitt, der Norden und das Zentrum des Landes liegen über dem Durchschnitt. Das Arbeitsrecht sieht jedoch auch zusätzliche Vergütung, wie ein Urlaubsgeld von mindestens 25 Prozent, vor. Bei Führungskräften sind 50 Prozent üblich. Hinzu kommt, dass alle Mitarbeiter am Erfolg des Unternehmens teilhaben: „Arbeitnehmer in Mexiko sind zu 10 Prozent am Gewinn zu beteiligen“, erzählt Frank Hummel, Managing Director von Sowitec.

Gehalt in Mexiko in ausgewählten Positionen

Gehalt in Mexiko in ausgewählten Positionen

Arbeitskräfte mit niedrigem Ausbildungsniveau sind in Mexiko leicht zu finden. 60 Prozent dieser Arbeitskräfte arbeiten allerdings in einem informellen Arbeitsverhältnis, das heißt ohne Vertrag und ohne Sozialversicherung. Diese hohe Schattenwirtschaft hat Auswirkungen auf die Arbeitsproduktivität und damit auch auf das Wirtschaftswachstum insgesamt. Schwierigkeiten gibt es im Rahmen der Expansion bei der Suche nach Fachkräften mit technischem Fachwissen und Fremdsprachenkenntnissen. Fachkräfte nach deutschem Vorbild sind selten, der Ausbildung fehlt oft der Praxisbezug. „Wir wollen deshalb das duale System nach deutschem Vorbild bei der Ausbildung erweitern“, erläutert Francisco N. González Nicolás, der mexikanische Botschafter in Deutschland. Bei den wenigen Fachkräften, die es gibt, ist die Fluktuation hoch. Fachkräfte können aufgrund fehlender Kündigungsfristen in Mexiko relativ schnell das Unternehmen wechseln. Auch deshalb müssen Unternehmen mit Mexiko-Expansion für Fachkräfte mit technischer Ausbildung überdurchschnittliche Löhne kalkulieren, auch im Süden von Mexiko, wo die Löhne sonst unterdurchschnittlich sind.

Info

Expansion nach Mexiko – hier gibt es weitere Informationen

German Centre Mexiko
Landesbank Baden-Württemberg
Tel. 0711/1 27 – 7 42 97
germancentre@lbbw.de
www.germancentre.com.mx


Lateinamerika Verein
Alexander Schmidbauer
Tel. 040/41 34 31 46
a.schmidbauer@lateinamerikaverein.de
www.lateinamerikaverein.de

CAMEXA
Deutsch-Mexikanische Industrie- und Handelskammer
Tel. +52 55 1500 5900
info@deinternational.com.mx
www.mexiko.ahk.de