Dienstag, 22.09.2015

Bildquelle: Exop GmbH

Wo es für deutsche Expats am gefährlichsten ist, zeigt jedes Quartal die Karte der Risikomanagementfirma Exop.

Zukunftsmärkte
Entsendung in Krisengebiete

Expats für Risiken sensibilisieren

In einigen Gegenden der Welt wird die Mitarbeiterentsendung zum Gefahrenfall. Wie Sie Ihre Expats erfolgreich schützen können.

Turbinen nach Südindien, Bremsbeläge nach Mexiko – der deutsche Mittelstand liefert an Kunden weltweit. Nicht alles sind sichere Gegenden für den mitgeschickten Monteur oder die Kollegen im Vertriebsbüro vor Ort. Deutsche Firmen sollten die Auslandsversicherung ihrer Mitarbeiter daher ernst nehmen.

Der erste Schritt sollte sein, Mitarbeiter für mögliche Gefahren vor Ort zu sensibilisieren, sagt Karsten Bechle von der Risikomanagementfirma Exop. Seine Kollegen bringen jedes Quartal eine Übersichtskarte heraus, in der sie die Länder der Welt auf einem Farbenspektrum gemäß ihres Risikos für deutsche Geschäftsreisende bewerten.

Expat zu Landeskunde schulen

Auf Grundlage dieser Informationen schult sein Unternehmen außerdem designierte Expats. Bechle und seine Kollegen erklären Entsandten genau, wie sie sich auf ihr ausländisches Umfeld vorbereiten müssen. „Wir geben einen Überblick über die Kriminalität im Land, erklären politische Konflikte, mögliche Unruheherde und deren kulturelle Hintergründe“, berichtet Bechle.

„Denn es ist wichtig, dass ein Expat weiß, wie er sich verhalten soll, wenn ihn beispielsweise ein korrupter Polizist anhält und ihm Verkehrsvergehen unterstellt, um Bestechungsgeld zu kassieren.“

Die Organisation und Finanzierung dieser Schulung liegen im Verantwortungsbereich der entsendenden Firma. Denn sie hat eine Informationspflicht. Das bedeutet, dass der Arbeitgeber einen Expat sowohl vor dem Aufenthalt als auch währenddessen über Gefahren aufklären muss. Und zwar durch jemand Externen. „Der eigene Personaler darf aus Compliance-Gründen keine Rechts- oder Gesundheitsberatung machen, das gilt vor allem für den Auslandseinsatz“, erklärt Claus-Helge Groß, Firmenkundenberater beim Auslandsversicherer BDAE.

Zwar sind die Grenzen fließend, welche Fragen des Expats eine Firma selbst beantworten darf und welche nicht. Groß empfiehlt Kunden aber immer externe Hilfe, etwa durch spezialisierte Anwälte.

Informationspflicht auch während Auslandsaufenthalt

Auch während der Expat im Ausland ist, gilt die Informationspflicht. Denn wenn es relevante Warnungen gibt, muss die entsendende Firma dafür sorgen, dass der Expat von ihnen erfährt. „Je gefährlicher der Arbeitsort, desto stärker ist der Arbeitgeber in der Pflicht“, findet Bechle.

Da Mittelständler selten selbst Kapazitäten hierfür haben, können sie sogenannte Assistance-Services bei darauf spezialisierten Firmen buchen. Auch Exop bietet Kunden die Nutzung seiner 24-Stunden-Hotline an. Sie informiert deutsche Staatsbürger im Ausland über aktuelle Gefahren. „Dafür beobachten wir rund um die Uhr das weltweite Geschehen und stehen ständig im Kontakt mit lokalen Netzwerken“, berichtet Bechle.

Groß rät, die unterschiedlichen Anbieter für Assistance-Services im Markt genau miteinander zu vergleichen. „Es gibt Unterschiede dahingehend, woher die Daten stammen, ob Informationen des Auswärtigen Amtes oder Einrichtungen wie dem Robert-Koch-Institut ausgewertet werden, und wie häufig die Datenbank aktualisiert wird.“

Wenn der Versicherungsfall eintritt, ist die Hotline der erste Ansprechpartner für den Mitarbeiter. Sie leitet die Situation dann möglicherweise ans Unternehmen oder die Versicherung weiter. Auch das ist unter Compliance-Gesichtspunkten wichtig.