Donnerstag, 03.10.2013
Deutsche Exporte leiden unter schwachen Schwellenländern.

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Deutsche Exporte leiden unter schwachen Schwellenländern.

Zukunftsmärkte
Schwacher Welthandel belastet Export

Exportwachstum bleibt hinter Erwartungen

Die deutschen Exporte wachsen weniger schnell als erwartet. Vor allem das Wachstum in den Schwellenländern fiel zuletzt schwächer aus als erhofft und hinterließ Spuren in den Bilanzen der deutschen Exportunternehmen.

Das Exportwachstum der deutschen Industrie fällt im laufenden Jahr geringer aus als erhofft. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) erwartet für 2013 nur noch ein Exportwachstum von 1,5 bis zwei Prozent, dafür ist allerdings ein starkes zweites Halbjahr notwendig. Im ersten Halbjahr lagen die deutschen Exporte hingegen sogar um 0,6 Prozent unter dem Vorjahresniveau. „Angesichts des schwachen ersten Halbjahrs werden die Exporte in diesem Jahr unter den Erwartungen bleiben“, erklärte BDI-Hauptgeschäftsführer Markus Kerber bei der Vorstellung des neuen BDI-Außenwirtschafts-Reports.

Wie vorläufige Daten zeigen, nahm der Welthandel im ersten Halbjahr 2013 zwar zu, während das Wachstum im ersten Quartal allerdings noch 0,8 Prozent betragen hatte, waren es im zweiten Quartal nur noch 0,3 Prozent. Die Ausfuhren der Schwellenländer gingen im zweiten Quartal sogar um 0,7 Prozent zurück. Auch wichtige Indikatoren wie der stagnierende RWI/ISL-Containerumschlags-Index machen wenig Hoffnung. Als Folge dieser Zahlen hatte der IWF im Juli seine Jahresprognose für das Wachstum des Welthandels um 0,5 Prozentpunkte auf 3,1 Prozent nach unten korrigiert. Die Welthandelsorganisation senkte ihre Prognose im September sogar auf 2,5 Prozent.

Die Schwellenländer schwächeln

Besonders negativ wirkte sich zuletzt allerdings das enttäuschende Wachstum der Schwellenländer auf die deutschen Exporte aus. BDI-Hauptgeschäftsführer Kerber verweist diesbezüglich auf deren großen Nachholbedarf bei strukturellen Reformen. Der auslaufende Rohstoffboom mache sich deshalb gerade in den Schwellenländern immer noch deutlich bemerkbar. Auch Boomstaaten wie Indien, Russland, China und Brasilien mussten ihre Wachstumsprognosen zuletzt teilweise deutlich reduzieren. Gerade deutsche Mittelständler, die ihr Geschäft auf diese Märkte fokussiert haben, dürften deshalb von der aktuellen Schwächephase des deutschen Exportwachstums betroffen sein.

Ursprünglich hatten die Experten des BDI ein stabileres Wachstum in den Schwellenländern erwartet, doch zuletzt hatten sich nahezu alle Indikatoren für diese Märkte verschlechtert, darunter auch die Prognosen der OECD. Ein Grund für die zunehmende Verunsicherung könnte die Sorge vor einer rigideren Geldpolitik in den USA sein. Obwohl die Fed genau wie die EZB zuletzt ihren bisherigen Kurs bestätigt hatten, bleibt diese Nervosität bestehen. Die Vernetzung der internationalen Finanzmärkte erfasst zunehmend auch die Schwellenländer, was sich mit den bestehenden Strukturproblemen vor Ort zu einem deutlich volatileren Umfeld addiert als bisher oft angenommen.

Wachstum kein Selbstläufer

Für die kommenden Monate rechnen die Experten des BDI mit einem erneuten Wachstum in den Schwellenländern, der Weg dorthin dürfte allerdings holpriger sein als zuletzt oft angenommen. Unternehmen, die sich auf diesen Märkten engagieren müssten demnach ihre Erwartungshaltungen demnach künftig etwas konservativer formulieren. Trotzdem rechnet der BDI weiter mit Wachstum in den Schwellenländern und somit auch mit weiter wachsenden Exportchancen für deutsche Mittelständler.

Auch BDI-Chef Kerber verweist auf die positiven Signale: „Die deutsche Industrie rechnet noch in diesem Jahr mit einer allmählichen Erholung. In den wesentlichen Exportbranchen stehen die Zeichen auf Wachstum.“ Vor allem die Ausfuhren der deutschen Automobilindustrie hätten sich zuletzt positiv entwickelt, gerade in den Kernmärkten Westeuropa und USA. Auch die Mehrzahl der Elektrounternehmen rechnet demnach für die nächsten drei Monate mit guten Exportzahlen und die Chemieindustrie erwartet ebenfalls eine insgesamt positive Entwicklung im laufenden Jahr.

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