Montag, 08.04.2013
Deutsche Unternehmen in China brauchen gut ausgebildete Fachkräfte.

Quelle: KfW-Bildarchiv / photothek.net

Deutsche Unternehmen in China brauchen gut ausgebildete Fachkräfte.

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Fachkräfte in China selbst ausbilden

Deutsche Unternehmen in China kämpfen mit der schlechten Ausbildung der Arbeitskräfte. Was liegt also näher, als die Ausbildung in China selbst in die Hand zu nehmen.

Deutsche Unternehmen in China gehen oft mit deutschem Standard im Hinterkopf auf Personalsuche – und werden schnell enttäuscht. Die Produktion vor Ort ist kleinteilig und in viele kleine Arbeitsschritte zerlegt, so sind keine hochqualifizierten Fachkräfte notwendig. Deutsche Unternehmen in China wollen aber nach deutschem Standard produzieren. Es ist schwierig für sie, Fachkräfte zu finden, die diesen Standard erfüllen.

Dieses Problem hatte auch Dunkermotoren, ein Hersteller von Präzisionsantrieben aus dem Schwarzwald. Das Unternehmen ist mit eigener Produktionsstätte in Taicang – nahe Shanghai – vertreten. Dort hat sich ein Cluster aus etwa 130 Mittelständlern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gebildet Das Unternehmen gründete daher gemeinsam mit anderen Mittelständlern einen Industrieverband, den so genannten Taicang Roundtable. Dieser Verband treibt die Ausbildung von Fachkräften nach deutschem Vorbild für deutsche Unternehmen in China voran.

Ausbildung in China: Duales Modell

Dunkermotoren in Taicang

Thilo Köppe, Managing Director von Dunkermotoren in Taicang

Seit 2007 gibt es in Taicang ein duales Ausbildungsmodell des technischen Chien-Shiung-Insitituts und der deutschen AHK für deutsche Unternehmen in China. Thilo Köppe, Managing Director von Dunkermotoren in Taicang erzählt im Gespräch mit Markt und Mittelstand über Hintergrund und Ziele dieses Ausbildungsprogramms.

Markt und Mittelstand: Welcher Umstand hat dieses Programm notwendig gemacht?
Thilo Köppe: Den typischen Facharbeiter wie in Deutschland gibt es in China nicht. Das erklärte Ausbildungsziel ist die Universität, dahinter steckt auch der Ehrgeiz der Eltern. An der Universität wird aber oft nur theoretisches Wissen ohne Projekt- und Praxisbezug vermittelt. Darüber hinaus ist das Material für den Unterricht oftmals veraltet. Hochschulabsolventen möchten nach ein bis zwei Jahren Bürotätigkeit in das mittlere Management aufsteigen. Deutsche Unternehmen in China benötigen gut ausgebildete Fachkräfte für die Produktion von Werkzeugen. Als Reaktion darauf haben wir gemeinsam mit der AHK in Shanghai und dem Taicang Chien Shiung Institut für Technologie ein Ausbildungszentrum gegründet.

MuM: Wie läuft die Ausbildung genau ab?
Köppe: Die Fachkräfte-Ausbildung erfolgt nach dem dualen Modell, das heißt, Theorie und Praxis wechseln sich ab. Drei bis vier Monate im Jahr sind die Fachkräfte im Unternehmen tätig. Der Lehrgang dauert 2-3 Jahre und danach erhalten die Fachkräfte den IHK-Facharbeiterbrief.

Ausbildung in China: Kein Hochschul-Zertifikat

MuM: Ein Bachelor-Studium in Europa dauert drei Jahre. Liegt man mit solch einem Programm nicht schon wieder sehr nahe an der Hochschulausbildung?
Köppe: Für uns ist wichtig, dass wir gerade kein Hochschulzertifikat vergeben. Auch wenn dies 2008 vom Bildungsminister in Aussicht gestellt wurde. Mit einem Hochschulzertifikat würden wir nur wieder Kandidaten ansprechen, die nach ein paar Jahren Manager sein, aber keine Maschine bedienen wollen.

MuM: Welchen Wert hat diese Ausbildung in China am Arbeitsmarkt?
Köppe: Die Verwertbarkeit in der Industrie ist sehr attraktiv, das wissen alle. Deswegen ist es ja auch erklärtes Ziel, mittels dieser Ausbildung in China einen Anreiz zu schaffen und die Mitarbeiterfluktuation zu senken.

MuM: Sind die Fachkräfte nach der Ausbildung vertraglich ans Unternehmen gebunden?
Köppe: Ja, für zwei Jahre, sonst müssen die Ausbildungskosten zurückgezahlt werden.

MuM: Die Ausbildungskosten werden aber oftmals einfach vom neuen Arbeitgeber bezahlt, der eine Fachkraft abwirbt. Haben Sie keine Probleme mit der Fluktuation?
Köppe: Nein, im Gegenteil. Die Ausbildung in China ist sehr angesehen. Die Fachkräfte wissen, dass sie eine Ausbildung erhalten, die sie hoch qualifiziert. Zudem entwickeln sie über die Ausbildungszeit eine starke Firmenbindung, die natürlich weiter gefördert werden muss.

MuM: Wie hoch sind die Ausbildungskosten und wer trägt diese?
Köppe: Die Ausbildungskosten liegen bei ca. 250 EUR pro Monat und werden von den Unternehmen getragen.

MuM: Welche Berufsgruppen werden ausgebildet?
Köppe: Wir bilden hauptsächlich Mechatroniker und Werkzeugmacher aus – jene Berufsgruppen also, die wir dringend benötigen und wo man fachlich sehr spezialisiertes Know-how braucht.

MuM: Wie rekrutiert Dunkermotoren diese Leute?
Köppe: Wir versuchen, jene Leute direkt anzusprechen, die nicht für die Universität zugelassen sind und sie auf die Ausbildung und die Kooperation mit dem Chien-Shiung-Institut hinzuweisen.

MuM: Und die kommen dann alle in den Genuss der dualen Ausbildung?
Köppe: Nein. Dunkermotoren beschäftigt in Taicang aktuell 137 Mitarbeiter, etwa 70 Prozent davon sind ungelernte Arbeitskräfte. Davon werden ein bis zwei Mitarbeiter pro Jahr in den Ausbildungsgang geschickt. Meist sind es Vorarbeiter oder Instandhalter. Die konkrete Zahl richtet sich nach unserem Bedarf. Insgesamt gibt es aber 30 bis 35 Abgänger pro Jahr pro Ausbildungszweig.

MuM: Vielen Dank für das Gespräch!

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