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Einkauf, Marketing und Marken > Fax lebt weiter

Das gute alte Faxgerät: Warum es in Deutschland noch immer nicht ausgedient hat

| Midia Nuri

Obwohl längst digital ersetzt, hält sich das Faxgerät in Deutschland hartnäckig – als Beweismittel, Notlösung oder Kultobjekt mit brummender Vergangenheit.

Das gute alte Faxgerät hat Sitzfleisch in deutschen Amtsstuben, aber auch in Unternehmen. (Foto: chatgpt)

von Midia Nuri

Ein leiser, schriller Piepton lässt wissen, dass das Faxgerät auf dem Tisch neben dem Doppelschreibtisch soeben Verbindung aufnimmt. Auch, ohne dass man einen Druckauftrag gesendet hat, erklingt nun – wenn alles gutgeht – das Geräusch von über Papier brummenden Druckköpfen. Bedruckte Seiten schieben sich aus dem viereckigen Kasten. Am anderen Ende hat gerade eine Person eine oder mehrere Seiten Papier in ihr Faxgerät geschoben und auf „Senden“ oder „OK“ gedrückt oder ein Dokument per Unified Messaging als Fax ausgedruckt oder versandt. Die Deutsche Bundespost führte den Faxdienst hierzulande 1979 offiziell ein, der Beginn einer innigen deutschen Liebe. Anfang der 1990er-Jahre war das Fax, kurz für Telefaksimile, allgegenwärtig. Sogar mobile Geräte gab es, die im Auto schon mal 30 Seiten ausspuckten. 

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„Unser Presseverteiler war damals ein Faxverteiler“, erinnert sich Regina Reichardt. Die heutige Leiterin des Telekom-Unternehmensarchivs begann ihre Karriere im Fernmeldebereich der Deutschen Bundespost, landete nach der Privatisierung beim Telekommunikationskonzern in Bonn, wo sie als Pressesprecherin arbeitete. „Wenn ich heute einen Artikel aus dieser Zeit im Archiv sehe, weiß ich, dass ich zuvor am Faxgerät gestanden habe, von wo aus die Information damals zeitgleich an Agenturen und Redaktionen gefaxt wurde“, sagt Reichardt. 

Arbeiteten die ersten Faxgeräte noch mit Thermopapier, auf dem die Schrift mit der Zeit langsam verblasste, breiteten sich ab etwa den 2000er-Jahren Faxgeräte mit Tintenstrahl- oder Laserdruck-Technologie aus. Statt Rollen mit Spezialpapier reichte dann Kopierpapier. Damit war der Siegeszug der Technologie gesichert, trotz der etwa zeitgleich aufkommenden E-Mails, die das Telefax über die Jahre dann ersetzten. „Den Presseverteiler beliefert unsere Pressestelle heute natürlich auch per E-Mail“, sagt Reichardt. 

Faxgeräte sind allerdings oft noch im Einsatz. Im April 2023 suchte die Bundesnetzagentur sogar einen neuen Anbieter für „Erbringung von Faxdienstleistungen“ mit einer monatlichen Prognose von 3000 bis 4000 Faxen. 2015 lag die Fax-Quote in deutschen Firmen dem Meinungsforschungsunternehmen YouGov zufolge bei rund 80 Prozent. Während der Corona-Pandemie sank sie wegen der fortschreitenden Digitalisierung auf 40 Prozent. 

Während die Geräte in vielen Ländern inzwischen im Museum stehen, sind sie in Deutschland zum Teil noch unentbehrlich. Denn Faxe werden vor Gerichten in der Regel als Beweis für eine Übermittlung anerkannt und sind so eine kostengünstige und zeitsparende Alternative zum Einschreiben. Das ist vor allem bei juristischen oder medizinischen Schriftstücken wichtig. Bei der Telekom und auch seit vergangenem Jahr im Deutschen Bundestag sind die Faxgeräte mittlerweile abgestöpselt. 

Telekom-Konkurrent Vodafone widmet dem letzten Faxgerät im Haus einen eigenen Blogbeitrag – samt Interview mit der seit mehr als 25 Jahren im Unternehmen tätigen Maschine. Wie ein Museums-Ausstellungsstück residiere es in der 16. Etage des Vodafone Towers in Düsseldorf. „Die Rechtsabteilung schickt immerhin noch einmal pro Woche juristische Dokumente auf ihre Reise“, schreiben Volker Petendorf und Ute Brambrink. „Ich bin vielleicht nicht das modernste Gerät“, erklärt das Fax, „aber ich bin immer für meine Kolleginnen und Kollegen da, wenn sie mich brauchen.“ 

Dabei ist fürs Faxen seit gut 20 Jahren kein extra Gerät mehr nötig. Per Unified Messaging lassen sie sich auch per E-Mail senden und empfangen, sogar mit eigener Faxnummer. Mit dem klobigen Kasten auf dem Tisch ist es dennoch nicht vorbei. Multifunktionsdrucker mit Fax-, Scan-, Druck- und Kopierfunktion verkaufen sich nach wie vor millionenfach. 2024 waren es rund 2,9 Millionen klobige Kästen, die piepen und brummen. 

Das Faxgerät – Ein deutsches Technikphänomen

  • Einführung durch die Bundespost: Der Faxdienst wurde 1979 offiziell in Deutschland eingeführt und schnell populär.
  • Höhepunkt in den 1990ern: Das Faxgerät war allgegenwärtig – sogar mobile Geräte fürs Auto waren im Einsatz.

  • Technischer Wandel: Anfangs nutzten Geräte Thermopapier, später kamen Tintenstrahl- und Laserdruck-Technologien mit Normalpapier.

  • Fax trotz E-Mail: Auch nach dem Aufkommen der E-Mail blieb das Faxgerät lange Standard, besonders in Unternehmen und Behörden.

  • Juristisch relevant: Faxe gelten vor Gericht weiterhin als Beweismittel – daher in Kanzleien und medizinischen Einrichtungen noch im Einsatz.

  • Corona-Effekt: Während der Pandemie sank die Fax-Nutzung in Firmen laut YouGov von 80 % (2015) auf etwa 40 %.

  • Faxen in Zeiten der Digitalisierung: Noch im Jahr 2023 plante die Bundesnetzagentur mit 3000–4000 Faxen pro Monat. 2024 wurden rund 2,9 Millionen Drucker mit Faxfunktion verkauft – das Fax lebt also ein bißchen weiter. 

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