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Zukunftsmärkte > Unternehmensnachfolge & Mittelstand

Filter mit Zukunft: Wie Fiola und Barton Nachhaltigkeit zur Strategie machen

| Björn Hartmann

Ein Mittelständler aus Hattingen und eine Bonner Familienholding zeigen, wie Nachfolge und Wachstum in der Industrie gelingen können.

Visionäre Szene: Eine Person rahmt symbolisch die Sonne vor einer industriellen Filteranlage
Vision trifft Technik: Fiola ist heute weltweit unterwegs, betreibt Büros in Prag, New York und Santiago de Chile. (Foto: Ki-generiert MuM)

Von Björn Hartmann 

Manchmal passt es einfach. Dann trifft ein Finanzinvestor mit Ambition auf einen Ingenieurbetrieb mit Tradition – und gemeinsam rollen sie den Markt auf. Wenn dann noch die Chefs so gut miteinander können, dass der eine den Gedanken des anderen zu Ende führt, kann das nur gut werden. In diesem Fall geht es um Wasserfilter für industrielle Anwendungen, was vielleicht etwas langweilig klingt, aber wichtig ist für jeden Produktionsbetrieb. Ohne sauberes Kühlwasser laufen die Anlagen meist nicht.  

Da ist Fiola, ein kleines, aber feines Unternehmen aus Hattingen im Ruhrgebiet, das die Filtertechnik liefert, und die Barton Group Familienholding aus Bonn, die sich bisher vor allem mit Immobilien-Investmentfonds für institutionelle Anleger beschäftigt hat und nun mit Fiola ins Industriegeschäft eingestiegen ist. Und da sind Fiola-Geschäftsführer Dino Degenhard und Barton-Chef Dominik Barton, ohne nichts vorankäme. 

Fiola, der Name steht für Filtertechnik Otto Laskowski, gibt es seit 1993. Doch die Anfänge liegen im 19. Jahrhundert bei der Firma Briegen, die in Bochum sogenannte Luftmassenfilter für den Bergbau herstellte – damals einer der ganz großen Industriezweige im Ruhrgebiet. Heute produziert Fiola Rückspülfilter für Prozesswasser, das für die Kühlung von Industrieanlagen gebraucht wird. Die Filter können einen Durchmesser von 17 Zentimetern haben, aber auch zwei bis drei Meter. Gefiltert wird alles zwischen 0,05 und 1,0 Millimeter Größe. Mehr als 10.000 Anlagen von Fiola sind weltweit im Einsatz. 

Das Unternehmen wirtschaftete vor sich hin – innovative Technik, gefragt, Einzelanfertigung, kaum zu kopieren. Gut, es hätte investiert werden müssen, aber grundsätzlich lief es. Das Fiola-Team um Chef Degenhard jedenfalls hatte einige Ideen, wie sich das Geschäft ausbauen ließe. Was aber fehlte, war der finanzielle Schub der Eigentümer. Fiola war in Privatbesitz. Dann stellte sich, wie so oft, die Altersfrage im Eigen­tümerkreis. 

Keine 80 Kilometer Luftlinie entfernt in Bonn-Bad Godesberg sitzt die Barton Group. Sie entstand in den 90er-Jahren, steuert bislang erfolgreich Immobilienfonds für Versorgungswerke und Pensionskassen sowie kirchliche Träger oder das Eigengeschäft von Banken und Sparkassen. Das verwaltete Vermögen beträgt rund 1,5 Milliarden Euro. Chef ist seit 2015 Dominik Barton. Auch ­dieses Unternehmen geht auf einen Industriebetrieb zurück. Die Familie verkaufte Ende der 80er-Jahre und orientierte sich neu. 

2023 dann der nächste große Schritt. „Vor einiger Zeit gab es innerhalb der Gesellschafterfamilie der Barton Group Familienholding die strategischen Überlegungen, wieder ins Industriegeschäft einzusteigen“, sagt Dominik Barton. „Wir wollten etwas mit Wasser und Nachhaltigkeit machen. Da passte das Engagement bei Fiola perfekt.“ Degenhard ergänzt: „Die industrielle Wasserfiltration hat den Bergbau überlebt und ist heute relevanter denn je. Das ist eine Zukunftstechnologie, die in nahezu jedem automatisierten Produktionsprozess eingesetzt wird.“ 

Entsprechend breit gefächert sind Fiolas Kunden. „Wir beliefern praktisch alle Dax-Konzerne, die Produktion haben, und auch den deutschen Mittelstand“, sagt Barton. Branchenschwerpunkte sind Automotive, Chemie und die Rüstungsindustrie. „Unsere Filter sitzen auch in Entsalzungsanlagen für die Trinkwassergewinnung.“  

Nur, wie kommt eine Immobilieninvestmentholding aus Bonn auf einen Industriefilterbauer aus Hattingen? In diesem Fall nicht über Berater, Unternehmensbörsen oder eine Investmentbank, sondern über die Industrie- und Handelskammer. „Im Zuge einer Altersnachfolge haben wir über die IHK nach Käufern gesucht. Es gab mehr als 25 Interessenten“, sagt Degenhard. Seine Familie hielt 50 Prozent. Die andere Hälfte gehörte zwei anderen Gesellschaftern. „Bei uns war das Vertrauen sofort da“, erinnert sich Barton. „Wir haben 75 Prozent der Anteile übernommen. Fiola hat eine hervorragende Mannschaft und ein tolles Produkt. Aber wir wollen mehr. Unser Ziel ist, weiteres Wachstum zu generieren und weitere Marktanteile zu erschließen.“ 

2023 übernahm Barton Fiola. Chef Degenhard selbst ist mit 25 Prozent beteiligt. „Beim Produkt müssen wir uns nicht verstecken. Aber bei der Internationalisierung und beim Marketing geht sicherlich immer noch mehr“, sagt er. Und Barton ergänzt: „Das Unternehmen hat eine große Wachstumsstory vor sich. Wir geben jetzt gemeinsam Vollgas, um die strategischen Ziele zu erreichen.“ 

Fiola ist heute weltweit unterwegs, betreibt Büros in Prag, New York und Santiago de Chile. Der größte Konkurrent sitzt auch in Deutschland: Boll und Kirch in Kerpen ist deutlich größer, was allerdings weder Barton noch Degenhard anficht. „Wir bauen die Anlagen einzeln für den jeweiligen Bedarf, wir sind kein Massenhersteller. Das ist unser großer Vorteil“, sagt der Fiola-Chef. „Die Konkurrenz arbeitet mit standardisierten Produkten. Neben den Filtern bieten wir Wartung, Instandhaltung, Ersatzteilmanagement.“ 

Energiebranche als Chance

Die Hattinger beschäftigen rund 45 Mitarbeiter. Für Buchhaltung und ähnliche Zentralaufgaben greift das Unternehmen auf die Holding zurück. Bei der Wartung arbeitet es mit der IBS Facility Solutions zusammen, einer anderen Barton-Tochter, die sich um Industrieimmobilien kümmert. Der Umsatz bewegt sich im mittleren siebenstelligen Bereich, konkrete Zahlen wollen weder Degenhard noch Barton nennen. Nur so viel: „Fiola schreibt schwarze Zahlen, trotz des schwierigen Umfelds“, sagt Degenhard. 

Barton fasst die Lage zusammen: „Die Rüstungsindustrie vergibt gerade vermehrt Aufträge, die Metallindustrie auch. Bei Autobauern ist es aktuell Instandhaltung. Bei der Chemieindus­trie ist unklar, wohin es geht. Da sind gerade mehr Wartung und Ersatzteile gefragt.“ Dann ist da noch die Energiebranche, die sich zu größeren Abnehmern entwickeln könnte. „Die Energiegewinnung aus Flüssen wird wichtiger. Dabei wird Energie über Wärmetauscher gewonnen“, sagt Degenhard. „Auch diese Anlagen müssen gekühlt werden.“ Und Barton fügt an: „Auch da werden unsere ­Filter gebraucht und eingesetzt.“ 

Weitere Industriezukäufe plant der Chef der Bonner Familienholding erst einmal nicht. „Wir sind sehr konservativ, was weitere Zukäufe angeht“, sagt er. „Wir schauen uns im Industriebereich Unternehmen danach an, ob sie zu Fiola passen und ob die ­Branche zukunftsfähig ist.“ Das scheint bei den Hattingern der Fall zu sein. „Unsere Produkte sind besonders nachhaltig. Die sogenannten ,atmenden‘ Filterkerzen sind elastisch. Deswegen setzen sie sich nicht so leicht zu und müssen nicht so oft durchgespült werden. Das spart bis zu 30 Prozent Wasser“, erklärt Degenhard. „Außerdem halten unsere ­Filter besonders lang.“ Manche Anlagen seien schon seit 30 Jahren in Betrieb – ohne Mängel. „Da zeigt sich wieder die deutsche Ingenieursqualität“, sagt ­Barton. „Wir liefern aus Hattingen in die ganze Welt und sind erfolgreich damit.“ 

Die Macher: Barton & Degenhard

Alles im Fluss: Als der Bonner Immobilieninvestor Barton Group einen Industriebetrieb sucht, findet er Fiola Filtertechnik aus Hattingen. Jetzt starten beide international durch. Dominik Barton (l.) und Dino Degenhard haben mit Fiola Großes vor. barton-holding.de

 

Auf einen Blick: Fiola & Barton

Was ist Fiola?

  • Fiola steht für Filtertechnik Otto Laskowski und entwickelt seit 1993 Rückspülfilter für industrielle Kühl- und Prozesswasseraufbereitung. Das Unternehmen aus Hattingen (NRW) ist spezialisiert auf Einzelanfertigungen mit hoher Langlebigkeit und Nachhaltigkeit.

Wer steckt hinter Barton?

  • Seit 2023 ist die Barton Group Familienholding Mehrheitsgesellschafter. Die Holding mit Sitz in Bonn verwaltet rund 1,5 Mrd. Euro – bisher vor allem über Immobilienfonds für Versorgungswerke und Banken. Mit Fiola steigt sie in den industriellen Mittelstand ein.
  • Zukunftstechnologie: Sauberes Prozesswasser ist essenziell für Produktion, Energie, Chemie, Rüstung und Automotive.

  • Nachhaltigkeit: Fiolas Filter sparen bis zu 30 % Wasser und sind extrem langlebig (bis zu 30 Jahre Betrieb).

  • Global aktiv: Fiola liefert weltweit – u.a. über Standorte in Prag, New York und Santiago de Chile.

Was macht Fiola besonders?

  • Maßgeschneiderte Anlagen statt Serienfertigung

  • Eigene Wartung und Ersatzteilmanagement

  • Einsatz von „atmenden“ Filterkerzen (elastisch, effizient, ressourcenschonend)

  • Mehr als 10.000 Anlagen weltweit im Einsatz

Wie kam die Übernahme zustande?
Die Kontaktanbahnung erfolgte über die IHK im Rahmen einer Altersnachfolge. Die Barton Group übernahm 75 Prozent, Geschäftsführer Dino Degenhard hält weiterhin 25 Prozent.

Wachstumspläne?

  • Ausbau von Marketing und Internationalisierung

  • Nutzung von Synergien mit anderen Barton-Tochterfirmen

  • Fokus auf nachhaltige Industriekunden – etwa in der Energie- oder Wasserwirtschaft

Die Akteure:

  • „Wir liefern aus Hattingen in die ganze Welt – und sind erfolgreich damit.“ – Dominik Barton
  • „Wasserfiltration ist heute relevanter denn je.“ – Dino Degenhard

 

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