Mittwoch, 15.08.2018
Zollbefreite Tropfen: In japanischen Supermärkten finden Kunden auch deutsche Weine und Lebensmittel. Deren Hersteller profitieren bald von Zollfreiheit im Export.

Fotoquelle: Koji_Ishii/Thinkstock/Getty Images

Zollbefreite Tropfen: In japanischen Supermärkten finden Kunden auch deutsche Weine und Lebensmittel. Deren Hersteller profitieren bald von Zollfreiheit im Export.

Zukunftsmärkte
Ab 2019 Zollfreiheit mit Japan

Freihandelsabkommen Jefta setzt Zeichen gegen Protektionismus

Ab kommendem Jahr sollen europäische und japanische Unternehmen vom gemeinsamen Freihandelsabkommen (Jefta) profitieren. Davon, dass es in die Zeit neuer Zölle und Handelsstreitigkeiten fällt, lassen sich die Vertragsparteien nicht verunsichern.

Das Freihandelsabkommen zwischen Japan und der Europäischen Union (Jefta) befindet sich auf der Zielgeraden. 2019 soll es in Kraft treten. Die Wirtschaft erwartet mehr Handel, ein stärkeres Wachstum und neue Arbeitsplätze. Im Interview erläutert Jörg Grünenberger, Leiter des Japan-Geschäfts bei KPMG Deutschland, die Vorteile des Abkommens für den deutschen Mittelstand.

Jörg Grünenberger ist Leiter des Japan-Geschäfts bei KPMG.

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Jörg Grünenberger ist Leiter des Japan-Geschäfts bei KPMG.

Der Vertragstext für Jefta ist unterzeichnet – ab wann können deutsche Unternehmen nun zollfrei nach Japan liefern?
Planmäßig ab dem kommenden Jahr, wenn das Europäische Parlament im Dezember zustimmt. Die Verhandlungen laufen ja bereits seit fünf Jahren, und bislang sieht alles gut aus.

Welche Standards wurden im Rahmen des Freihandelsabkommens angeglichen?
Kern von Jefta ist die Abschaffung von Importzöllen. Japan wird auf 94 Prozent aller EU-Importe keine Steuer mehr erheben, wenn Jefta in Kraft ist. Die EU erlässt die Zölle auf 99 Prozent aller japanischen Waren. Sogar Einfuhrzölle auf japanische Autos fallen weg, allerdings erst 2027. Zusätzlich dazu gleichen Japan und Deutschland ihre Zulassungsverfahren und technischen Standards an. Und bei Datenschutz, Energiesicherheit und Kriminalitätsbekämpfung wird mit Blick auf die internationale Sicherheit ebenfalls enger kooperiert.

Welche Branchen profitieren davon?
Freihandel und die Erleichterungen bei Einfuhr- und Zulassungsverfahren kommen am Ende praktisch jeder Branche zugute. Automobilunternehmen, Maschinenbauer, Unternehmen der Chemiebranche und sogar Lebensmittelfirmen wie zum Beispiel deutsche Winzerbetriebe werden davon profitieren. Außerdem beinhaltet Jefta die Anerkennung und den Schutz regionaler Herkunftsangaben wie Kölsch, Kobe-Rind oder Schwarzwälder Schinken.

Wo müssen die Vertragspartner aus Ihrer Sicht noch nachbessern?
Damit auch der Mittelstand die Vorteile von Jefta genießen kann, sollten jetzt Verfahrenserleichterungen vereinbart werden. Am wichtigsten ist, die Zulassungsverfahren für importierte Produkte stärker an den Bedürfnissen der Wirtschaft auszurichten. Vor allem wenn es darum geht, Agrarprodukte und Lebensmittel in den Handel bringen zu können. Das betrifft zum Beispiel Angaben und Nachweise zu Herkunft und Qualität von Produktbestandteilen oder Lebensmittelzutaten.

Welche Probleme im Handel mit Japan beseitigt Jefta nicht?
Für den direkten Handel zwischen der EU und Japan bleiben die vergleichsweise hohen Logistikkosten ein wichtiges Thema auch für deutsche Unternehmen. Wer mit japanischen Partnern Geschäfte macht, muss die Produkte ins Land bringen – und das ist bei der Entfernung trotz Freihandel teuer.

Wie wichtig ist Japan als Markt für den deutschen Mittelstand?
Japan und Deutschland sind wirtschaftlich eng verbunden und passen gut zueinander. Zahlreiche deutsche Unternehmen nutzen das Land daher als Sprungbrett nach Asien. Andersherum nutzen japanische Unternehmen die zentrale Lage und exzellente Infrastruktur Deutschlands, um sich von hier aus dem europäischen Markt zu widmen. Das hat unsere Studie „Business Destination Germany 2018“ gezeigt.

Der Jefta-Abschluss fällt in eine Zeit zunehmenden Protektionismus. Wie bewerten Sie das Abkommen vor diesem Hintergrund?
Jefta ist ein willkommenes Signal für mehr Freihandel, von dem letztlich alle profitieren. Wirtschaftliche Kooperation, Handel und eine Liberalisierung der Märkte sind Grundpfeiler unseres Wohlstands. Bildlich kann man sich das als ein Rohr mit Wasserhahn vorstellen. Protektionismus und Zölle schließen den Hahn und reduzieren den Durchfluss. Werden Zölle gesenkt, erhöht sich der Durchfluss und der Handel zieht an. Das belegen auch die Zahlen: Das Handelsvolumen mit Südkorea ist nach Inkrafttreten des Freihandelsabkommens mit der EU erheblich gestiegen. Die EU-Ausfuhren stiegen innerhalb von sechs Jahren um 59 Prozent. Jefta kann Ähnliches bewirken: Die EU erwartet, dass das Handelsvolumen mit Japan um ein Viertel steigen wird. Einige Agenturen prognostizieren Deutschland und Japan einen Anstieg um ein Drittel. Da der deutsche Mittelstand vom Exporthandel lebt, ist das Freihandelsabkommen also ein klares Investitionssignal.