Freitag, 26.02.2016
Gegen den Smog: Mit stärkerer Automatisierung und Industrie wachsen auch die Umweltbedenken. China investiert deswegen in Umwelttechnologien.

Fotoquelle: Gautier Willaume/Thinkstock/Getty Images

Gegen den Smog: Mit stärkerer Automatisierung und Industrie wachsen auch die Umweltbedenken. China investiert deswegen in Umwelttechnologien.

Zukunftsmärkte
13. FJP im Fokus

Fünfjahresplan: China investiert in Umwelttechnologien

Der Ruf als größter Klimasünder der Welt gefällt China nicht. Die Regierung in Peking wird daher in den kommenden Jahren viel Geld in den Einsatz von Umwelttechnologien stecken. Der 4. Teil der Serie zum 13. Fünfjahresplan.

Pünktlich zum chinesischen Neujahr tritt im März der neue Fünfjahresplan Chinas in Kraft. Als eine der besonders förderungswürdigen Kernindustrien dürfte er die Umwelttechnologie definieren. Denn mit wachsendem Wohlstand und stärkerer Automatisierung in der Industrie steigt der Strombedarf rapide. Gleichzeitig aber auch die Umweltbedenken im Land.

Noch ist die chinesische Energiewirtschaft hochgradig abhängig von der Kohle. Die Auswirkungen zeigen sich im smogverhangenen Himmel über Peking und anderen Großstädten. Erst im Dezember 2015 ließ die chinesische Führung wieder Fabriken in der Hauptstadt abschalten. Auch für den APAC-Gipfel im November 2014 lagen die Industrieanlagen rund um den Tagungsort still, um für einen klaren Himmel zu sorgen.

Auch mit der Umsiedlung von Industrieanlagen aus den Ballungsgebieten heraus in strukturschwächere Gebiete versucht es die chinesische Führung. „Das mag Peking bessere Luft bescheren, ist aber rein kosmetisch“, findet Patric Spethmann, Geschäftsführer des Wohnaccessoire-Händlers Gries Deco Company. „Denn das Problem wird nur verlagert. Und auch die Bevölkerung im Westen wird sich in naher Zukunft gegen die Verpestung wehren.“ 

Umwelttechnologien der ganzen Bandbreite

Langfristigere Erfolge verspricht stattdessen eine Umstrukturierung der Energiegewinnung. „Daher treibt die Regierung den Ausbau der Erneuerbaren massiv voran“, berichtet Mirjam Meissner vom Mercator Institute for China Studies (Merics). Wasserkraft ist schon jetzt wichtig für den Energiemix, zusätzlich treten die Solarenergie und Windturbinen in den Fokus. „Für deutsche Umwelttechnologiefirmen ergeben sich dadurch Aufträge auf der ganzen Bandbreite“, prognostiziert Meissner.

Von Erneuerbarer Energieproduktion bis hin zu Stromeffizienz, Wasseraufbereitung und Entsorgung können sich deutsche Firmen überall einbringen. Die jährliche Sonneneinstrahlung in China beträgt durchschnittlich 1.500 Kilowattstunden pro Quadratmeter und auch das Potenzial für Energie aus Wind und Wasser ist enorm. Diese Energie muss gewonnen werden, transportiert und gespeichert.

Weil die Industrialisierung Chinas in den vergangenen Jahren mehrfach auf Kosten der Natur geschah, ist zudem die Reinigung von verseuchten Böden ein großes Thema. Außerdem ergeben sich Geschäftschancen für Hersteller von spezieller Filtertechnik, da die Ausstoß-Grenzwerte für einzelne Industriezweige erhöht beziehungsweise strenger durchgesetzt werden dürften.

Partnersuche für Umwelttechnologie-Ausschreibungen

Doch nicht nur für den Einsatz im eigenen Land will China Knowhow bei Umwelttechnologien sammeln. Auch die internationalen Geschäfte der eigenen Firmen sollen so vorangetrieben werden. „Viele Anlagen, die mit unseren Komponenten hergestellt werden, verbleiben nicht in China, sondern gehen von dort aus in alle Welt“, berichtet auch André Zahn. Er leitet mit seinem Vater und seinem Bruder die Kracht GmbH und liefert Zahnrad-Pumpen, Ventile, Hydromotoren und Durchflussmesser. Seine Pumpen kommen in China häufig in Windkraftgetrieben zum Einsatz, die sie mit sauberem Schmieröl versorgen.

Interessante Umwelttechnologie-Projekte zu finden, dürfte für deutsche Mittelständler daher kein Problem sein. Eine Herausforderung ist jedoch, geeignete Partner zu finden. „Die Projekte sind oft zu groß für eine mittelständische Firma allein, da müssen bilaterale Teams zusammenfinden“, rät Mirjam Meissner.

Um Kooperationen zu erleichtern, haben das deutsche Bildungsministerium und das chinesische Wissenschafts- und Technologieministerium bereits eine Plattform geschaffen, auf der sie deutsche Firmen mit chinesischen zusammenbringen und bei der Kooperation begleiten. „Solche Formate sind durchaus hilfreich und dürften in Zukunft noch weiter gestärkt werden“, vermutet Meissner.