Freitag, 12.02.2016
Chinas 13. Fünfjahresplan soll für eine Öffnung des Gesundheitssektors sorgen, um dem Versorgungsbedarf im Land gerecht zu werden. Eine große Chance – auch für deutsche Betreiber.

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Chinas 13. Fünfjahresplan soll für eine Öffnung des Gesundheitssektors sorgen, um dem Versorgungsbedarf im Land gerecht zu werden. Eine große Chance – auch für deutsche Betreiber.

Zukunftsmärkte
13. FJP im Fokus

Fünfjahresplan: China modernisiert den Gesundheitssektor

Im Rahmen des 13. Fünfjahresplans möchte China den eigenen Gesundheitssektor an neue Entwicklungen anpassen. Davon profitieren deutsche Medizintechnikhersteller und Klinikbetreiber. Teil 2 der Serie.

Mit zunehmendem Wohlstand steigt auch in China die Nachfrage nach hochwertigen Gesundheitsleistungen. Behandlungen, die sich noch vor einem Jahrzehnt kein chinesischer Angestellter leisten konnte, werden dadurch attraktiv. Zudem verändert der demographische Wandel die Anforderungen: Immer mehr alte Menschen stehen einer kleiner werdenden Gruppe Erwerbstätiger gegenüber, was vor allem mit der Ein-Kind-Politik zusammenhängt.

Die Entwicklung und Modernisierung des Gesundheits- und Medizintechniksektors wird im neuen Fünfjahresplan
 daher eine große Rolle spielen. Traditionell macht die chinesische Regierung viel Geld locker, um die in den Fünfjahresplänen definierten Ziele auch umzusetzen. Deutsche Hersteller und Gesundheitsanbieter können davon im großen Stil profitieren.

Fünfjahresplan sorgt für Öffnung des Gesundheitssektors

Um dem Versorgungsbedarf im Land gerecht zu werden, muss und will China den örtlichen Gesundheitssektor öffnen. Privaten Betreibern aus dem Ausland wird es verstärkt möglich sein, Kliniken zu eröffnen und Versorgungsleistungen anzubieten. Deutsche Betreiber können mit ihrer Erfahrung punkten und beispielsweise Konzepte zur Altersversorgung vor Ort adaptieren.

Mit größerem Wohlstand nimmt außerdem die Häufigkeit von sogenannten Wohlstandskrankheiten wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu. Hersteller von speziellen Zucker- oder Kreislauf-Medikamenten, Defibrillatoren und Herzschrittmachern bekommen Hauptkonjunktur.

Medizintechnik: Transparenz der Wertstoffkette

Um die Standards im Medizintechnikbereich zu erhöhen, plant die chinesische Regierung beim Import von Geräten und Technik zudem eine vollständige Transparenz der Wertschöpfungskette, erklärt Stefan Kracht, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Fiducia. „Wo kommt die Ware her, wer waren die Zulieferer, wie wurde Produkte transportiert, an wen wurde sie zu welchem Preis verkauft“, zählt er auf, was Firmen demnächst belegen müssen.

Die durch Lebensmittel-Skandale gebeutelte Industrie möchte dadurch in der Lage sein, mangelhafte technologische Ware zurückzuverfolgen. Zudem wolle man Korruption und Vetternwirtschaft eindämmen, heißt es. Derzeit verkaufen Ärzte häufig Medikamente und Gesundheitsleistungen an ihre Kunden, deren Preis sie selbst bestimmen und von denen ein großer Anteil in die eigene Tasche wandert. Zudem kassieren Ärzte hohe Prämien der Pharmahersteller. „Das Vertrauen der Chinesen in ihr Gesundheitssystem ist daher sehr niedrig und soll durch transparentere Strukturen neu aufgebaut werden“, erklärt Stefan Kracht.

Kritiker befürchten jedoch, dass die neue Transparenz hauptsächlich den Staatsunternehmen dient. Denn je offener die Wertschöpfung liegt, desto einfacher können Dritte importierte Technologie oder Konzepte abkupfern. Auch im Kernsektor Gesundheitswesen wollen die Chinesen eigenes Know-how aufzubauen und nicht lange auf ausländische Anbieter angewiesen sein. Lieferanten sollten daher vorsichtig sein, was sie auf ihren Lieferpapieren preisgeben.