Freitag, 19.02.2016
Börse in Shanghai: Der Fünfjahresplan soll der chinesischen Wirtschaft dabei helfen, ihren zwielichtigen Ruf abzuschütteln.

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Börse in Shanghai: Der Fünfjahresplan soll der chinesischen Wirtschaft dabei helfen, ihren zwielichtigen Ruf abzuschütteln.

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Fünfjahresplan: Ist Korruption in China bald Geschichte?

Mit einer gut orchestrierten Kampagne entließ Chinas Regierung im Sommer 2014 zahlreiche Parteikader wegen Korruption. Und die Anstrengung für mehr Transparenz gehen weiter – auch zur Freude deutscher Firmen. Der 3. Teil der Serie.

Deutsche Firmen können darauf hoffen, mithilfe einer transparenteren Projektvergabe bald mehr öffentliche Aufträge in China zu erhalten. Denn durch Antikorruptionskampagnen und eine aufwändigere Prüfung von Bewerberfirmen will die chinesische Führung Chancengleichheit schaffen.

Zuletzt sorgte im Sommer 2014 eine Aufräumaktion innerhalb der Kommunistischen Partei für internationales Aufsehen. Der vorläufige Höhepunkt der Antikorruptionskampagne des chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping führte zur Entlassung mehrerer hochrangiger Funktionäre wegen Vorwürfen der Korruption. Zudem schaffte die chinesische Führung auch für andere Funktionäre Annehmlichkeiten wie Dienstwagen und hohe Spesen ab.

„Einerseits ist die chinesische Regierung daran interessiert, Korruption und Vetternwirtschaft zu beseitigen“, warnt Mirjam Meissner vom Mercator Institute for China Studies (Merics). Gleichzeitig vermuten Experten, Xi Jinping habe durch den orchestrierten Kahlschlag Widersacher aus dem Weg geschafft, um die eigene Macht zu stärken. 

China will mit Fünfjahresplan Korruption loswerden

Dennoch sendet die Kampagne eine wichtige Nachricht, die sich auch im neuen Fünfjahresplan wiederfinden dürfte: Die chinesische Wirtschaft möchte ihren zwielichtigen Ruf abschütteln. Nicht mehr derjenige soll einen Auftrag bekommen, der dafür am tiefsten in die Tasche greift. Sondern derjenige, der für das Projekt am besten geeignet ist.

Von Vorteil für deutsche Mittelständler ist, dass sie schon immer so agieren. „Wir bekommen Aufträge, weil Preis und Leistung stimmen“, berichtet Andre Zahn, Geschäftsführer des Pumpenherstellers Kracht. „Krumme Geschäfte überlassen wir den Großen“, scherzt er.

Denn als klassischer Zulieferer agiert Zahn ebenso wie andere deutsche Mittelständler an einer Stelle im Projekt, die nicht sonderlich korruptionsanfällig ist. Meist seien Gesamtprojekte für Mittelständler eine Nummer zu groß. „Wir kommen weiter unten in der Lieferkette“, sagt André Zahn. 

Fünfjahresplan: Transparente Projektvergabe

Nichtsdestotrotz könnte der Anspruch einer transparenteren Wirtschaft deutschen Firmen weitere Chancen eröffnen. Nahezu alle Projekte im Bereich der Umwelttechnologien und des Infrastrukturbaus schreibt die Regierung aus, auch der Gesundheitssektor hat viele öffentliche Auftraggeber. Wenn sie sich an transparentere Vorschriften zur Projektvergabe halten müssen, profitieren ausländische Firmen sehr konkret.

Bei der Beschaffung von Medizintechnikprodukten hat die chinesische Führung bereits angekündigt, mehr Informationen zur Wertschöpfungskette einzufordern. Das ist zum einen gefährlich für deutsche Hersteller, die fürchten, dass sie ihre Herstellungsprozesse allzu offen ausbreiten müssen und damit leichtes Opfer zu werden für Diebstahl geistigen Eigentums

Höherer bürokratischer Aufwand

Zum anderen bedeutet eine transparente Präsentation der eigenen Firma und ihres Angebots bei einer Ausschreibung einen höheren bürokratischen Aufwand. Den direkten Weg über einen „Agenten“, der Anträge bei Behörden schon einmal mit Priorität eingereicht hat, gibt es dann nicht mehr. Stattdessen werden sich Unternehmer mit dem Ausfüllen von Formularen und der Beantwortung ausführlicher Fragen zu Lieferketten und Compliance beschäftigen müssen.

„Trotz des erhöhten bürokratischen Aufwands ist Transparenz aber langfristig der richtige Weg“, findet Stefan Kracht, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Fiducia. „Denn deutsche Firmen erhalten bessere Chancen für Aufträge.“ Nur an einem anderen Plan der chinesischen Regierung – die Bürokratie im Land abzubauen – zielt dieses Vorhaben vorbei.