Montag, 26.11.2018
Zukunftsmärkte
Protektionismus

Fürchten Sie die US-Strafzölle?

Erst China, dann die Europäische Union und jetzt die Türkei: Mit seinen Handelskriegen destabilisiert US-Präsident Trump die Weltwirtschaft. Welche Auswirkungen haben die amerikanischen Strafzölle auf den deutschen Mittelstand?

Die USA verhängen Strafzölle gegen China, China verhängt Strafzölle gegen die USA, die USA drohen der EU mit Strafzöllen, die EU redet den USA die Strafzölle aus … Niemand blickt mehr durch – und die Leidtragenden sind die Unternehmen.

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Wir haben nachgefragt, wie der Mittelstand auf die wirtschaftspolitischen Entwicklungen blickt.

<b>Thomas Lampe, Geschäftsführer, Pieper GmbH, Schwerte</b><br>
„Mit unseren Systemen für Videosicherheit und Prozessüberwachung bedienen wir einen hochspezialisierten Markt. Der Kauf einer neuen Brandfrüherkennung wird meist über einen längeren Zeitraum hinweg geplant. Einen Umsatzrückgang aufgrund der Strafzölle können wir derzeit nicht beziffern. Wir rechnen aber nicht damit, dass Strafzölle die Entscheidung unserer Kunden beeinflussen. Um konkurrenzfähig zu bleiben, müssen sie bei ihrer Produktion auf Prozesssicherheit und Qualität achten.“<b>Roland Schreiner, Geschäftsführender Gesellschafter, Schreiner Group GmbH & Co. KG, Oberschleißheim</b><br>
„Als Hersteller von selbstklebenden Funktionsteilen und -etiketten sind wir nicht direkt von den Strafzöllen betroffen, auch weil wir in den USA produzieren. Dennoch betrachten wir die aktuelle US-Politik mit Skepsis. Unser Hauptabnehmer ist die Pharmaindustrie, deren Produkte meist von Zöllen ausgenommen sind. Die Automobilindustrie – auch ein wichtiger Markt für uns – ist da kritischer zu sehen. Zölle können die gesamte Weltwirtschaft schwächen, worunter natürlich auch wir leiden würden.“<b>Maria E. Schmidt, Geschäftsführerin und Senior Consultant, BOA GmbH, Menden</b><br>
„Das Thema US-Strafzölle ist vor allem in der mittelständischen Zulieferindustrie präsent. Viele Unternehmen äußern sich sehr zurückhaltend. Insgesamt ist die Stimmung eher abwartend. Einige Firmen fürchten, dass die Strafzölle in den USA dazu führen, dass Billigimporte den europäischen Markt überschwemmen. Das würde den Wettbewerb verzerren. Andere Unternehmen wollen ihre Lieferbedingungen für Exporte generell anpassen, um die Strafzölle rechtzeitig eingepreist
zu haben.“<b>Jürgen Biffar, Geschäftsführer, DocuWare GmbH, Germering</b><br>
„Die aktuellen wirtschaftspolitischen Aktionen der USA treffen die digitale Wirtschaft derzeit nicht. Das gilt auch für die Frage der Strafzölle, die der amerikanische Präsident verhängen will. Für wesentlich gefährlicher halte ich dagegen die Vorhaben, mit denen ihrerseits die Europäische Union versucht, große US-Digitalkonzerne (wofür auch immer) zu bestrafen. Das könnte zu Gegenreaktionen der US-Regierung führen – und diese könnten dann auch uns treffen und unser Geschäft beschädigen.“

Der Artikel gehört zu einem Thema aus der „Markt und Mittelstand“-Ausgabe Oktober 2018. Hier können Sie das Heft bestellen und „Markt und Mittelstand“ abonnieren.