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Zukunftsmärkte > Wirtschaft & Kapitalmärkte

Globale Konjunktur stagniert – Technologie bleibt Wachstumsmotor

| Markt und Mittelstand Redaktion

Trotz globaler Konjunkturschwäche steigen Tech-Aktien. Die Realwirtschaft stagniert – Investoren setzen auf Zukunftsmärkte.

Portrait einer römischen Skulptur mit Sonnenbrille
Mit rosaroter Brille durch die Krise: Investoren sehen Chancen, wo reale Wachstumsimpulse noch auf sich warten lassen. (Foto: shutterstock)

06.8.2025 Markt und Mittelstand

Während geopolitische Spannungen, Handelskonflikte und fiskalische Impulse das globale Wirtschaftsklima bestimmen, bleibt die realwirtschaftliche Dynamik gering. Zu diesem Fazit kommt Guy Wagner, Chief Investment Officer von BLI – Banque de Luxembourg Investments, in der August-Ausgabe seines monatlichen Marktberichts Highlights. Weder die Konjunkturprogramme noch die geldpolitische Kulisse entfalten bislang spürbare Wirkung. Die Weltwirtschaft bleibt im Leerlauf.

USA: Wachstum dank Handelsbilanz – Konsum schwächelt

Das US-BIP legte im zweiten Quartal um annualisierte 3 Prozent zu – ein scheinbar robuster Wert. Doch Wagner relativiert: Der Schub sei primär auf sinkende Importe zurückzuführen, nachdem Unternehmen im ersten Quartal im Vorgriff auf Zölle massiv Lagerbestände aufgebaut hatten. Der private Konsum, eigentlich das Rückgrat der US-Konjunktur, expandierte hingegen nur um 1,4 Prozent. Eine Fortsetzung des bereits im Vorquartal erkennbaren Abschwungs.

In der Eurozone blieb ein Einbruch zwar aus, das Wachstum fiel mit +0,1 Prozent jedoch marginal aus. Die positive Exportdynamik des Frühjahrs ist verpufft – die Unsicherheit um die Zollpolitik der USA bremst. China verbuchte mit 5,2 Prozent Wachstum ein solides Quartal, getragen von widerstandsfähigen Exporten. Der Binnenkonsum bleibt wegen der anhaltenden Schwäche im Immobiliensektor unter Druck. Japan wiederum dürfte vom neuen Handelsabkommen mit den USA – inklusive 15-Prozent-Zöllen – kaum profitieren.

Inflation bleibt uneinheitlich – Zentralbanken auf Warteposition

Die Inflationsraten zeigen sich in den großen Volkswirtschaften unterschiedlich: In den USA legte die Gesamtinflation im Juni auf 2,7 Prozent zu – ein möglicher erster Effekt der neuen Importzölle. In der Eurozone hingegen bleibt die Teuerung im Juli stabil bei 2,0 Prozent, die Kerninflation bei 2,3 Prozent.

Die Zentralbanken zeigen sich angesichts der wirtschaftlichen Gemengelage zurückhaltend. Die US-Fed beließ ihren Leitzins trotz politischem Druck unverändert. Jerome Powell setzt auf Beobachtung: Es sei offen, ob Vollbeschäftigung oder Preisstabilität stärker gefährdet seien. Die EZB sieht sich mit dem aktuellen Einlagensatz von zwei Prozent am Ziel – nach einem ganzen Jahr der Lockerung ist vorerst geldpolitische Ruhe eingekehrt.

Anleihemärkte stagnieren – Aktienmärkte setzen Erholung fort

An den Zinsmärkten herrscht Stillstand: Die Renditen 10-jähriger Staatsanleihen zogen sowohl in den USA als auch in der Eurozone leicht an, blieben aber in engen Bandbreiten.

Anders das Bild an den Aktienmärkten: Der globale MSCI All Country World Index stieg im Juli um 4,0 Prozent – unterstützt durch den starken US-Dollar und Steuererleichterungen in den USA.

Zugleich fielen die endgültigen Zollmaßnahmen weniger drastisch aus als zunächst angekündigt. Besonders gefragt: Technologie, Energie und Kommunikationsdienstleistungen. Schwächer entwickelten sich Gesundheitswesen, Materialien und Basiskonsumgüter.

Fazit

Investoren setzen auf Erholung – die Realwirtschaft bleibt fragil. Die Kapitalmärkte antizipieren Impulse, die in der wirtschaftlichen Realität bislang kaum angekommen sind. Die Frage bleibt, wie lange sich diese Diskrepanz aufrechterhalten lässt – und welche Märkte zuerst eine Kurskorrektur einleiten. In einer Welt im konjunkturellen Stillstand scheint der Technologiesektor derzeit der letzte verlässliche Treiber für Wachstum und Rendite zu sein.

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