Dienstag, 13.10.2015

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Vor allem für den zeitkritischen Transport von Waren ist der Güterzug aus China eine echte Alternative.

Zukunftsmärkte
Mittelstand nutzt Landweg

Güterzug nach China „gehört zum Standardprogramm“

Noch vor drei Jahren als revolutionäre Neuigkeit gefeiert, ist die Güterzugverbindung zwischen Deutschland und China für deutsche Firmen bereits zur Normalität geworden. Lediglich der Preis bleibt ein Argument fürs Schiff.

2012 fuhr der erste Güterzug eines deutschen Logistikers nach China. Was damals als Neuerung gefeiert und nur von einigen wenigen genutzt wurde, ist mittlerweile beim breiten deutschen Mittelstand angekommen. „Die Zugverbindung zählt für uns in bestimmten Situationen zum Standardprogramm“, berichtet etwa Patric Spethmann, Geschäftsführer des Wohnaccessoire-Händlers Gries Deco Company.

Einen großen Teil der Ware, die in den Läden der eigenen Einzelhandelskette Depot verkauft werden, bezieht die Gries Deco Company von Partnern aus Fernost. „Und richtig eingesetzt ist der Zug für unseren Warentransport eine gute Alternative zum Schiff“, so Spethmann.

Hauptsächlich spricht der Zeitfaktor für den Transport per Schiene. Die 11.000 Kilometer zwischen China und Deutschland legt der Zug in zweieinhalb Wochen zurück. „Unsere time-to-market können wir bei relevanten Sendungen dadurch im Vergleich zur Schifffahrt um die Hälfte reduzieren“, freut sich Spethmann.

Hinterland an Transportnetz anschließen

Einen weiteren Vorteil des Güterzugs lassen sich dessen Betreiber noch entgehen. Nämlich die Möglichkeit, über die Verbindung auch Werkstandorte im Westen Chinas ans Transportnetz anzuschließen. „Im Moment rauscht der Zug noch durch Chinas Hinterland durch und hält erst an der Ostküste“, berichtet Spethmann. Doch wäre die Einrichtung von Zwischenstopps in Xian oder Chengdu durchaus möglich.

Dadurch würde das unerschlossene chinesische Hinterland für diejenigen Firmen interessanter, die die Regierung in Peking seit Jahren von ihrer „Go-West-Strategie“ überzeugen will. Noch schreckt sie die lange Transportzeit per Lkw an die chinesische Ostküste, von wo aus Waren verschifft oder am Bord von Flugzeugen geladen werden. Per Zug wäre der Weg ohne Umweg über die Küste machbar.

Platz im Sammelcontainer

Auch für kleine Firmen, deren Liefermenge nicht für einen ganzen Container reicht, wird die Alternative per Zug immer interessanter. Denn für sie gibt es die Möglichkeit, eine Kiste in einem Sammelcontainer von China nach Deutschland zu schicken. Seit August bietet das etwa der Transportlogistiker Militzer & Münch an. Einmal pro Woche fährt er aus dem ostchinesischen Yiwu nach Duisburg und zurück.

Kostengünstig ist der Transport per Schiene jedoch nicht. „Eigentlich kann man es kaum vergleichen, da Seefracht zurzeit unverhältnismäßig günstig ist“, gibt Spethmann zu bedenken, daher sei im Moment der Transportpreis für den Zug mehr als dreimal so hoch wie der fürs Schiff. „Aus Kostengründen importieren wir das Gros unserer Waren deswegen immer noch auf dem Seeweg“, erzählt Spethmann. „Aber wenn unsere Ware hier knapp wird und wir schnell Nachschub brauchen, laden wir gern mal einen Container auf den Zug.“