Freitag, 27.07.2012
Zukunftsmärkte
Brasilien

Heute London, morgen Rio

Heute die olympischen Spiele in London an. Doch viele Mittelständler blicken bereits hoffnungsvoll über den Teich. Denn bei Olympia 2016 in Brasilien bietet sich eine lukrativ Marktchance.

Die Investitionen für das Mammutprojekt reichen in den zweistelligen Milliardenbereich. Die Unternehmensberatung Munich Strategy Group rechnet damit, dass in Infrastrukturprojekte für die Fußball WM 2014 und Olympia 2016 in Brasilien 60 Milliarden Euro investiert werden.

Relevante Branchen

Am meisten profitieren die Baubranche und deren Zulieferer von den Infrastrukturprojekten, die durch die Spiele angetrieben werden. Stadien, Unterkünfte, Flughäfen, öffentlicher Nahverkehr, Häfen – all das muss für die beiden Mega-Events gerüstet sein. Damit einher gehen hohe Investitionen in die Energieversorgung. Konzepte für die Energiegewinnung und -technik sind gefragt. Gleiches gilt für den Bereich Telekommunikation. Wenn sich die Sportwelt in Brasilien versammelt, werden datenintensive Verbindungen für den reibungslosen Ablauf und die Übertragung der Ereignisse benötigt. Auch das Thema Sicherheit wird 2014 und 2016 eine große Rolle spielen. Experten schätzen, dass die Investitionen in Sicherheitstechnik im Vorfeld der beiden Events um zwei Drittel zunehmen werden.

Das Hamburger Unternehmen Dermalog ist angesichts der Perspektiven um Aufträge zentralen Regierung und der einzelnen Bundesstaaten aktiv. Die Biometrie-Produkte des Mittelständlers finden unter anderem Anwendung bei Grenzkontrollen. Gemeinsam mit seinem brasilianischen Partner Montreal Informática hoffen die Hamburger auf volle Auftragsbücher: „Gerade mit Blick auf 2014 rollen die Investitionen der öffentlichen Hand in die Sicherheitstechnik jetzt an“, erzählt Vertriebsleiter Oliver von Treuenfels. Erst im März diesen Jahres hatte Dermalog hohen Besuch an seinem CeBIT-Stand: Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff, in Begleitung von Bundeskanzlerin Angela Merkel, informierte sich über die Sicherheitstechnologie des Unternehmens.

Hoher Bedarf an spezialisierten Lösungen

Auch wenn viele Projekte rund um Olympia schon vergeben sind, ist sich Sebastian Theopold, Geschäftsführer der Strategieberatungsgesellschaft Munich Strategy Group, sicher, dass es noch nicht zu spät ist. „Im Gegenteil. Die Großprojekte sind zwar vergeben. Doch bei den Generalunternehmen konkretisieren sich jetzt erst die Bedarfe.“ Einzelausschreibungen laufen und je definierter der Bedarf, desto höher ist die Bereitschaft zu investieren und Aufträge zu verteilen.

Von Schnellschüssen rät Theopold jedoch ab. Unternehmer sollten zunächst das eigene Leistungsportfolio durchleuchten, schauen, was gebraucht wird und durch welche Besonderheiten sich die eigenen Produkte auszeichnen. „0815-Produkte braucht Brasilien nicht. Punkten kann man nur mit Speziallösungen. Den Standard bietet das eigene Land“, sagt der Brasilien-Experte.

Aufträge gewinnen

Projekte lassen sich ganz unterschiedlich an Land ziehen. Einige Aufträge werden von den Kommunen, andere direkt von dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und wieder andere von der Privatwirtschaft vergeben. Nicht immer ist die Bewerbung auf eine Ausschreibung der beste Weg. Vielmehr empfiehlt Unternehmensberater Theopold eine genaue Marktanalyse, um Entscheidungswege und wichtige Player zu erkennen. „Werden die eigentlichen Aufträge über Vertriebswege verteilt, muss ich den relevanten Händler ausfindig machen. Viel Zeit auf Papierkram für die öffentlichen Ausschreibung zu verwenden, ist dann reine Verschwendung.“ Netzwerke zu spannen und Fühler auszustrecken ist in Brasilien unerlässlich, um die Entscheidungswege zu erkennen.

Langfristige Strategie

Brasilien ist kein Land für kurzfristige Engagements. Angesichts eines hohen Maßes an Bürokratie, hoher Zölle und im Vergleich zu China hoher Kosten für Arbeitskräfte sollte der Schritt nach Übersee wohl überlegt sein. Eigene Niederlassungen oder ein enges Netz brasilianischer Partner erleichtern den Markteinstieg. Das Projekt Olympia sollte daher in eine langfristige Gesamtstrategie eingebettet sein. Mit dieser öffnet sich jedoch ein vielversprechender Markt.

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