Dienstag, 26.11.2019

Foto: Laempe Mössner Sinto

Spezialprodukte: Sogennte Kernschießautomaten werden vor allem in der Automobil- und Schwerindustrie für die Herstellung von Motoren benötigt.

Zukunftsmärkte
Laempe Mössner Sinto

Per Standortwechsel zum Hidden Champion

Als das Wachstum stockte, eröffnete Hans-Joachim Laempe Ende der neunziger Jahre einen neuen Standort in die Nähe von Magdeburg. Heute ist Laempe Mössner Sinto Weltmarktführer bei technischen Gießereilösungen speziell in der Kernfertigung für Motoren.

Laempe Mössner Sinto musste über sich selbst hinauswachsen, um neue Wachstumspotentiale zu heben. Bis 1997 befand sich der Sitz des Hidden Champions an dem Ort, wo es 17 Jahre zuvor auch gegründet wurde – im badischen Schopfheim, unweit der Schweizer Grenze. Zwar ist Süddeutschland ein Mekka der Maschinenbaubranche, doch die damalige Geschäftsleitung um den Gründer Hans-Joachim Laempe erlebte das eher als Nachteil. „Mit damals kaum 100 Mitarbeitern konnte das Unternehmen bei der Politik keine große Aufmerksamkeit erregen“, sagt Andreas Mössner, der seit 2009 geschäftsführender Gesellschafter ist. „Zudem war der Fachkräftemangel schon spürbar und das Wachstum war nicht zufriedenstellend.“

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Deshalb entschied sich Hans-Joachim Laempe Ende der neunziger Jahre, auf der grünen Wiese ein zweites Werk zu errichten. Die Wahl fiel auf ein kleines Örtchen bei Barleben in der Nähe von Magdeburg. Die Entscheidung zugunsten von Sachsen-Anwalt war gefallen, weil die Standortbedingungen attraktiv waren: „Magdeburg war schon vor der Wende bekannt für den Schwermaschinenbau und deshalb gab es in der Region viele gut qualifizierte Facharbeiter und Ausbildungsstätten wie die Uni Magdeburg“, erklärt Mössner. Eine direkte Autobahnanbindung und der Support durch die Politik trugen ihr übriges bei.

Strategische Partnerschaft mit japanischer Sinto

Foto: Laempe Mössner Sinto

Andreas Mössner von Laempe Mössner Sinto

Das Unternehmen entwickelte sich gut und 2006 wurde der Standort Barleben zum neuen Hauptsitz. Doch schon bald stand das Unternehmen vor seiner größten Herausforderung, denn zwei Jahre später verunglückte der Unternehmensgründer bei einem Flugzeugabsturz tödlich. Damit die Geschäfte weiterlaufen konnten, trat nun Werner Mössner in die erste Reihe. Bis dato war er stiller Teilhaber gewesen.

Trotz der unschönen Bedingungen setzte sich die Dynamik fort, die sich in einer zunehmende Spezialisierung und eine konsequenten Internationalisierung zeigte. Durch die Integration der Unternehmen Hottinger und Röperwerk in 2009 konnte Know-how hinzugewonnen und Kompetenz gebündelt werden. Auch die Internationalisierung kam voran. Heute verfügt der Hidden Champion in mehr als 20 Ländern über freie Vertretungen oder eigene Vertriebsgesellschaften.

An der Exportquote von mehr als 80 Prozent hat der asiatische Markt einen wichtigen Anteil. Um sich in dieser Wachstumsregion dauerhaft positionieren zu können, ging Laempe Mössner 2015 eine Partnerschaft mit dem japanischen Unternehmen Sintokogio (Sinto) ein, dem weltweit größten Gießereimaschinenhersteller. „Durch unsere Partnerschaft können wir beispielsweise die Vertriebsstrukturen von Sinto auf dem asiatischen Markt nutzen“, erklärt Andreas Mössner. Seitdem die Japaner 40 Prozent der Unternehmensanteile übernommen haben, firmiert das Unternehmen als Laempe Mössner Sinto.

Standort in Sachsen-Anhalt auch in Zukunft attraktiv

Ein Anteil am Unternehmenserfolg hat aber auch die Politik. Das Land Sachsen-Anhalt und die Gemeinde Barleben unterstützen das Unternehmen seit 1997 stark. Neben einer Beteiligung an der Startinvestition wurde auch die Anschaffung von Betriebsmitteln wie Lasern zur Effizienzsteigerung in der Produktion gefördert.

Seit fast 30 Jahren ist Laempe nun ein erfolgreiches ostdeutsches Unternehmen, aber eigentlich ist Firmenchef Andreas Mössner kein Freund solcher Zuweisungen. Immer noch zwischen Ost- und Westdeutschland zu differenzieren würde nur ein Keil zwischen beide Landesteile treiben. Das würde Unterschiede manifestieren, die es kaum noch gäbe. In den ersten Jahren nach der Wende habe es noch Unterschiede gegeben, klar. Der größte sei gewesen, dass die Mitarbeiter gewöhnt gewesen seien, alles selbst zu machen – „inklusive den Parkplatz zu pflastern und die Büromöbel selbst zu bauen“, erzählt Mössner. Heute gebe es kaum noch Unterschiede in Mentalität und Arbeitsweise. Deshalb sieht Andreas Mössner auch keinen Grund, Sachsen-Anhalt wieder den Rücken zu kehren: „Wir sind hier sehr zufrieden und wollen bleiben.“

Info

Das Unternehmen

Laempe Moessner Sinto setzt rund 70 Millionen Euro um und beschäftigt etwa 320 Mitarbeiter an zwei Standorten. Das jährliche Umsatzwachstum liegt bei durchschnittlich 5 Prozent. Am Hauptsitz im sachsen-anhaltinischen Barleben sind rund 250 Mitarbeiter in der Montage, Administration und Lagerhaltung tätig. In Schopfheim sind die F&E bzw. Konstruktion sowie Service und Vertrieb angesiedelt, dort arbeiten weitere 80 Menschen. Der Mittelständler stellt Kernschießautomaten, Begasungsgeräte, Sandmischer und Sandaufbereitungsanlagen her. Bei Kernschießautomaten ist das Unternehmen Weltmarktführer.