Freitag, 08.03.2019
Fingerabdruckscanner: Produkte von Dermalog sind eher in Nischenmärkten bekannt.

Foto: Dermalog

Fingerabdruckscanner: Produkte von Dermalog sind eher in Nischenmärkten bekannt.

Zukunftsmärkte
Erfolgreich, aber unbekannt

Unternehmen für Sicherheitstechnik will mehr als nur Hidden Champion sein

Weil es ohnehin nur wenige potentielle Kunden gibt, können sich viele Hidden Champions auf innovative Produkte konzentrieren. Durch ihr Nischendasein sind sie in der Öffentlichkeit allerdings häufig unbekannt. Das Biometrie-Unternehmen Dermalog kann ein Lied davon singen.

Das Hamburger Unternehmen Dermalog ist ein Hidden Champion, Exportweltmeister bei Fingerabdruck-, Gesichts- und Irisscannern – auch wenn die Zahl der Kunden beschränkt ist. Insgesamt ist das Unternehmen laut Geschäftsführer Günther Mull weltweit in 85 Ländern aktiv, der größte Teil des Umsatzs wird in Afrika, Asien und Südamerika erwirtschaftet. In Nigeria zum Beispiel nutzen nach Unternehmensangaben über 30 Banken Scanner des Unternehmens, die sowohl den Fingerabdruck als auch das Gesicht der Kunden bei einer Kontoeröffnung speichern. Sie sollen verhindern, dass Kriminelle unerkannt mehrere Konten unter verschiedenen Namen eröffnen, und so gegen Geldwäsche helfen. In Europa und vor allem in Deutschland gibt es allerdings nur wenige potentielle Abnehmer. In Frage kommen lediglich staatliche Stellen, die die Scanner zum Beispiel bei Passkontrollen einsetzen. Und selbst die tun sich mit dem Einsatz solcher Technologien schwer.

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Mull macht dafür vor allem die strengen Datenschutzgesetze in Deutschland und der EU verantwortlich. „Deutschland ist das Land der Ideen – aber leider auch das der Bedenkenträger. Deshalb können wir unsere neuesten Lösungen immer zuerst nur im Ausland verkaufen“, sagt der Dermalog-Geschäftsführer.

Günther Mull, Geschäftsführer von Dermalog

Foto: Dermalog

Günther Mull, Geschäftsführer von Dermalog

Der stark begrenzte Markt hat durchaus Vorteile. „Große Abnehmer wie Behörden und Regierungen sind für uns derzeit der wichtigste Wachstumsmarkt“, sagt Mull. „Der wirtschaftliche Erfolg in diesem Bereich hat auch dazu beigetragen, dass wir uns noch stärker auf technische Innovationen konzentrieren können.“ Das gelte seiner Meinung nach genauso zum Beispiel für viele Automobilzulieferer, deren Absatzmarkt durch wenige große Abnehmer ebenso beschränkt sei.

Dennoch wäre Mull lieber ein visible als ein hidden Champion. Denn bedingt durch das spezielle Produkt und den begrenzten Markt ist Dermalog relativ unbekannt in der Öffentlichkeit. Das führt zu Schwierigkeiten, geeignete Fachkräfte zu finden. Besonders die ohnehin hart umkämpften IT-Fachkräfte kennen das Biometrie-Unternehmen oft gar nicht. Dermalog versucht daher, mit Auftritten auf Veranstaltungen und Messen sichtbarer zu werden. „Solche Plattformen sind eine gute Möglichkeit, sich als potentieller Arbeitgeber zu präsentieren."

Info

Das Magazin „ExportManager“, das wie „Markt und Mittelstand“ im FAZ-Fachverlag Frankfurt Business Media erscheint, veranstaltet am 22. Oktober in Mannheim den „Tag der Exportweltmeister“. Zugelassen sind nur Vertreter exportierender Unternehmen – das garantiert effizientes Networking und praxisnahe Diskussion. Weitere Infos und Anmeldung auf der Veranstaltungswebseite.