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Einkauf, Marketing und Marken > Autoindustrie: IAA Mobility 2025

Ausblick IAA 2025: Ein Befreiungsschlag für deutsche Hersteller?

| Markt und Mittelstand Redaktion

IAA 2025: Deutsche Hersteller starten mit neuen E-Plattformen – doch die Konkurrenz aus China wächst rasant.

Ausschnitt aus Plakat IAA 2025
Die IAA Mobility 2025 zeigt sich als Bühne für ein ausgeprägtes Wettbewerbs-Duell zwischen europäischen und chinesischen Automobilherstellern. Letztere – darunter BYD, GAC, Changan und Hongqi – treten mutiger in Europa auf, getrieben von Absatzdruck und Handelsrestriktionen in anderen Märkten. Die IAA Mobility 2025 findet diese Woche in München statt. (Foto: IAA, Messe München)

08.09.2025 Markt und Mittelstand  

München: Mit einer Welle neuer Modelle wollen Volkswagen, Mercedes und BMW die am Montag eröffnende IAA Mobility 2025 zu einem Neustart nutzen. Der Druck ist immens: Auf den drei größten Automärkten – Europa, USA und China – ist der gemeinsame Marktanteil der deutschen Hersteller erstmals seit Jahrzehnten unter die Marke von 20 Prozent gefallen. Die in München präsentierte neue Generation von Elektroautos soll ein Signal setzen. BMW zeigt mit dem iX3 das erste Serienmodell der Plattform „Neue Klasse“, Mercedes das Elektro-SUV GLC auf MB.EA-Basis, VW den ID.Polo und ID.Cross als bezahlbare Einstiegsmodelle. „Wir führen BMW in eine neue Ära“, so Vorstandschef Oliver Zipse.

Altlasten der ersten Elektro-Generation

Die Notwendigkeit ist groß: Die erste Modellgeneration deutscher Elektroautos gilt als Fehlstart. Reichweite, Ladegeschwindigkeit und Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugten die Kunden kaum, Prestigeprojekte wie Mercedes EQS oder BMW i7 verkauften sich schlecht. Nach dem Ende der Kaufprämie 2023 verstärkte sich die Elektro-Flaute im wichtigsten europäischen Markt. Parallel scheiterten VW, Mercedes und BMW in China am Vormarsch von Tesla und heimischen Marken wie BYD. Folge: Der gemeinsame Elektro-Marktanteil sank von 14 Prozent im Coronajahr auf zuletzt 12,8 Prozent – nur gestützt vom schwächelnden US-Konkurrenten Tesla in Europa.

 

Milliardeninvestitionen – und hohe Risiken

Die neue Modelloffensive basiert auf Milliardeninvestitionen: BMW steckte über zehn Milliarden Euro in die Entwicklung der „Neuen Klasse“ und weitere zwei Milliarden in ein Werk in Ungarn. Volkswagen verplant mehr als 100 Milliarden für Elektromobilität und Software, Mercedes hält sich zu Summen bedeckt. Doch Analysten wie Oliver Wyman und McKinsey warnen: Bis 2035 könnten bis zu ein Drittel der industriellen Wertschöpfung – rund 440 Milliarden Euro – verloren gehen, sollte die Transformation misslingen. Scheitert die zweite Generation der E-Autos, drohen Stellenverluste in sechsstelliger Größenordnung. Schon jetzt streicht VW 35.000 Arbeitsplätze.

Technologische Aufholjagd

Die neuen Plattformen sollen zeigen, dass die deutschen Hersteller wieder technologisch mithalten können. Dank 800-Volt-Architektur lassen sich BMW iX3 und Mercedes GLC deutlich schneller laden als Teslas 400-Volt-Modelle. Auch Software und Elektronik wurden überarbeitet, ruckelige Systeme und endlose Ladezeiten gehören der Vergangenheit an. BMW will bis 2027 sechs Modelle der Neuen Klasse einführen, Mercedes eine breite Stromversionen-Palette von C- bis E-Klasse auf den Markt bringen. Die Botschaft: Dies ist die letzte Chance, die globale Position zu verteidigen.

IAA 2025 – Premieren und internationale Konkurrenz

Deutsche Hersteller

  • BMW: iX3 (Neue Klasse), weitere 5 Modelle bis 2027

  • Mercedes: GLC EV (MB.EA), geplante Stromversionen von C- und E-Klasse bis 2027

  • VW: ID.Polo, ID.Cross als bezahlbare E-Kleinwagen

Chinesische Präsenz

  • 116 Hersteller & Zulieferer (Vorjahr: 75)

  • Marktanteil in Europa: von 2,8 % (2023) auf 4,7 % (2025)

  • MG: verkauft erstmals mehr Autos in Europa als Mini und Seat

  • BYD: Seal 06 DM-i Touring (Kombi), Expansion auf 120 Händlerstandorte

  • Xpeng: überarbeitete P7-Limousine, Konkurrenz für Tesla Model 3 & VW ID.7

  • Leapmotor: B05 (Kompaktwagen), Allianz mit Stellantis (Produktion in Spanien)

  • Chery: Omoda & Jaecoo (Hybrid/Verbrenner), Kampfpreisstrategie

IAA Mobility

Chinesische Präsenz in München

Die IAA ist zugleich ein Schaufenster chinesischer Ambitionen. 116 Hersteller und Zulieferer sind in München vertreten – ein Sprung von 75 im Vorjahr. Der Marktanteil chinesischer Marken in Europa wuchs binnen zwei Jahren von 2,8 auf 4,7 Prozent. Besonders MG, Tochter des Staatskonzerns Saic, hat mit Verkaufszahlen in Europa bereits Marken wie Mini und Seat überholt. BYD zeigt den Seal 06 DM-i Touring, Xpeng eine überarbeitete P7-Limousine, Leapmotor das Modell B05 in Allianz mit Stellantis. Chery bringt Omoda und Jaecoo als Preisbrecher, Zulieferer wie CATL stellen Batterien für den europäischen Markt vor.

Noch können die deutschen Konzerne ihre Stärke in Europa behaupten: Hier liegt ihr Elektro-Marktanteil bei über 40 Prozent, während chinesische Hersteller zusammen kaum auf sieben Prozent kommen. Doch die Schwäche in China und die schrumpfende Profitabilität gefährden das Fundament. Im ersten Halbjahr 2025 brachen die Gewinne von BMW um 26, von Mercedes um fast 60 und von VW um 39 Prozent ein. Porsche verzeichnete gar ein Minus von 90 Prozent. Ohne den Erfolg der neuen Plattformen droht der Weg von globalen Akteuren zu bloßen regionalen Champions.

Fazit

Die IAA 2025 ist mehr als eine Automesse – sie ist eine Schicksalsbühne. Die deutsche Autoindustrie kämpft um Marktanteile, Reputation und Profitabilität zugleich. Die neuen Plattformen sind ein Versprechen an Investoren, Mitarbeiter und Kunden. Doch die globale Konkurrenz aus China und die Kostenlast am Standort Deutschland machen den Befreiungsschlag riskant. Ob München tatsächlich den Neuanfang markiert, entscheidet sich nicht auf der Messe, sondern in den kommenden Verkaufszahlen.

Infokasten: Die Lage der deutschen Autoindustrie 2025

  • Marktanteil: In Europa, USA und China zusammen erstmals seit Jahrzehnten unter 20 %
  • Elektro-Anteil: 14 % (Corona-Jahr) → 12,3 % (2024) → 12,8 % (2025, nur durch Tesla-Schwäche in Europa stabilisiert)
  • Gewinne H1 2025:
    • BMW: –26 %
    • Mercedes: –60 %
    • VW: –39 %
    • Porsche Q2: –90 %
  • Arbeitsplätze: Bis 2030 bis zu 220.000 Stellen gefährdet (Oliver Wyman)
  • Wertschöpfung: Bis 2035 bis zu 440 Mrd. Euro auf dem Spiel (McKinsey)

Geschichte der IAA: Wussten Sie, dass ...

  • 1897: Erste Automobil-Ausstellung in Berlin mit 8 Fahrzeugen
  • ab 1951: IAA findet in Frankfurt statt, wächst zur Leitmesse der Branche

  • 2000er-Jahre: Rekordgrößen mit über 1 Mio. Besuchern und Hunderten Weltpremieren

  • 2019: Krise – Besuchereinbruch, Kritik an Konzept und Standort Frankfurt

  • 2021: Neustart in München als IAA Mobility – Fokus auf E-Mobilität, Digitalisierung und neue Mobilitätsformen

  • 2023: Deutlich stärkere Präsenz chinesischer Hersteller – Signal für globalen Wettbewerb

  • 2025: Größte internationale Mobilitätsmesse Europas, mit über 100 chinesischen Herstellern und massiven Investitionen deutscher Autobauer in Elektroplattformen

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