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Ifo-Umfrage: Inflation vor neuem Schub? Unternehmen rechnen wieder mit höheren Preisen

| Markt und Mittelstand / bk | Lesezeit: 2 Min.

Die steigenden Ölpreise spüren wir alle sofort, aber wie der Iran-Krieg viele weitere Preise treibt, werden die kommenden Wochen zeigen. Es gibt schon erste Befragungen, womit Unternehmer rechnen.

Skizze Preisanstieg orange
Preisdruck kehrt zurück: ifo meldet steigende Erwartungen in allen Branchen. (Foto: shutterstock)

Deutschlands Unternehmen stellen sich wieder auf steigende Preise ein. Der ifo-Indikator für Preiserwartungen sprang im März auf 25,3 Punkte, nach 20,3 im Februar – der höchste Stand seit März 2023. „Der Preisdruck in Deutschland nimmt wieder spürbar zu“, sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo-Umfragen. Als Treiber sieht er vor allem die Energiepreise: „Die hohen Energiepreise dürften die Inflation in den kommenden Monaten erhöhen.“

Der Stimmungsumschwung kommt nicht von ungefähr. Höhere Preise für Rohöl, Gas und Strom – auch infolge des Kriegs im Nahen Osten – haben die Kalkulationen vieler Firmen verändert.

Nachdem Energie die Teuerung zuletzt eher gedämpft hatte, deutet nun vieles auf eine Gegenbewegung hin. Unternehmen beginnen, die gestiegenen Kosten weiterzugeben. Über teurere Produktion und Transporte dürften sich die Energiepreise zunehmend in Waren und Dienstleistungen niederschlagen.

 

Preisentwicklung bei konsumnahen Dienstleistungen

Besonders ausgeprägt ist dieser Trend in der Industrie, wo die Preiserwartungen von 13 auf 20 Punkte kletterten. Im Baugewerbe fiel der Sprung noch deutlicher aus: von 10 auf 20,2 Punkte. Konsumnahe Dienstleister zeigen sich ebenfalls preissetzungsfreudiger – ihr Indikator stieg von 25,1 auf 31,6 Punkte.

Auch unternehmensnahe Dienstleister, einschließlich des Großhandels, rechnen häufiger mit Preisaufschlägen (von 24,7 auf 27 Punkte). Der Befund ist breit: Der Preisdruck nimmt sektorübergreifend wieder zu.

Die steigenden Preiserwartungen sind mehr als eine kurzfristige Reaktion auf volatile Energiemärkte – sie markieren einen möglichen Übergang in eine Phase strukturell höherer Kosten in Europa. Kriege, geopolitische Risiken, fragmentierte Lieferketten und die Transformation der Energieversorgung wirken zusammen wie ein dauerhafter Kostensockel.

Für Unternehmen bedeutet das nicht nur Preisanpassungen, sondern auch strategische Neuausrichtungen: Effizienz, Resilienz und Preissetzungsmacht werden zu zentralen Wettbewerbsfaktoren. Für die Geldpolitik wiederum wächst die Herausforderung, zwischen temporären Schocks und verfestigten Inflationserwartungen zu unterscheiden – ein Balanceakt, der die wirtschaftliche Dynamik der kommenden Jahre prägen dürfte.

 

Preiserwartungen der Unterehmen

Der ifo-Indikator misst dabei nicht die Höhe geplanter Preisänderungen, sondern deren Richtung. Er ergibt sich als Saldo aus dem Anteil der Unternehmen, die Preise erhöhen wollen, abzüglich jener, die Preissenkungen planen. Ein Wert von +100 bedeutete, dass alle befragten Firmen höhere Preise anstreben; −100 entspräche flächendeckenden Senkungen. Die Werte sind saisonbereinigt.

Fakten in Kürze: Preiserwartungen (März 2026)

  • Gesamtindikator: 25,3 Punkte (Februar: 20,3) – höchster Stand seit März 2023
  • Haupttreiber: steigende Energiepreise (Öl, Gas, Strom)
  • Industrie: +7 Punkte (von 13 auf 20)
  • Baugewerbe: +10,2 Punkte (von 10 auf 20,2)
  • Konsumnahe Dienstleistungen: 31,6 Punkte (zuvor 25,1)
  • Unternehmensnahe Dienstleistungen/Großhandel: 27 Punkte (zuvor 24,7)
  • Trend: breit angelegter Preisdruck über alle Sektoren hinweg

Quelle: ifo-Konjunkturumfrage

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